Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 60 (28.7.1892)
- Date
- 1892-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1117 mals im grauen Alterthume geduldet und gelitten haben, für ihren Glauben, für Gott und seine Lehre, für die Wahrheit, für Recht, für die Ideale der Menschheit. Wo gibt es ein Volk, o Gott! wie Dein Volk Israel, das so heldenmüthig zu allen Zeiten an seiner Ueberzeugung festhält?! O! Erbarme Dich der Heldensöhne Zions, der Zerstreuten Juda's, wie lange noch soll Sodom Gewaltthätigkeit an Deinen Kindern üben, die zum Himmel schreit, erhöre ihr Wehklagen, schaue herab auf ihren Jammer, auf ihr Unglück; nehme Dich der Verlassenen gnädig an, laß' die Verstoßenen einen Ruheort finden, wo sie friedlich wohnen und unangefochten Dir dienen können, sende ihnen Befreiung und Erlösung von ihrem Ungemach, richte die Gebeugten auf, erhebe die Erniedrigten, denn Du bist ein barmherziger Vater, der mächtige Erlöser Israels. Literarischer Wericht. •na“? -.* ppn neo Synagogale Vorträge von Rabbiner S. Spitzer, herausgegeben von Rabbiner I. B. Kohn. Hebr. Quart. XXVIII. 280 S. Wien 1892. Der Rabbiner der Wiener „Schiffschul", Rabbi Salme Spitzer '"^ wohlbekannt und viel genannt durch sein unerschrockenes, opferbereites Auftreten den Wiener Reformbestrebungen gegenüber, durch seine bewundernswerthe talmudische Gelehrsamkeit und nicht am Wenigsten durch seine hinreißenden, geistsprühenden Kanzelvorträge, hat bis jetzt noch keine größere Schrift erscheinen lassen. Wir verdanken es dem gelehrten Schwiegersöhne des in allen gesetzestreuen Kreisen Oesterreichs-Ungarns und Deutschlands hochgeschätzten Mannes, daß es uns nun endlich vergönnt ist, da, wo wir schon von so vielen Thaten gehört haben, auch Worte zu sehen, Worte, in denen sich zugleich der unermüdliche Kämpfer, der bedeutende Gelehrte und wirkungsvolle Redner offenbart. Dem Schreiber dieser Zeilen war es einige Male vergönnt, den Vorträgen des gefeierten Meisters in den weiten Räumen der „Schiffschul", umgeben von einer dichtgedrängten, nach vielen Hunderten zählenden andächtigen Menge, lauschen zu dürfen. Und stets, wenn wir hingerissen von den zündenden Worten, von welchen jedes einzelne von innigster Gottesfurcht eingegeben war, und in Bewunderung der tiefsinnigen und geistreichen Bibel- und Midrascherklärungen die Synagoge verließen; sagten wir uns, daß, so zahlreich die Zuhörer waren, die gehörten Worte es verdienten, auch draußen außerhalb der Synagogenmauern vernommen zu werden, daß sie werth seien von einer Weltkanzel gesprochen zu werden, um den Weg zu jedem Herzen finden zu können. Diese Weltkanzel hat der hochverehrte Darschon, den der Allgütige uns noch lange erhalten möge, jetzt betreten. Mit emsigem Fleiße hat Rabbiner I. B. Kohn 100 Sabbat- und Festpredigten, 8 Trauerreden und 7 talmudische Vorträge aus den bändereichen Manuscripten seines Schwiegervaters ausgesucht und sie zu dem Werke ppn vereinigt. Von diesen goldenen Aepfeln auf silberner Schale wollen wir hier nur eine Frucht vorzeigen, aus dem Schrein mit herrlichem Geschmeide nur eine kleine Perle herausnehmen, eine geistreiche Erklärung, die Bezug hat auf die Gedanken, die uns in den Trauertagen um Jerusalem erfüllen. Bekannt sind folgende sich an Psalm 106, V. 24—27 lehnende Worte unserer Weisen: „Als Israel in der Nacht nach Rückkunft der Kundschafter (der Nacht des neunten Ab) in seinem Zweifel an Gott weinte, damals wurde über unsere Väter verhängt, in der Wüste zu fallen und zugleich über ihre Nachkommen, daß sie in die Verbannung gehen sollten. Gott sprach: Ihr weint jetzt umsonst, ich will Euch einst viele Geschlechter hindurch weinen lassen." Rabbi Salme bemerkt hierzu Folgendes: Der Unglaube und Zweifel an Gottes Allmacht zeigt sich auf zweifache Weise. Zuerst wird sich der auf Gott Vertrauende, wenn er etwas Gutes erstrebt, auch von den größten Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen, und das ganz besonders, wenn Gott seinen Beistand ausdrücklich verheißen hat; während der Ungläubige, der nur mit irdischen Mitteln rechnet, selbst wenn Gott wiederholt das Gelingen zugesichert, nicht aufhört, zu zweifeln. „Dann aber, wenn das Erstrebte erreicht ist, wird der Gläubige sich stets erinnern, daß er nur Gottes Hilfe sein Glück verdankt und seine Dankbarkeit durch getreuliche Erfüllung der göttlichen Gesetze zeigen, als den Bedingungen, unter welchen ihm das Geschenk gegeben wurde. Die Ungläubigen jedoch, die yn? sprechen nrn rnaan ns uP wp w»jrm un» nmy; uns: Unsere Kraft und die Stärke unserer Hände und Arme haben uns all' diese Ehre verschafft und gelangen so in ihrem frevlen Uebermuthe zur Verhöhnung und Verachtung von Gottes Gebot. Als nun nach der Rückkehr der Kundschafter sich die Zweiselsucht Israels, trotz alles Wunderbaren, das sie erlebt, so erschreckend zeigte, da sprach Gott: Der Keim des Unglaubens ist so sehr eingewurzelt bei diesem Volke, daß er einst auf andere Weise wieder zum Vorschein kommen wird, wenn ich ihren Nachkommen das Land werde gegeben haben. Im Besitze des Landes werden sie des Spenders vergessen, auf den sie vorher nicht vertrauen wollten, und so durch Sünden den Verlust des Vaterlandes und das Galuth, die Verbannung und Zerstreuung herbeiführen." Es würde zu weit führen, hier die naheliegende Anwendung auf unsere Zeit, in welcher nach den Worten des Verfassers ynr raj, die überhand genommen haben, die alles Glück sich selbst zuschreiben, hier wiederzugeben, sowie die Fülle von Ermahnungen, die in beredter Weise daran angeknüpft werden. Die Leser des durch sein einfaches durchsichtiges Hebräisch auch dem Laien leicht verständlichen Buches werden sich bald überzeugt haben, daß wir zu dessen Lob nicht zu viel gesagt. Wir wollen zum Schluffe nur noch die Aufmerksamkeit auf die achte der Trauerreden, derjenigen auf Samson Raphael Hirsch lenken. Dort wird der unvergeßliche Mann in begeistert huldigenden Worten nach den vielen Seiten