Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1892)
- Date
- 1892-07-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1125 dem Schutze eines edlen und liebevollen Monarchen, unter der Leitung gewissenhafter hoher und höchster Behörden, wie wenig andere Staaten in gleicher Weise sich rühmen können. Die volle Gewissensfreiheit ist uns in ausgedehntester Weise gewährt, unsere Schulen stehen unter Aufsicht der kgl. Schulbehörde und in den kgl. Anstalten haben es die israelitischen Kinder in keiner Art nöthig, den Sabbat durch Schreiben u. dgl. zu entweihen; ja, es wird selbst bei Anordnung und Festsetzung aller staatlichen Prüfungen auf Sabbat und jüdische Festtage Rücksicht genommen. Die h. Militärbehörden gewähren selbst den jüdischen Soldaten alle Möglichkeit, ihren Religionsvorschriften zu genügen, welche Wohlthaten nicht genug zu schätzen sind. Was soll nun ein Rabbiner-Verband? Soll er etwa für die materielle Besserstellung der Rabbiner sorgen? Dazu genügt — wenn nur Aussicht auf Erfolg vorhanden — ein einfaches Cirkular an die Betreffenden, die A u s d r u ck s w e i s e der Begründung ist wohl jedem Betheiligten Nebensache. Handelt es sich etwa um gemeinsame Vertretung bei Hof, behufs Gratulation u. dgl., da haben wir ja den besten Beweis von dem 70. Geburtstagsfest unseres allgel. Prinz-Regenten, daß ein Rabbiner- Verband ein unnöthiger Luxus sei! Es erübrigt also nur, die internen jüdischen Gemeinde-Angelegenheiten zu regeln, um dieses oder jenes „überflüssige, unzeitige" Gebetstück zu beseitigen, um diese oder jene dem „Zeitgeiste" und der Aufklärung entsprechende Einrichtung herbeizuschaffen; wahrlich, dazu brauchen wir keinen Verband und keine Oberbehörde. Jeder Rabbiner ist in seinem Rabbinate die ausschließlich maßgebende Persönlichkeit, ist dieser nun orthodox, so ist jede anderweitige Einmischung gewiß zu entbehren, ist dieser neolog, und sollen Reformen beabsichtigt werden, so kann nach der bestehenden Ministerial-Verordnung bei einer 2/3 Stimmenmehrheit der Gemeinde mit Erfolg dagegen protestirt werden. Wie bedeutend bester würde es mit den religiösen Verhältnissen in Württemberg bestellt sein, wenn sie so glücklich wären, keine „Oberbehörde für Israeliten" zu besitzen; dann wäre wohl ein Rabbiner, der sich erfrechte, den Sabbat öffentlich durch Rauchen zu entweihen, nicht blos auf 3 Monate suspendirt worden! Betrachten wir die neuesten Verhältnisse in London, und wir sind ebenfalls überzeugt, wie nachtheilig derartige Oberbehörden auf das religiöse Leben der einzelnen Bezirke wirken. Mögen sich daher die ehrwürdigen Herren Rabbiner Bayerns mit ihrer Selbstständigkeit begnügen und sich mit der wahren Loyalität und edlen Humanität der Behörden und Stellen des Landes glücklich schätzen, und möge Jeder in seinem Kreise für Hebung und Verbreitung der Religion in der Familie und in der Gemeinde mit allem Eifer bedacht sein, dann wird der Verband beschleunigt werden, um den wir täglich beten: pxn nie» mixn urosiöj ppi" Zeit««gsuachrrchterr und Corresporrdeuzeu. Deutschland. Darmstadt, 21. Juli. Wegen antisemit. Schürereien ist nach der „Franks. Ztg." gegen mehrere Subalternbeamte in Darmstadt seitens der hessischen Regierung die Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden. Die betreffenden Beamten hatten sich in der antisemitischen Agitation besonders hervorgethan. Es wird ihnen namentlich zum Vorwurf gemacht, daß sie in amtlichen Lokalitäten Eintrittskarten zu antisemitischen Versammlungen vertheilt haben. — Die hessische Regierung tritt danach mit vollem Ernst der Verhetzung der Bevölkerung durch die Antisemiten entgegen. Der Großherzog von Hessen hat bekanntlich sich auch offen gegen die ganze antisemitische Bewegung ausgesprochen. Frankfurt a. M., 19. Juli. Hier hat sich ein weiteres Buschhoff-Komite gebildet, dem nur hervorragende christliche Geistliche, sowie Stadträthe und Stadtverordnete angehö'ren. Berlin. Neberraschende Enthüllungen gegen Ahlwardt bringt eine soeben im Verlage von van Groningen u. Co. in Berlin erschienene Broschüre „Ahlwardts Ende." In derselben werden von den Hauptzeugen Ahlwardts, den entlassenen Arbeitern aus der Loeweschen Fabrik Krähhahn und Bretschneider Erklärungen veröffentlicht des Inhalts, daß die Ahlwardt'schen Enthüllungen fast durchweg eigene Erfindungen Ahlwardts und nicht die Aussagen dieser Zeugen gewesen sind, resp. daß Ahlwardt deren Bekundungen durch eigene Zusätze stark entstellt habe. Krähhahn, der jetzt Droschkenkutscher ist, erklärt, Ahlwardt habe ihm einen leeren, unbeschriebenen Briefbogen gegeben, den er (Krähhahn) nach seiner Erzählung, aber vor Niederschrift derselben, unterzeichnet habe, und Ahlwardt habe in seiner Abwesenheit den Text vor seinen Namen gesetzt, Krähhahn erklärt zugleich im einzelnen, daß Ahlwardt zu der angeblichen Aussage Krähhahns eigenmächtig Zusätze gemacht hat, die der Wahrheit widersprechen. Ahlwardt habe ihm 2300 Mark zur Gründung eines Geschäfts versprochen, die von Herrn von Wackerbarth, Freiherrn von Langen, Regierungassessor Baron von Hülfen und Schriftsteller Paasch hergegebeu würden. Auch dem Zeugen Brettschneider sollen diese Herren die Vergütung aller Mühen und Kosten zugesagt haben. Zugleich wird Ahlwardt vorgeworfen, Bestechungsversuche gemacht zu haben, um Gewehrtheile ans der Loewe'schen Fabrik zu erhalten. Bei dem Architekt Borrmann in der Grünauerstraße liege auch ein Gewehr, das aus der Loewe'schen Fabrik stamme. Der Zeuge Krähhahn erklärte weiterhin, daß er von Anbeginn Ahlwardt gesagt habe, daß Loewe unmöglich von den Vorkommnissen in der Fabrik habe wissen können, ebensowenig Kühne. Nur die Meister