Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1892)
- Date
- 1892-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1165 /feine weltgeschichtliche Mission, an seine culturelle Aufgabe, an seinen Aufschwung, an seine Bedeutung und Zukunft verloren hat. Israel hat aber! nie gezweifelt an seiner weltbeglückenden Sendung, j Es ist der Optimist unter den Völkern. In den finstersten Zeiten des Alterthums und des Mittelalters, wo fanatischer Wahnwitz die wildesten Elemente entfesselte, wo der Aberglaube und die Unwissenheit herrschten und in zügelloser Rohheit [Schrecken und Entsetzen verbreiteten, wo das Blut der Unschuldigen vergossen, die Ruhe der Friedfertigen gestört, jedes freie Streben gehemmt, jede edle Regung unterdrückt wurde, selbst in jenen düsteren Tagen wußte sich Israel die Freiheit des I Geistes, die Freudigkeit des Gemüthes, den Sinn für alles Hohe und Erhabene frisch und ungetrübt zu erhallen, so, daß es anstatt sich selbst zu bemitleiden, es auf seine Bedränger mitleidsvoll herabblicken konnte. Und wem hat es feine Geistesfrische zu verdanken, wem seine sittliche Größe, wem seine moralische Stärke? Nur der Thora und der Beobachtung der Gottesgesetze allein, 'o arv»yi onw D’Dyn oanrai üDnosn N'n. | Die Völker staunen über Eure Unverwüstlichj keit, über Eure Weisheit und Einsicht, die trotz! aller Verfolgungen ungeschwächt geblieben ist; wisset Ihr, wo die Ursache hiefür zu finden ist? orrw nmcn Weil Ihr beobachtet und ausübet die Gebote der Lehre. In den Zeiten, wo der Geist der Völker von Aberglauben und Vorurtheilen umnachtet war, herrschte in Israel Licht und Erkenntniß. Israel ist der Optimist unter den Völkern. Kaum regt sich ein Hauch der Freiheit in der Welt, kaum lösen sich seine Fesseln, in denen es gebannt war, kaum sind seine Thränen getrocknet, seine Seufzer verhallt, seine Wunden vernarbt, so erhebt es seinen gebeugten Nacken und richtet in seiner ganzen Größe sich auf; aller Kummer, alle Drangsal ist vergessen, und wir sehen es hoffnungsfroh und schaffensfreudig in Reih' und Glied stehen unter den übrigen Völkern und Antheil nehmen an dem friedlichen Kampf in Kunst und Wissenschaft, an der Lösung der Probleme der Zeit, an dem socialen und wirthschaftlichen Aufschwung, an dem Streben, Schaffen und Wirken zum Heil, zum Gedeihen und zur Wohlfahrt der Menschheit; zur Erreichung der höchsten Ziele. „Tröstet tröstet mein Volk, spricht Euer Gott!" Tröstet mein Volk immer und immer wieder. Denn immer und immer wieder richtet es sich wieder auf, grünt und blüht es, trägt herrliche Früchte und gedeiht; ein alter Stamm, der sich immer wieder verjüngt; ein Greis, der zum Jüngling wird. .nnasö t£Hp y-n dd rasa robtto iv* ptooi rfoo Zeitungsnachrichten und Correspouderrze«. Deutschland. Oppenheim a. Rh., 10. Juli. Das Ehepaar Simon Reiß feierte heute, umgeben von Kindern und Enkeln, die zum Theil aus weiter Ferne herbeigeeilt waren, das goldene Hochzeitsfest. Der Jubilar, welcher auf eine 25jährige Wirksamkeit als Cantor der isr. Gemeinde zurückblicken kann, wird übermorgen 79 Jahre alt, seine Ehefrau, die bekannt durch ihr gutes Herz und ihren schlichten Sinn ist, feiert heute den 73. Geburtstag. Die bei der Feierlichkeit eingelaufenen zahllosen Telegramme und Geschenke legten Zeugniß ab für die Beliebtheit des Jubelpaares, dem auch der Großherzog von Schwalbach aus telegraphische Glückwünsche sandte. Die Bürgermeisterei sandte ein Schreiben, worin gleichzeitig für die von den Söhnen Reiß für die Armen der Stadt gespendeten 200 M. gedankt wurde. Mühlhausen i. E, im Juli. Sie haben vor einiger Zeit die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen bezüglich unserer hl. Religion, als nicht sehr glänzend geschildert, daß dieselben sich seither zum Befferen gewendet hätten, kann ich leider nicht behaupten. Gerade das Gegentheil ist der Fall und erlauben Sie mir einige kurze Bemerkungen, wie die Verhältnisse in hiesiger jüdischer Gemeinde liegen. Seit beinahe zwei Jahren ist die hiesige prachtvolle Synagoge mit einer Orgel verziert, und soll solche, soviel ich hörte, aus Mitteln die durch Umgrabung von Tobten, vom alten Friedhof auf den Neuen, geflossen sind, erstanden worden sein. Mit dieser Orgel hatte man kein Glück, trotz aller Mühe konnte man ihr nur die herzzerreißendsten Töne entlocken und jetzt ist man damit beschäftigt eine größere in den oberen Theil des Gotteshauses zu stellen; bis Rosch-Haschono wird deren Einweihung stattfinden. — Ob der Herr Oberrabbiner auch bet dieser Feierlichkeit erscheint, weiß ich nicht. Einige Männer, die es mit unserer heiligen .uw noch ernst nehmen, besuchen seit Einführung der Orgel ein Privat-ym Die Metzgeret-Verhällnissen sind nicht besser. Von ca. 30—40 jüdischen Metzgern ist nicht einer, der nicht öffentlich ifi, und das Fleisch wird in einem Wagen zugleich mit Tin den Metzgern ins Haus gebracht, theilweise verkaufen sie selbst Schweinefleisch. Ein hiesiger Cultusbeamter hat an einerjüd. Hochzeit, die bet einem ch ri ft l. H o t e I i c r abgehalten wurde,