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Der Israelit · 1892-08-01 · Heft 61 (1.8.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 61 (1.8.1892)
Date
1892-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1145 Plan, die Vertreibung der Juden aus Spanien, zur Ausführung zu bringen. Der Verwirklichung dieses Planes arbeiteten damals innere und äußere Gründe wie mächtige Triebfedern in die Hände. Der Neid und die bis zu abergläubischen Vorurtheilen gesteigerte Abneigung gegen das jüdische Volk, in die das unglückliche Volk seitlange verfallen war, sowie die verlockende Aussicht auf den unermeßlichen Reichthum, den die Fort, ziehenden unmöglich mit sich führen konnten, als sichere Beute heim zu tragen: das waren die Ursachen, die dem Vorhaben mächtig Vorschub leisteten. Torquemada nahm die Idee ohne Zweifel mit aller Energie auf. Seine Wuth gegen die heuchlerischen Neu-Chriften grenzte geradezu an Raserei, und der geheime Verkehr, den sie mit den Juden pflogen, hatte ihn gegen das, ohnehin verhaßte Geschlecht, nur noch mehr aufgebracht. So wollte er die Nabbinen zwingen bet ihrem Eide, all die Namen der Getauften mitzutheilen, die noch jüdische Gebräuche beobachteten. Die Rabbinen wurden nicht zu Verräthern und wiesen sein Ansinnen entschieden zurück. Alles dieses bestärkte Torquemada in dem Vorsatze nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis die Vertreibung der Juden aus dem ganzen Reiche den Verkehr zwischen diesen und den Neu-Ehristen zur Unmöglichkeit gemacht habe. Bei Ferdinand stieß er auf schwachen Widerstand. Weniger leicht war Jsabella's Zustimmung zu erlangen. Was vermochte indeß das Gefühl des Mitleids gegen die Gewalt der Bigotterie und gegen die bestrickende Beweisführung der Inquisitoren? Am 31. März 1492 erschien das Schreckens-Edikt, das allen Juden befahl, innerhalb 4 Monate die spanischen Lande zu verlassen und am Tischo-be-Ab 1492, der merkwürdiger Weise genau wie in diesem Jahre auf den 2. August fiel, überschritt der letzte Mann derer, die sich öffentlich zum Gotte Israels bekennen, die spanische Grenze.*) Als einzige Begründung für die Nothwendigkeit des Erlasses wurde die Behauptung aufgestellt, die Juden hätten die Kenntniß und Ausübung jüdischer Riten und Gebräuche verbreitet. Die Verordnungen, die schon früher zur Verhinderung des Verkehrs zwischen Juden und Christen getroffen seien, hätten sich als wirkungslos erwiesen. Ununterbrochen hätten die Ersteren mit Aufbietung aller Kräfte fortgefahren, den katholischen Glauben zu untergraben und treue Katholiken zur Beobachtung der mosaischen Gebote zu verleiten. Nach reiflicher Ueberlegung müßten deßhalb die Juden aus dem ganzen Königreiche verbannt werden. Demgemäß erginge hiemit der Befehl an die Bekenner des mosaischen Gesetzes, *) Am 3. August 1492 bestieg Christoph ColumbuS von Spanien aus seine Schiffe, um die neue Welt, die Welt der Freiheit, um Amerika zu entdecken. vor Ablauf des Monats Juli dieses Jahres (1492) sortzuziehen und nie zurückzukehren. Alle, die nach diesem Tage sich vorfänden, seien der Todesstrafe und der Consiscation ihres ganzen Vermögens zu Gunsten des königlichen Schatzes verfallen. Diejenigen aber — weß Standes und Ranges sie auch sein mögen — die nach jenem Termine einen Juden oder eine Jüdin beherbergten, verloren ihre Güter und ihr Vermögen. Der Erlaß sicherte den Juden während dieser 4 Monate den königlichen Schutz zu und gestattete ihnen unbehelligt zu reisen, zu verkaufen, zu veräußern und anderweitig über ihre bewegliche und unbewegliche Habe zu verfügen; er bewilligte ihnen auch die Ausführung ihrer Güter, sowohl zur See als zu Land, mit Ausnahme des Goldes, Silbers und der dem Ausfuhrverbot unterliegenden Maaren. Kein ehrenderes Zeugniß hätte den damaligen Juden Spaniens ausgestellt werden können, als es durch die gegen sie vorgebrachte Anschuldigung, Christen zum Judenthum verführt zu haben, geschieht. Diese Neu-Chriften, auf die sich die Anklage nur beziehen kann, waren in der Wirklichkeit noch Juden. Im Uebrigen findet sich in dem Erlasse nicht die leiseste Anspielung von jenen böswilligen Anklagen, die Juden seien Wucherer und Betrüger, stehlen und kreuzigen Christenkinder, entweihen die Hostien und vergiften in ihrer ausgebreiteten ärztlichen Praxis ihre Patienten. Den Inquisitoren war es Vorbehalten, alle diese Verleumdungen zur Rechtfertigung ihres unbarmherzigen Vorgehens gegen die Juden geschäftig in Umlauf zu setzen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 28. Juli. Wie uns aus authentischer Quelle versichert wird, macht der bekannte Hochstapler Popper aus Prag gegenwärtig eine Kunstreise durch Deutschland und sucht durch gefälschte Zeugnisse des Constantinopeler Comitö für die Korfiotischen Juden und des Pariser Central-Comit« der Alliance Jsraelite wohlhabende Glaubensgenossen zu brandschatzen. Zuletzt wurde er in Berlin bemerkt. Wir warnen hierdurch vor diesem Ehrenmanne. Mainz, 25. Juli. Der bekannte deutsche Mitarbeiter der deutschen St. Petersburger Zeitung kennzeichnet das Verhältniß des Ultramontanismus zum Antisemitismus folgendermaßen: Interessant ist das Verhalten der Centrumsblätter, welche stark antisemitisch auftreten, viel stärker als sonst, und damit wohl den Gefühlen eines großen Theiles ihrer Leser und besonders auch in der niederrheinischen Bevölkerung entgegenkommen müssen. Wer die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland genauer verfolgt hat,

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