Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1892)
- Date
- 1892-07-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1118 seines reichen Wirkens hin geschildert. In Bezug auf die 19 Briefe finden wir den aus solchem Munde gewiß bemerkenswerthen Ausspruch: & lopt? D"npff rasy nsd’ nrux o"* ünd nun» *o .rutnn nn» wüü rwys\ rvny idd min' m *rao rrn „Wer diese 19 Briefe gesehen hat, findet, daß er vor dem Lesen die jüdische Religion nicht so gekannt hat, wie jetzt, und fühlt sich wie neu geboren." Wir wollen nun unseren Worten einen Zaun setzen, das Werk empfiehlt sich selbst. Wir können jedem Einzelnen, ob er Laie oder Gelehrter, nur rathen, sich diesen Schatz baldigst zu sichern. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzeu. Deutschland. Oietzen, 18. Juli. Wegen nicht weniger als sieben Unterschlagungen hatte sich der Bürgermeister a. D. Jäger in Münzenburg kürzlich vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Die Gesammtstrafe belief sich auf 22 Monate Gefängniß, welche nach § 74 auf 10 Monate reduzirt wurde. Jäger, ein hervorragender Kämpe des Antisemitismus und eifriger Anhänger Böckel's, hat s. Z. etwa 14,000 Mark unterschlagen. Berlin, 20. Juli. Es wird uns geschrieben: „Es sind bis jetzt drei Sonntage ins Land gegangen, seitdem das Gesetz, während der Vormittagsstunden von 10 bis 12 Uhr am Sonntag die geschäftliche Thätigkeit einzustellen, in Kraft getreten ist. Sollten diese beiden Stunden nicht geeignet sein, der jüdischen Kaufmannswelt, Alt und Jung, zur religiöswissenschaftlichen Fortbildung Gelegenheit zu bieten? Handel und Handwerk sind in ein Stadium getreten, daß, wer in ihnen seinen Lebenserwerb sucht, wenigstens vielerorts, von früher Morgenstunde bis zur beginnenden Nacht Geist und Kraft in ihren Dienst stellen muß. So ist einer großen Anzahl von Kaufleuten und Handwerkern die Gelegenheit benommen, ihr jüdisches Wissen zu bereichern. Und doch ist eine Vertiefung in den Geist unserer Gesetze, die während der Schulzeit nur vorbereitet werden kann, die alleinige sichere Basis unserer Existenz, unserer Fortentwicklung. Mehr als jemals ist heutzutage die religiöse Praxis in ihrer Fortdauer bedingt durch die verständnißinnige Ueberzeugung von der Wahrheit der Glaubenslehren. So bedeutsam diese Ueberzeugung ist, so erschwert war es bisher den berufenen Hütern des Gesetzes, in den Reihen der Nichtgelehrten für sie eine Lanze zu brechen, weil es an Zeit und Gelegenheit gebrach. Die durch das Gesetz der Sonntagsruhe dem Geschäftsleben entzogenen Stunden scheinen in großen und kleinen Städten wie geschaffen, auf dem genannten Gebiete eine Thätigkeit zu entfalten. Keinen der berufsfrohen Rabbiner und Lehrer wird die Geringfügigkeit des Erfolges abschrecken. Je nach den Verhältnissen des Ortes wird über die Art und Weise einer weitgehendsten Ausnützung dieser Stunden zu entscheiden sein. In der Hoffnung, daß Sie durch Veröffentlichung dieser Zeilen einen schwachen Versuch unterstützen, mHNmi min Pnjm, zeichne ich in vorzüglicher Hochachtung." Beeilt. In Sachen der Broschüre „Ahlwardt's Ende" erhalten wir von den Verlegern I. van Groningen u. Co. folgende Zuschrift: Das Material zu der Broschüre „Ahlwardt's Ende" wurde uns durch den ehemaligen ersten Vorsitzenden des deutsch-sozialen Vereins, durch Herrn Aug. Weiß, ganz unvermittelt angeboten. Die Angelegenheit schien uns wichtig genug, die Behauptungen des Herrn Weiß auf ihren Wahrheitsgehalt hin näher zu untersuchen. — Gegenüber den Verleumdungen der „Staatsbürger-Zeitung" erklären wir ausdrücklich, daß wir die Zeugen Kraehahn und Brettschneider ledliglich mittelst Postkarte um ihren Besuch gebeten haben. Die betreffenden Herren sind alsdann bei uns erschienen und haben im Beisein mehrerer anderer Zeugen ihre Erklärungen freiwillig abgegeben. Was Brettschneider erzählt von Versprechungen, Bestechungen und dergl. ist einfach erlogen, und werden wir, falls die „Staatsbürger-Zeitung" und Brettschneider nicht sofort öffentlich die infamen Verdächtigungen zurücknehmen, den Schutz der Gerichte anrufen. — Indem wir ferner noch erklären, daß kein Jude Inhaber unserer Firma ist, wie die „Staatsbürger-Zeitung" fälschlich behauptet, bemerken wir, daß Ahlwardt die Druckbogen von „Ahlwardt's Ende" vor Erscheinen durch Diebstahl erhalten hat. Hochachtend Redaction und Verlag der „Berliner Fanfaren." Xanien♦ Zum Clever Mordprozeß wird von Einem, der mit dabei war, geschrieben: Bekanntlich hatte das „ärztliche Gutachten" des D r. Steiner wesentlich mit zu dem Gerücht beigetragen, daß der Xantener Mord von Buschhoff begangen sei. Dr. Steiner wurde, wie bekannt, durch die Aussagen wirklicher Sachverständiger überzeugt, daß er sich geirrt habe. Allein er fühlte sich nicht veranlaßt, freiwillig das dem Gerichte mitzutheilen. Allein der Wein und bisweilen eine Quantität Bier machen gesprächig. Herr Dr. Steiner erzählte in einer Wein- oder Bierlaune in einem Clever Restaurant: er habe seine Meinung geändert und schließe sich den medizinischen Sachverständigen an. Zufällig kam die Nachricht dem Rechtsanwalt Fleischhauer zu Ohren. Dieser veranlaßte nun, daß Herr Dr. Steiner noch einmal vorgeladen wurde, und nun theilte dieser sein Wirthshausgespräch mit, das, wie Schreiber dieses von bestimmtester Seite erfahren, auf den Urtheilsspruch der Geschworenen von hoher Wirkung gewesen ist. Daß die antisemitische Presse in ihren Berichten über die Gerichtsverhandlung die Wahrheit auf den Kopf stellte, ist selbstverständlich, es wäre eigentlich ein Wunder, wenn es anders gewesen wäre. Bedauerlich ist es aber auch, daß eine Berliner illuftrirte Zeitung ein Bild von Buschhoff gebracht hat, das nicht nur nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem Angeklagten vor dem Clever Schwurgericht hat, sondern bei dem auch der gutmüthige Charakter, der sich in den Gesichtszügen Buschhoffs ausprägte, keineswegs zum Ausdruck gelangte. Bedauerlich ist es ferner, daß ein Theil der Clever Bevölkerung von dem Zweck einer Gerichtsverhandlung kaum eine Ahnung zu haben schien. Man konnte selbst von Gebildeten in Cleve hören: „Nun ist eine solch lange Gerichtsverhandlung und es kommt nicht einmal etwas heraus." Die Leute wollten