Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1892)
- Date
- 1892-08-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1169 — Die Weltgeschichte lehrt uns und die Begebnisse der letzten Decennien bestätigen dies neuerdings, daß jeder Staat, auch der mächtigste, gezwungen ist Alliancen zu schließen; — allein ein unverläßlicher Verbündeter kann unter Umständen noch gefährlicher als ein offener Feind werden. Wenn ich auf die letzten Jahrzehnte zurückblicke, muß ich es mit tiefem Bedauern aussprechen, daß wir, Savoyen ausgenommen, mit keiner Macht in dauernde Bundesfreundschaft treten können. Frankreich ist ein Erbfeind des deutschen Reiches und läßt es bei keiner Gelegenheit unversucht ein Stück deutschen Landes an sich zu reißen. „Spanien hat zwar vor einigen Jahren Frieden mit uns geschlossen; aber es wird es nie verwinden können, daß es uns einige seiner schönsten Provinzen zugestehen mußte und hofft bei einer paffenden Gelegenheit, etwa wenn Oesterreich wieder in einen Krieg verwickelt oder durch innere Unruhen beschäftigt würde, diese zurückzuerobern. „Das deutsche Reich hat sich im höchsten Grade unzuverlässig erwiesen. Die protestantischen Fürsten sind schon als unsere Glaubensfeinde auch unsere politischen Gegner: Der König von Preußen, dessen Haus der Huld allerhöchst Ihres Vaters seine Königskrone verdankt, rivalisirt mit Oesterreich, unterhandelt oft insgeheim mit Frankreich, und hatte Lust bei der letzten Kaiserwahl als allerhöchst Dero Gegenkandidat aufzutreten. Der preußische Gesandte Bartholdi hatte sogar die Vermessenheit es zu erklären: es sei gerecht, daß die deutsche Kaiserkrone auf ein protestantisches Fürstenhaus überginge. In welchem erbärmlichen Zustande sich die Reichsarmee befand, wie widerwillig und in welchem elenden Zustande die kleineren Reichsfürsten ihre Contingente zu unserer Armee stoßen ließen, aus welchem unbrauchbaren Materiale sie bestanden, ist aus den Berichten unseres lorbeergekrönten Feldherrn, seiner Durchlaucht des Herrn Generalissimus genugsam bekannt. Höchstderselbe hat mehrmals ausdrücklich erklärt, daß ihm die Reichsvölker mehr zum Schaden als zum Nutzen gereichten. Die meisten der deutschen Reichsstände sind nur eine Last sür Oesterreich, sie fordern dessen Schutz, wenn sie bedroht sind, aber sie haben in den letzten Kriegen nur sehr wenig zur Verstärkung der österreichischen Hausmacht beigetragen. — England und die Generalstaaten waren nur so lange unsere Verbündeten, als es sich darum handelte, eine Vergrößerung Frankreichs zu verhindern. In dem Augenblicke, wo ihnen ihr Zweck erreicht schien, in dem entscheidendsten Momente des ganzen Krieges, versagten die Armeen unserer unverläßlichen Allirten, unserer geheimen Gegner ihre Mitwirkung, hielten Oesterreich in seinem Siegeslauf auf und schloßen endlich einen Separatfrieden mit Frankreich. Ueberhaupt können Staaten, wo nicht der mächtige Wille eines Monarchen, wo ein Parlament das Staatsruder führt, nie Oesterreichs dauernde Verbündete werden, eben so wenig wie das Wahlreich Polen. Schweden und Dänemark sind Erbfeinde des heiligen deutschen Reiches, und blos von Rußland wäre eine aufrichtige Bundesgenossenschaft zu erwarten, weil die beiden Staaten gemeinschaftlich die Türken, den Erbfeind der Christenheit bekämpfen; aber von Rußland trennt uns das verschiedene Glaubensbekenntniß und ein großes Stück Erde. „Bei dem Ausbruche des Krieges hätte ein russisches Hilfskorps viele Monate zu marschiren, bis es auf dem Kriegsschauplätze zu unserer Unterstützung anlangte. Ganz anders aber gestaltet sich das Verhältniß Savoyens zu Oesterreich! Schon durch ihre Lage sind die beiden Staaten auf aneinander angewiesen, sie werden auch von dem festen Bande der Glaubensgleichheit umschlungen, Savoyen hat genau, so wie Oesterreich eine Vergrößerung Frankreichs zu fürchten. Alle diese Gründe lassen es nur als heilige Pflicht erscheinen, dafür zu stimmen, daß Ew. Majestät, die Werbung Königs Victor Amadäus, um die Hand allerhöchst Dero Richte für seinen Sohn und Thronerben huldreichst anzunehmen geruhen." Der Kaiser hatte während der langen Rede des Erzbischofs mehrmals zustimmend mit dem Kopfe genickt, nur bei den Schlußworten runzelte er leicht die Stirne und sprach: „Wir müssen uns nicht deutlich ausgedrückt haben, wir sind von dem hochwürdigsten Herrn Erzbischof nicht vollkommen richtig verstanden worden. . . . Man wirbt nicht sofort um die Nichte des deutschen Kaisers. Der König hat vorläufig nur zu erfahren gesucht, wie seine Werbung ausgenommen werden dürfte." „Gewiß durch seinen erlauchten Vetter, seine Durchlaucht den Prinzen Eugen?" riskirte der Erzbischof und glaubte selbst nicht, was er sprach. Der Kaiser war verletzt, daß man es wagte durch eine an ihn direkt gerichtete Frage etwas erfahren zu wollen, was er auszusprechen nicht für gut befunden und er that, als wenn er die Worte überhört hätte, allein der Prinz sprach mit seiner klangvollen Stimme: „Nein! Mein Vetter König Amadäus ist ein kluger Mann, er weiß, daß ich diese Mission nicht übernehme, daß ich zu einer Verbindung unserer Prinzessin mit seinem Thronerben nicht zurathen, im Gegentheile mit aller Entschiedenheit abrathen werde." Der Kaiser streifte den Prinzen mit einem unwilligen Blicke und sprach: