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Der Israelit · 1892-07-28 · Heft 60 (28.7.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 60 (28.7.1892)
Date
1892-07-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1124 uns die erforderliche Kenntniß der lokalen Verhältnisse abgeht. Es ist dies ein Punkt, dessen Dringlichkeit und Wichtigkeit gewiß von jedem der in Frage kommenden Herren Rabbinen anerkannt wird, und über welchen dennoch die Ansichten weit auseinandergehen. Jedenfalls wird man die Bedenken nicht in den Wind schlagen dürfen, die von den einzelnen Herren Rabbiner selbst geltend gemacht werden. „In Bezug auf die Stellung und die Gehaltsverhältnisse der Rabbiner — schreibt Herr Dr. Perles — bitte ich doch nicht unser Verhältniß zur Verfassung aus den Augen zu verlieren und den Versuch eines Vergleichs mit den Katholiken und Protestanten zu unterlassen. Halten wir uns in den uns gezogenen Grenzen bescheiden und maßvoll, und unsere Sache kann nur dabei gewinnen." Noch entschiedener äußert sich der greise Rabbiner Dr. Löwenmayer von Sulzbürg, der, nachdem er mit Rücksicht auf sein Alter sein Fernbleiben von dem projektirten Verbände motivirt, fortfährt: „Jndeß verhehle ich mir nicht, daß ein solcher Verein in dieser Zeit, wo der Wellenschlag des schmählichen Antisemitismus sogar in Frankreich so hoch geht, und selbst wohlwollende und Gerechtigkeit liebende Regenten dem Drucke des bethörten Volkswillens Rechnung tragen müssen, wenig Ersprießliches schaffen wird. (Amos 5. 13). — I edenfalls würde ich es für ganz verfehlt halten, eine Verbesserung der materiellen Interessen durch provocirteStaatshilfe zu erstreben. nyi mir ny ym vyrrn ^n. Wenn in solchen, wie materiellen Fragen, die Ansichten schon soweit auseinandergehen, so kann man sich einen Begriff davon machen, wie es erst mit denjenigen Anliegen beschaffen sein mag, die doch in erster Reihe jedem Rabbiner zumeist am Herzen liegen sollten. — Einer von den Punkten, deren einheitliche Regelung als Motiv für einen Verband geltend gemacht wurde, ist die Religionsprüfung der Abiturienten an Gymnasien und Realschulen. Dies veranlaßt Herrn Dr. Perles zu folgenden, wie uns scheint, überaus zutreffenden Bemerkungen: „Die Frage der schriftlichen Religionsprüfung beim Abiturtenten-Examen hat sich wohl für jeden Rabbiner ohne Schwierigkeit gelöst. Eine für sämmtliche bayerische Gymnasien und Realschulen gegebene Prüfungsarbeit könnte doch nur von einer Centralstelle, von einem Oberrath, Kirchenrath oder Landesrabbiner ausgehen. Wünscht der Herr Verfasser etwas ähnliches in Bayern? Und wünscht dies unsere Gemeinde? Soll es eine orthodoxe oder liberale Stelle sein? um —" Hier scheint uns der Kernpunkt aller Schwierigkeiten zu liegen, da viele von denen, welche im Allgemeinen mit einem Zusammengehen auch einverstanden sind, dies doch nur bedingungsweise thun. So schreibt z. B. Herr Dr. D euts ch-Burgpreppach: „Ich kann den Pessimismus, mit welchem Hr. Dr. Neubürger der Ausführung des angeregten Planes gegenübersteht, durchaus nicht theilen. Es ist ja möglich, daß einzelne Collegen der Vereinigung fern bleiben; das hindert jedoch nicht, daß sie in Angriff genommen werde und zustande komme. Zeigt sich alsdann dieselbe vom Geiste der Eintracht und des Friedens beseelt, zeigt sie durch ihr Verhalten, daß ein vereinigtes Zusammenwirken möglich ist, ohne daß der Einzelne s eine religiöse Stellung auszugeben braucht, dann werden ihr allmählich auch jene etwa Ferngebliebenen beitreten" u. s. w. Wenn alle diese Condittonen in Erfüllung gehen, vielleicht! Aber sie können sich unmöglich verwirklichen, so wenig sich Feuer und Wasser friedlich vereinigen lassen, aus den Gründen, die wir oben kurz skizzirt haben. Wenn aber dem Verbände sich die bayerischen Rabbiner nicht unisono anschließen, so kann man wohl einen Verband bayerischer Rabbiner, aber keinen Verband der Rabbiner Bayerns schaffen. Die Einmüthigkeit, von der man sich für die verschiedenen Punkte ein erfolgreiches Vorgehen verspricht, wird sich offiziell und öffentlich als tatsächlich nicht vorhanden erweisen. Sollte ein solcher Rumpf-Verband zu Stande kommen und Wege wandeln, die den Zurückbleibenden bedenklich erscheinen, so werden sie es als ihre Pflicht erachten, einen Gegenverband zu organisiren, und man wird offene Trennung und dauernde Spaltung geschaffen haben, wo man dem Frieden und der Vereinigung dienen wollte. Daß es nicht an Kreisen in Bayern fehlt, die einen derartigen Schritt nicht so harmlos beurtheilen, dafür lassen wir folgende uns vorliegende Aeußerung folgen: „Dieser Tage wurde ich von befreundeter Seite auf ein Projekt, die Gründung eines Rabbiner-Verbands in Bayern betreffend, aufmerksam gemacht und haben schon manche Rabbiner diesen Plan mit Freuden begrüßt. Ueber den Zweck dieses Verbands ist man noch nicht einig, ob derselbe nämlich für die Vertretung von politischen und materiellen oder anch von religiösen Interessen geschaffen werden soll, ob derselbe als eine Vorbereitung oder Einleitung für eine jüdische Oberbehörde dienen soll u. s. w., darüber ist man noch nicht klar und soll wahrscheinlich erst die projektirte Generalversammlung Licht verbreiten! „Unsere Ansicht hierüber ist kurz folgende: Wir Israeliten leben in Bayern so glücklich unter

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