Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1892)
- Date
- 1892-07-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1104 im Ganzen 137 Seelen, aus Argentinien zurück. Dieselben waren dem hiesigen Comitö für die russischen Juden avisirt, und begaben sich zwei Mitglieder nach Bremerhaven, um die Colonisten in Empfang zu nehmen und nach Hamburg zu begleiten, von wo diese entweder nach Rußland zurück, oder nach Nordamerika befördert werden. Uebereinstimmend berichteten die Leute, welche durchweg einen günstigen Eindruck machten, daß sie von der Administration der Colonie „Mauricio", die sie bewohnten, in brutal st er Weise wie Sklaven behandelt worden sind. Colonel Goldsmid, an den sie sich Beschwerde führend und um Erleichterung ihrer Lage bittend, gewandt hatten, hörte sie nicht an. Die Briefe, in denen sie ihre jammervollen Verhältnisse nach der Heimath berichteten, wurden unterschlagen. Da sich unter den Colonisten sehr intelligente Leute befinden, die ihre traurigen Erlebnisse, während ihres elfmonatlichen Aufenthaltes auf der Colonie Mauricio an geeigneter Stelle an die Oeffentlichkeit bringen werden, so wollen wir hier auf Einzelheiten nicht eingehen. lieber die Behandlung an Bord der „Baltimore" hatten die Rückkehrenden nur eine Stimme des Lobes. Es wurde ihnen gestattet, eine Küche einzurichten, lebendes Vieh wurde ihnen überlassen und alles zugestanden, daß sie rituell während der 33tägigen Fahrt leben konnten. Rührend war es anzusehen, wie die Colonisten vom Kapitän, den Offizieren und demZahlmeister des Schiffes, dankend für die gute Behandlung, Abschied nahmen und immer wieder die auf Deck stehenden Lloyd-Beamten grüßten. Mit dem Postdampfer „Berlin", der in acht bis zehn Tagen hier eintrifft, sind wieder 200 aus Argentinien zurückkehrende Colonisten dem hiesigen Comits f. d. r. I. angemeldet. Die Sammlung von Geldgaben, die ein aus angesehenen christlichen Herren bestehendes Comit« für Buschoff veranstaltet, hat allgemeinen Anklang gefunden, und gehen, wie wir hören von allen Seiten Spenden ein. Würzburg, 15. Juli. Wenn allwärts fröhliche Schnitter ausziehen, um den Segen des Jahres, die Gaben der Natur in Sicherheit zu bringen, wenn des Landmannes Herz höher schlägt bei dem Erfolge seiner zahllosen Mühen und Sorgen; wenn sich angesichts einer reichen Ernte allgemeine Zufriedenheit und Fröhlichkeit kundgiebt und diese in sogenannten Erntefesten Ausdruck finden: da feiert man in Bayern's schönem Lande ein solches auch auf geistigem Gebiete. Es schließt das Schuljahr mit dem Heutigen, und fröhliche Feste entstehen unter der Jugend ob des geistigen Schatzes, den sie sich in dem abgelaufenen Jahre mit so vieler Mühe und Anstrengung errungen, sie feiert das Erntefest von Früchten, die kein Unwetter zerstören, die mit der Zeit nicht aufgebraucht, die an Werth nicht verlieren können, die sich vielmehr zu neuem Segen entfalten. Wie berechtigt sind daher solche Feste, die den Abschluß eines gar mühevollen Schaffens bedeuten, und wenn das Resultat ein günstiges, wenn das langerstrebte Ziel erreicht, das Wissensmaß erlangt und die Schlußprüfung die erforderliche Reife zum Eintritt in den künftigen Beruf dargethan, warum sollte sich das jugendliche Herz dieses Erfolges nicht freuen? Ja, es ist erhebend, die Jugend in ihrem reiferen, wie minderreiferen Alter an einem solchen Tage zu beobachten; es treten uns die Freuden entgegen so reiner unschuldiger Art, so wohlverdient und berechtigt, daß wir sie als die schönsten des Lebens bezeichnen möchten. Soweit im Allgemeinen. Aber auch ein jüdisches Interesse bietet uns diese Gelegenheit. Wie sehr tritt hierbei in unserem geliebten Bayernland durch die loyale Gesinnung der Kgl. Regierungsorgane die Gleichberechtigung, gleiche Berücksichtigung der jüdischen Religion mit den andern Confesstonen hervor. Da wurde kein Prüfungstag an irgend einer Mittelschule auf den Samstag angesetzt und im hies. Kgl. Schullehrerseminar, wo die Schlußprüfung am Freitag begonnen, wurde erst am darauffolgenden Montag damit fortgefahren. Wie bei den christlichen Confessionen, so mußten an sämmtlichen Anstalten die jüdischen Prüflinge aus der jnd. Religionslehre eine schriftliche Arbeit liefern, und die Note hierauf zählt zu den wichtigsten, entscheidendsten. Der jüd. Religionslehrer hat Sitz und Stimme im Lehreramt und genießt mit den andern Religionslehrern die gleiche Bevorzugung. An der Kgl. Realschule dahier wurde zur Schlußfeier ein besonderer Gottesdienst unter der Leitung des Religionslehrers vom Kgl. Rektorate angeordnet, und wußte Herr Dr. Braunschweiger dieser Aufgabe durch eine sehr treffliche, sachgemäße Ansprache in gelungenster Weise zu entsprechen; der Eindruck, den die Feier aus Schüler, wie sämmtliche Theilnehmer machte, war ein tiefgehender. Hervorgehoben zu werden verdient, daß Herr Prof. Mann, Kgl. Rektor der Kreisrealschule, zum Hauptgegenstand seiner Schlußrede: „Toleranz und Parität in der Schule" gewählt hatte und dieselben in seiner bekannten retorischen Meisterschaft mit innerster Ueberzeugung und sichtbarer Begeisterung besprach; er betonte, daß diese Grundsätze in der ihm unterstellten Anstalt ihre Verwirklichung fänden und auch stets finden mögen. Sicher hat der hohe Gelehrte und Schulmann seinen Abscheu gegen das Getriebe des Anisemitismus, das ja ohnedies in unserem Bayernlande G. s. D. keinen Boden findet, ausdrücken wollen. Schließlich sei noch bemerkt, daß auch in diesem Jahre alle Zöglinge der isr. Lehrerbildungs-Anstalt das Austrittsexamen am Kgl. Schullehrerseminar mit gutem Erfolg bestanden haben, was die Leistungsfähigkeit dieser so wichtigen Anstalt von neuem bekundet. Jevev (Oldenburg.) Endlich ist es dem Antisemitenführer Dr. Danneil aus Bielefeld gelungen, auch im Lande Oldenburg eine Versammlung abzuhalten, und so hat er in unserer Stadt den Anfang gemacht. Aber das klägliche Fiasko, das er gemacht und die Lektion, die er bekommen, werden ihm hoffentlich den Muth genommen haben, ferner im friedlichen Ländchen Oldenburg aufzutreten. Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer, der kurz vorher in unserer Stadt einen Vortrag „zurHebung des Deutschthums im Auslande" gehalten hatte, der sehr zahlreich besucht war und großen Beifall fand, war auch zu dieser Versammlung hergekommen und ist dem Herrn Dr. Danneil so schneidig