Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 61 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1147 zum Abdruck zu bringen. Der Text kann von uns unter Couvert kostenlos bezogen werden. Den nach Rußland gehenden Exemplaren des „Israelit" legen wir solche bet nsjon *wi. Berlin. Aus scharfen Angriffen gegen Ahlwardt besteht, wie bereits in voriger Nummer berichtet, eine Broschüre, welche unter dem Titel: „Ahlwardt Ende" bei I. von Groningen u. Co. in Berlin erschienen ist und nach angeblich „authentischen Enthüllungen Eingeweihter" von Ed. Mund verfaßt ist. Zunächst wird mitgctheilt, was der Antisemit August Weiß ausplaudert. Er bemühte sich, einen „Deutschen Bund zur Hebung des deutschen Mittelstandes" in die Hohe zu bringen; die Erfahrungen, welche er dabei mit seinen antisemitischen Freunden, namentlich in Geldsachen, machte, veranlaßten ihn, aus dem Bunde wieder auszutreten. Herr Weiß schildert dann den „großen Volkstribun" Ahlwardt in einer außerordentlich interessanten Weise. Wenn seine Angaben richtig sind, so hätten wir den großen Feldzug gegen das Judenthum nicht dem Rektor, sondern der Frau Ahlwardt zu verdanken. Pikant sind die Mittheilungen über nicht gehaltene Versprechungen, über die Herren v. Wackerbarth, v. Langen, Regierungsassessor v. Hülsen, Paasch, Major v. Moltke, über die Pläne der Antisemiten in Betreff eines neuen Ministeriums, über die Versuche, Arbeiter zum Stehlen von Gewehren zu bewegen und dergleichen schöne antisemitische Thaten. Geld wird von den Antisemiten dabei in, Hülle und Fülle — versprochen, aber nicht gezahlt. Doch hiervon giebt es Ausnahmen. Der Zeuge Gans, der über Ahlwardt dem Verfasser der Broschüre noch weitere Mittheilungen machen wollte, erhielt — so wird wenigsteus behauptet — von der Frau Rektor 500 Mark und erschien nicht wieder. Sehr komisch ist eine Sitzung des Deutschen Antisemitenbundes, in der ein Schwindler über den Blutaberglauben Bericht erstattete, und zwar in solcher Weise, daß schließlich selbst den betrogenen Betrügern ein Licht aufging, und daß der „Vortragende" hinausgewiesen wurde. Wir übernehmen für die Angaben der Broschüre natürlich keine Gewähr. Thalsache ist aber, daß Ahlwardt und die in derselben aufgesührten Gewährsmänner bereits gestern einem sehr langen Verhör durch den Untersuchungsrichter Pochhammer unterworfen worden sind. Berlin, 23. Juli. Die „Hamb. Nachr." bringen einen ziemlich oberflächlichen Artikel über den Antisemitismus, den die „Nat.-Ztg." auf den Fürsten Bismark znrückführt. Gesagt wird, daß der jetzige Antisemitismus zu praktischen Ergebnissen nicht zu führen vermöge, da man nicht zu einer Batholomäusnacht und einer Sizilianischen Vesper greifen könne. Die von den Antisemiten vorgeschlageuen Maßregeln würden das liebet nur verschlimmern und die Juden noch mehr dem Handel und sonstigem Erwerbe zutreiben. Ihr Erwerbsinn sei größer als der der Christen. Sie seien klüger, wagehalsiger und weniger wählerisch in ihren Mitteln. Nothwendiger als Ausnahmemaßregeln gegen die Juden seien solche gegen die Sozialdemokraten. Letzteres scheint allerdings auf Bismark zu deuten. Elberfeld, 22. Juli. Der rheinische Parteitag der Sozialdemokraten hatte das Agitationskomite beauftragt, eine zeitgemäße Agitationsbroschüre herauszugeben. Das Komite hat nun beschlossen, aus Anlaß des jetzt an allen Orten des Rheinlandes auftretenden Antisemitismus die Broschüre unter dem Titel „Antisemitismus und Sozialdemokratie" herauszugeben. Der Antisemitismus soll darin scharf angegriffen werden. Aldenhoven. (Rheinprovinz), im Juli. Die „Neußer Zeitung" berichtet: „Hier war am 15. d. M. das übrigens falsche Gerücht ausgesprengt worden. Buschhoff weile hier bei seinen Verwandten auf Besuch. Infolge dessen wurde dem Herrn A. Cohnen in der Nacht von Freitag auf Sonnabend an der Hinterfront seines Hauses eine größere Anzahl Fensterscheiben entzwei geworfen." Halle a. S., 22. Juli. Gegen den Verfasser der Broschüre „Ahlwardts Ende" haben der Freiherr von Wackerbarth, Baron von Langen, von Hülsen und Karl Paasch Strafanträge wegen Beleidigung gestellt. O esterr.-Ungar. Monarchie: Agram, 23. Juli. Der Gerichtshof verurtheilte heute den Landmann Georg Skrlec, welcher am 19. Juni im Walde unweit Agram den aus Rußland ausgewiesenen Israel Granet halb todt geschlagen und seiner Habe von fünfzig Gulden beraubt hatte, zu lebenslänglichem Kerker. Der Angeklagte war der That vollkommen geständig. Granet hatte es nur dem Umstande, daß er sich todt stellte, zu verdanken, daß er nicht ermordet wurde. Vor Gericht deponirte Granet, er sei 29 Jahre alt und Schmiedemeister, stamme aus Jaffa in Palästina, sei aber schon als zweijähriges Kind nach Rußland gebracht worden. Von dort ausgewiesen, habe er, auf der Reise nach Jaffa begriffen, Galizien, ganz Ungarn und einen Theil Croaticns zu Fuß durchwandert. Wo seine Frau und Kinder weilen, weiß Granet nicht, da er bei der Ausweisung aus Rußland von denselben getrennt worden sei. Schweiz. Bern. Hier wird augenblicklich mit allem Nachdruck an der Sammlung der 50,000 Stimmen gearbeitet, die erforderlich sind, um in der Verfassung ein Schächtverbot unterznbringcn. Die Bogen werden von Haus zu Haus eolportirt, und findet sich unter den Unterschriften auch der Name eines hiesigen Juden: B o n e f f. Ich war zufällig Zeuge eines Gesprächs, das zwei Christen darüber hatten. — Auf die Bemerkung des einen, daß cs doch merkwürdig sei, Juden auch unter diesen Unterschriften zu finden, meinte der andere: Es ist eigentlich eine große Ehre für die Juden, daß man sich über ein solches Borkommniß so sehr wundert. Bei uns würde es doch leider etwas sehr Gewöhnliches sein, Leute zu finden, die sich aus angeblicher Bildung und Frcisinnigkeit aus ihrer Religion nichts machen. Das mag gewiß richtig sein: aber in einer kleinen Heerde macht sich ein einziges räudiges Schaf leichter bemerkbar, als in einer großen. — Wenn Boneff Mitglied des hiesigen jüdischen Gemeinwesens ist, so wäre es Pflicht, gegen solches Vergehen dadurch zu protestiren, daß man ihn aus der Gemeinde stößt.