Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1892)
- Date
- 1892-07-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1122 erwarteten, entsetzlich sein würden, der Gouverneur mochte ihnen nicht willfahren, seine Angst vor dem Oberprokurator war zu groß. Lydia hätte sich bald getröstet über das Schicksal des Unglücklichen, aber Michail blieb standhaft bei seiner Erklärung, nicht vorher sein eigenes Glück begründen zu wollen, bis er den Freund in Freiheit und Sicherheit wüßte. So sannen denn die jungen Leute eifrig über die Errettung nach. Wenigstens erlangten sie das Eine von dem Gouverneur, daß er den Tag der Ablieferung Jakows nach Petersburg noch hinausschob und dem Gefangenen jede Freiheit gewährte, die für den Insassen eines russischen Ostrogs*) überhaupt möglich war. Jakow erhielt jenes bequeme Gefangenenzimmer zurück, in dem er schon einmal untergebracht war, auch durfte er mehrere Stunden des Tages im Gefängnißhofe spazieren gehen. Lydia versuchte, ob sie den Gesängnißdirektor für den beabsichtigten Fluchtplan gewinnen könnte, aber ihr Vorhaben scheiterte an der, das Pflichtgefühl vertretenden Vorsicht jenes Beamten. So mußte denn durch List oder Gewalt die Befreiung ermöglicht werden. Lydia benutzte einen Tag, an dem sie wußte, daß der Gesängnißdirektor zur Rapporterstattung beim Gouverneur erscheinen müsse. Durch einen bestochenen Gefängnißwärter war Jakow von dem Vorhaben in Kenntniß gesetzt worden. Während der Stunde des Spazierganges sollte er sich hinter einen entlegenen Zaun des Festungshofes begeben und dort seine Befreiung erwarten. Michail hatte eine Reihe von Leuten gemiethet, welche ihm bei seinem Werke die nothwendige Hülfe leisten sollten. Man hatte beschlossen, nachdem die *) Gefängniß. That geschehen war, zu behaupten, die Nihilisten hätten den Gefangenen befreit. Es ist in Rußland eine gebräuchliche Sitte bet der Beamtenwelt, jede Unregelmäßigkeit auf Kosten der Nihilisten zu setzen. Zur festgesetzten Stunde erschien ein Bauer bei der Schüdwache, die in der Nähe jenes Walles stand, und knüpfte ein Gespräch mit ihr an. Während der Soldat sich mit dem Bauer unterhielt, wurde er von hinten überfallen, gefesselt und geknebelt, im Augenblick hatten die Leute Michails Wall, Graben und Gitter des Gefängnißhoses überstiegen, Jakow ergriffen und mit sich sortgeführt. In der Nähe stand ein Wagen, in den man ihn brachte, und im nächsten Augenblick befand er sich aus dem Wege nach Slobotka. Michail hatte ihm noch Reisepässe nach dem Ausland für ihn und Rosa überreicht, dann kehrte er nach der Stadt zurück und fuhr sofort zu dem Gouverneur, damit er, wenn allenfalls ein Verdacht aus ihn fallen sollte, sein Alibi beweisen könne. Dies Alles geschah in der Dämmerungsftunde, noch ehe die Nacht völlig hereingebrochen war, gerade zu der Zeit, als die Soldaten ihre zweite Mahlzeit zu sich nahmen. Glücklich gelangte Jakow nach Slobotka in das Haus des Verwalters. Aber Stunden vorher, ehe er eintrat, war Rosa mit Alexei in die Fabrik gekommen, und Iwan war ihnen gefolgt. Er befriedigte durch Alles, was er noch in den Taschen hatte, sowie durch seinen Hut und seinen Rock den Kutscher, und dann blieb er wiederum wachend vor dem Hause liegen, denn das hatte sich in ihm festgesetzt: er mußt Rosa noch einmal ohne Zeugen sprechen. Und das sollte ihm gelingen. (Schluß folgt.) fto „3»T«*ltt" erscheint wöchenttich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Peetde- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 ReichS-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Durch Len KuchhanLel » Lrstetzr» »ei E. f. 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Inhalt der zweiten Beilage: Leitende Artikel: Aus Buschhoffs Briefmappe. — Proceß Buschhoff. Inhalt der velletr. Beilage: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel (Fortsetzung). — Räthsel. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen. Die nächste Lieferung der Erzählung „Die Familie y Aguillar" wird unserer Montag, 1. August erscheinenden Nummer beigelegt werden.