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Der Israelit · 1892-08-01 · Heft 61 (1.8.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 61 (1.8.1892)
Date
1892-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1153 anwendung zu ziehen. Die dreiWochen sprechen gar laut und vernehmlich, und besonders verständlich für unsere Tage. Zeitungsnachrichten nnd Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 31. Juli. Die einen so erfreulichen Fortgang nehmenden Sammlungen für Herrn Adolf B u s ch h o f f treiben den Nachfolgern Haman's die Schamröthe in's Gesicht. Die antisemitischen „Dresdener Nachrichten" erheben ein jämmerliches Geschrei darüber, daß die Juden so aufopferungsvoll für Buschhoff sammeln; während kein Christ sich regt, „um der Mutter Joanchens helfend zur Seite zu stehen. An sie denkt jetzt Niemand mehr, von ihr spricht fast kein Mensch weiter in der großen Christenheit. Trostlos ist ihr Elend und nur wenig Linderung birgt das christliche Bewußtsein, daß allein der ewige Richter den verruchten Thäter kennt und dereinst zur Verantwortung ziehen wird." Als wenn Joanchen, ähnlich wie Buschhoff, der Ernährer der Familie gewesen wäre. Es ist ja sehr lobenswerth, die arme Frau zu unterstützen, wenn sie es nöthig hat; was dies aber mit der Sache Buschhoff zu thun hat, verstehen wir nicht. Auch die „Staatsbürger-Zeitung" erläßt eine Bitte „um Hilfe für die unglückliche Familie des geschlachteten Knaben Joanchen Hegmann" und veröffentlicht in ihrer vorgestrigen Nummer bereits eine Lifte der für diesen Zweck eingegangenen Summen. Wir freuen uns aufrichtig, daß die jüdische Wohlthätigkeit so gute Früchte zeitigt, daß selbst unsere Feinde, wenn auch in schlimmer Absicht, durch dieselbe zu edlen Thaten erweckt werden. to lirD. „Gute Thaten, wenn auch Anfangs nicht in edler Absicht gethan, führen zuletzt schon auf den rechten Weg", so lautet ein Spruch aus dem vtelgeschmähten Talmud; und in unseren heiligen Schriften heißt es: penn *b o rmi i3-no mm dn o non nicn. „Der Gott Js' raels wünscht nicht den Tod des Frevlers, wenn er nur zurückkehrt von seinem Wege, dann mag er leben!" Berlin. Gegen die Fabel des jüdischen Ritualmords nimmt der bekannte Profeffor der Theologie Hermann Strack in einer Zuschrift an die „Staatsb.-Ztg." Stellung. Die in Mailand erscheinende „Osservatore Cattolica" hatte 10,000 Ltres denjenigen geboten, „die die in 75 Artikeln des Blattes gebrachten wissenschaftlichen Beweise für das Vorhandensein des jüdischen Ritualmordes widerlegen." Daraufhin erklärte sich Herr Strack bereit, die Unwifsenschaftltchkeit und Unrichtigkeit jener Aufsätze zu beweisen, sobald drei Schiedsrichter ernannt sind, deren Namen in der Welt irgendwelchen Klang haben. Er stellt dem „Oserpatore Cattolico" frei, selbst diese drei Schiedsrichter, von denen zwei Katholiken sein können, aus der Zahl derer zu erwählen, welche an irgend einer Universität des deutschen Reiches (oder an der gleichstehenden Akademie zu Münster) Theologie oder Ortentalia lehren. Professor Strack erläßt eine Erklärung, worin er feststellt, daß der „Oservatore Catholico", dem er vorgeschlagen hatte, vor drei in der Wissenschaftlichen Welt anerkannten Schiedsrichtern die Behauptungen über den Ritualmord der Juden zu widerlegen, sich in feiger Weise zurückzieht. Strack hatte verlangt, daß man die Schiedsrichter aus der Gesammtzahl Derer wähle, welche an irgend einer Universität des deutschen Reiches oder an der gleichgestellten Akademie zu Münster Theologie oder Orientalia lehren. Zwei Richter könnten Katholiken sein. Er stellt nun fest, daß der „Osservatore Catholico" statt dessen ganz unwissende Menschen wie Rohling, einen unbekannten Bibliothekar Weinbach in Leipzig und einen unwissenden und unehrlichen Mann wie Profeffor Eckert in Trier, einen Nichtkenner des Talmuds wie Prof. Warmund in Wien und einen unbekannten, Griechen vorgeschlagen habe. Ein solches Schiedsrichterkollegium könne er unmöglich acceptiren. Berlin, 29. Juli. Gestern waren es bereits vierzehn Tage, daß der Freispruch zu Cleve erfolgte. Was wir damals zu hoffen wagten, daß der Ausgang des Prozesses den von der Verhetzungsseuche Angefressenen Heilung bringen werde, hat sich nicht erfüllt. Wüthender denn je erhebt der Antisemitismus sein giftig Haupt; er hat nachgerade den Charakter einer Epidemie angenommen. Die Miasmen. die in den antisemitischen Versammlungen aufsteigen, das Seuchengift, das von den Spalten der antisemitischen Hetzpreffe aus den Leser anfltegt, um im Gehirn desselben den traurigsten aller Zersetzungsprozesse zu vollbringen, kurz, alles was den spezifischen Charakter des Antisemitismus als einer gefährlichen Zeitkrankheit bestimmt, es hat seine ansteckende Wirkung in bedenklichstem Umfange auszudehnen vermocht. Der glückliche Verlauf des Xantener Prozesses hat die Frechheit der gewerbsmäßigen Verbreiter der Epidemie nur noch gesteigert. Alle Scham, alle Scheu vor dem, was der anständige Mensch hochhält, hat der Antisemitismus mit unbegrenztem Cynismus über Bord geworfen. Ein ganzes Jahr hindurch lebte die antisemitische Presse von dem Knabenmord in Xanten. Das längst abgethane blöde Märchen von dem rituellen Morde wnrde

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