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Der Israelit · 1892-08-04 · Heft 62 (4.8.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 62 (4.8.1892)
Date
1892-08-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1166 öffentlich gegessen und wurde er von dem Rabbiner, der nur beim „Dessert" zugegen war, bemerkt, auch genirt sich dieser Beamte nicht am na» nach dem Gottesdienst, nach dem 2 Stunden von hier entfernten H., wo er zur Zeit mit seiner Familie zum Sommeraufenthalt weilt, zu reisen. — Das hiesige Mtkwah wird von ca. 12—14 Frauen benützt, während die Gemeinde über 500 Frauen zählt. Die Kinder haben keine Ahnung von dem, was in unserer heil. Thora steht, und so könnte ich noch lange erzählen, wie es hier mit unserer Religion aussieht, und das Traurigste ist, daß es täglich schlimmer wird. Möge der liebe Gott unsere Zustände bessern. Regensburg. Wir werden um Aufnahme folgender Berichtigung ersucht: In der Notiz über die eingegangenen Spenden für die Abgebrannten Salonichts war bei Nennung der Städte die Stadt Regensburg in Bayern vergessen. Die hiesige Redaction der „Laubhütte" hat in zwei Sendungen, die Herr Rabbiner Dr. Meyer durch die Othomanische Bank auszahlen ließ, 4000 Frcs. u. 582,75 Frcs. ---4582,75 M. eingesandt. Aus Posen, im Juli. Das neueste Gesetz der Sonntagsruhe leistet offenbar dem rotff hb'n erheblichen Vorschub, und trägt dazu bei, daß Viele, die früher ihre Geschäfte am p"2& geschlossen hatten, dieselben jetzt offen haben, weil sie nicht die moralische Kraft besitzen, neben der Sonntags-Einnahme noch den Sabbat-Verdienst zu opfern. Angesichts dieser betrübenden Thatsache, sah sich ein Rabbiner veranlaßt, dem niv ^’n insofern Konzessionen zu machen, als er gewissen Geschäftsinhabern das schriftliche Versprechen abnahm, bis zu einer gewissen Tagesstunde am p"2v die Geschäfte geschloffen zu halten. Das wäre also eine Sabbatheiligung, nicht wie sie unserer heiligen Religion entspricht, sondern nach der neuesten Sonntagsruhe gemodelt. Nun zweifle ich ja nicht daran, daß die Absicht des betreffenden Rabbiners die möglichst beste war. Er mag sich gesagt haben, besser einen Theil des Sabbat heilig halten, als gar nicht. Ist aber der eingeschlagene Weg ein richtiger, ja. ein zulässiger? Etwas Anderes ist es, wenn Leute, theils aus Muthwillen, theils aus Charakterschwäche nar bbnn sind, und wieder ein Anderes, wenn sie ihren nat? durch ihre Rabbiner legitimiren können. Im erstern Falle ist eine Besserung möglich, im letztern nimmermehr. Wenn einmal der nnv b)b'n eine Form angenommen, die no“u “uvro, ist jede Hoffnung auf Besserung ausgeschlossen. Der ny pon gewöhnt sich sehr leicht daran, den nap wie den Sonntag zu behandeln, namentlich, wenn er sich auf einen a-i beziehen kann, bi tj» ’fc. Zweck dieser Zeilen ist also der: Vibod td,-^ F. Quedlinburg, 12. Juli. In der gegenwärtigen Zeit, in der die jüdischen Gemüther durch den Buschhoff'schen Prozeß auf's Höchste bewegt worden sind, ist es von Interesse zu hören, wie sich große christliche Theologen über den „Ritualmord" auslassen. Dank den großartigen Auseinandersetzungen des Straßburger Universitätsprofessors Dr. Nöldecke ist es gottlob schon so weit gekommen, daß sich sogar das entschieden judenfeindliche Blatt, die „Kreuzzeitung", dazu herbeiläßt, den „Ritualmord" als nicht bestehend zu erklären. Ich bin nun in der angenehmen Lage, Ihnen eine diesbezügliche Mittheilung des berühmten, leider vor einigen Jahren verstorbenen Herrn Prof. Franz D clitzsch in Leipzig an den ebendaselbst wohnenden großen Thoralehrer, eine der hervorragendesten Erscheinungen des zeitgenössischen Judenthums, Herrn Rabbiner S. Hurwitz ’"J, unterbreiten zu können, die wohl nicht verfehlen wird, Interesse zu erwecken und die auch zeigt, ein wie gerechter und humaner Mann der verstorbene Delitzsch war. Er schreibt: Verehrter Freund! Anbei schicke ich Ihnen Rohlings neueste Schrift, auf die ich antworten werde. Die Existenz der Bücher P und dhsd pHSD ist erlogen. Dies habe ich bereits konstatirt. lieber Rechtfertigung meiner Uebersetzung der Stellen als D’U'tp^n la und im* werde ich kein Wort verlieren; ich habe Zeugnisse dreier katholischen Theologen (worunter auch wahrscheinlich das des Prof. Dr. Bickel in Jnsbruck, an dessen Ausführungen sich im L'antener Prozeß Nöldecke vollständig anschloß), welche die Richtigkeit meiner Uebersetzung bezeugen." Wie Delitzsch selbst über den allverehrten Herrn Rabbiner Hurwitz dachte, hatte ich auch Gelegenheit, mich zu überzeugen. Der bekannte Kirchengelehrte und kgl. sächsische Domherr, das Oberhaupt des eon8i8torinm in relm8 evnngelicis in seinem Heimathlande, beweist auch in nachfolgendem Schreiben seine Gesinnung gegen Herrn Rabbiner Hurwitz: „.Ich möchte fast sagen," so führt er aus, „daß sich Leipzig rühmen kann, in Ihnen einen der größten, vielleicht den größten Talmudkenner der Gegenwart zu besitzen, dessen Gutachten und Meinungsäußerungen von einem Ende Europa's bis zum andern als gewichtvoll, ja als entscheidend gelten. Und daß Sie, obwohl ein so großer Talmudist, doch ein überaus humaner und allem gehässigen, fanatischen Treiben grundsätzlich fernstehender Gelehrter sind, habe ich im langen Verkehr mit Ihnen erprobt." Zum Schluß zeichnet er sich als „Ihr verehrungsvoll ergebener Geh. Kirchenrath Prof. Dr. Franz Delitzsch." Das ist doch wohlthuend, in einer Zeit der Gehässigkeit und Religionsfeiudlichkeit an derartige Beziehungen erinnern zu können.

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