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Der Israelit · 1892-07-28 · Heft 60 (28.7.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 60 (28.7.1892)
Date
1892-07-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Erste Beilage ju M 60 des „Israelit". Leitender Artikel. Ein bayerischer Rabbiner-Verband. Mainz, 26. Juli. Es liegen uns verschiedene Kundgebungen von Rabbinern und Nichtrabbinern Bayerns vor, welche sich über einen zu gründenden Verband bayerischer Rabbiner theils in zustimmendem, theils in ablehnendem Sinne aussprechen. Es sind schon in früheren Jahren wiederholt Versuche in diesem Sinne gemacht worden, die aber zu keinem Resultate führten, wenn man die Resultatlosigkeit nicht als ein solches ansehen will. Daß es trotz der bisherigen Erfahrungen heute nicht an einzelnen Stimmen fehlt, welche dem Projekt jetzt eine günstigere Aufnahme prognosticiren, dürfte sich aus dem ungewöhnlichen Ernst der Gegenwart leicht erklären lassen. Dieser mahnt stillschweigend, aber mit unabweisbarem Nachdruck, überall zur Einigung und Sammlung, und es ist begreiflich, wenn die geistigen und geistlichen Führer der jüdischen Gemeinden Bayerns diesen Umständen Rechnung zu tragen geneigt sind. Wir glauben nach den uns vorliegenden Aeußerungen, daß nicht einer unter den 24 Rabbinern Bayerns dieses Bedürfniß nicht empfindet, und diejenigen nicht am wenigsten, welche ihm nach ruhiger, kühler Erwägung nicht das Wort reden können. — Nach reiflicher Prüfung aller einschlägigen Verhältnisse können auch wir von einem derartigen Schritt nur abrathen und wir wissen uns hier eins mit allen besonnenen, ruhig abwägenden Stimmen, die sich dis jetzt in der Angelegenheit vernehmen ließen, und zwar ohne Rücksicht auf die religiöse Richtung. Herr Rabbiner Dr. Perl es-München weist mit Recht darauf hin, daß die Erfahrungen bei anderen ähnlichen Verbänden nicht ermuthigend sind. Und diese Verbände setzen sich doch aus einzelnen Gliedern zusammen, die fast ausschließlich einer und derselben religiösen Richtung angehören und wenigstens beinahe einer und derselben Schule entstammen. Dieselben sind zusammengetreten mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß alle religiösen Differenzpunkte von der Discussion ausgeschlossen bleiben sollen, und welches, den deutschen Rabbinerstand wahrlich nicht zu heben geeignetes Bild der Zerfahrenheit boten die Herren doch sofort, als sie vor einigen Jahren sich in Berlin constituirten! Soll sich dieses traurige Schauspiel in Bayern wiederholen? In Bayern, unter dessen Rabbiner sämmtliche Richtungen von der gewissenhaftesten Gesetzestreue bis zur äußersten Neologie vertreten sind? Alles rrnrwai abvil In diese schönen Worte klingt die erste Anregung zur Gründung eines solchen Verbandes aus. Aber kann wohl ein vernünftiger Mensch glauben, wenn die bayerischen Rabbiner ihren Reisekoffer für eine Zusammenkunft in Nürnberg, München, oder sonstwo packen, daß sie ihre Anschauungen, Ansichten und Lebensprinzipien hübsch zu Hause lassen und ohne dieselben reisen werden? So gering denken wir nicht von ihnen; sie werden das alles schon mitbringen, wenn auch mit dem Vorsatz es für einige Stunden in den geheimsten Schrein ihres Herzens zu schließen. Aber wir halten die sämmtlichen Herren Rabbiner Bayerns für viel zu ehrliche Charaktere, als daß ihnen dieses Spiel gelingen wird. Wenn Herr Dr. Landsberg-Kaiserslautern, seinen Kollegen Unkollegialität und gegenseitiges Mißtrauen öffentlich zum Vorwurf macht, so müssen wir sie gegen diesen etwas unkollegialischen Vorwurf doch in Schutz nehmen. Die Herren Amtsbrüder des Rabbiners von Kaiserslautern sind sammt und sonders keine schlimme Menschen, aber sie sind blos der äußeren Form nach College». In Wirklichkeit gähnt zwischen ihnen eine Kluft, die durch keinen äußeren Verband überbrückt oder gar ausgefüllt werden kann. Wenn die Herren Zusammenkommen, würde das, was hier als Unkollegialität und Mißtrauen bezeichnet wird, sich zeigen, als das was es ist, als der Gegensatz zwischen den äußersten Extremen, die überhaupt zwischen jüdischen Menschen nur denkbar sind. Sie würden im günstigsten Falle mit erzwungener Ruhe und Kühle über die wenigen Punkte debattiren, bei denen sie ihre Herzensnetgung nicht zu verrathen brauchen, aber jeden Augenblick drohte die Gefahr, daß der Mund überliefe, wovon das Herz so voll ist. Herr Dr. Landsberg erzählt uns, daß ihm ein pfälzischer Regierungsrath, dein er einen unsere religiösen Interessen fördernden Antrag unterbreitet, antwortete: „Ja, wenn Sie als Collegen in dieser Angelegenheit so uneinig sind, dann kann die Regierung keine Abhilfe schaffen." Wir glauben, daß diese Regierungsräthliche Antwort den Nagel auf den Kopf trifft, ja daß sie nicht nur für religiöse, sondern auch für sonstige Angelegenheiten gilt. Ob ein gemeinsamer Schritt behufs Besserstellung der Gehaltsverhältnisse der Rabbiner Aussicht auf Erfolg haben dürfte, ob es überhaupt heute rathsam wäre, einen solchen Schritt zu thun, das ist eine Frage, für deren zutreffende Beantwortung

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