Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1892)
- Date
- 1892-07-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1105 und scharf entgegengetreten, daß die ganze Versammlung sich gegen seine Hetzereien erklärte, und nur vier ganz gewöhnliche Menschen, selbstverständlich darunter diejenigen, die Herrn Dr. Danneil eingeladen, nach hier zu kommen, die Hand erhoben, als er die Versammlung fragte, wer ihm beistimme. Ebenso wurde ihm von Hrn. Eb ert aus Bremen sehr sachlich erwiedert, außerdem wurden ihm von christlichen Landwirthen Unwahrheiten nachgewiesen, und Herr Dr. Danneil wurde am Schlüsse verhöhnt und konnte nicht mehr zu Worte kommen. Seine Angriffe richteten sich gegen das Reformjudenthum, dagegen schätze er die orthodoxen Juden sehr hoch. Eine Kampfesweise, wie die des Ahlwardt und Böcke! verabscheue er. Herr Dr. Mannheimer bewies ihm, daß er nur um Geld zu verdienen, seine Rede halte, und konnte das durch einen eigenhändigen Brief Danneils der Versammlung bewiesen werden. Als Dr. M. ihm auch die Fir. Mendelsohn u. Warschauer in Berlin, die Danneil als Juden bezeichnete, die das Vaterland verrathen wollten, als getauft hinstellte, da wußte der gute Herr D. mit antisemitischen Kniffen seine Unwahrheit zu bemänteln, da nach seiner Ansicht getaufte Juden auch Juden seien, oder wenigstens zur Rasse gehören. Großes Gelächter begleitete diese Ausführung. Keine Resolution und kein Reformverein kam zu Stande. Wir wünschen Herrn Dr. Danneil weiter solche Erfolge. Grevenbroich, 31. Juli. Der hiesige Bürgermeister, Hr. Harnisch, erläßt folgenden Aufruf: „Auf hiesigem israelitischem Kirchhofe haben ruchlose Hände eine Reihe Grabdenkmäler umgestürzt und beschädigt. Als Zeit der That ist vermuthlich die Nacht vom Freitag den 15., auf Samstag, den 16. d. M. benutzt worden. An jeden, der zur Ermittelung der Thäterschaft irgend welche Angaben machen kann, ergeht die dringliche Bitte, solche der Unterzeichneten Stelle mitzutheilen. Wer zuerst die Thäter so nachweist, daß deren gerichtliche Verurtheilung erfolgt, erhält diesseits 500 M Belohnung." Die Grev. Ztg. schreibt: Als eine traurige Folge der in letzter Zeit auch in unsere Gegend hineingetragenen anitsemitischen Agitation müssen wir leider konstatiren, daß diese Hetzereien Früchte zeitigen, deren Folgen noch gar nicht zu übersehen sind, weshalb die Behörde auch schon einen hohen Preis für Ermittelung der Uebelthäter aussetzt. Nicht allein, daß in den verschiedensten Orten die jüdischen Bewohner mit Mißtrauen und Hohn begrüßt werden, sondern es wird zu Thätlichkeiten über-? gegangen, die leider nur zu deutlich beweisen, wie tief der Haß in manchen ungebildeten und rohen Menschen bereits eingewurzelt ist. In unserer Stadt wurden in den letzten Nächten mehreren israelitischen Einwohnern mit schweren Pflastersteinen die Fenster eingeworfen. Mit welcher Wucht dies auch an der Synagoge geschehen, mag man daraus entnehmen, daß durch einen schweren Stein ein Fensterrahmen ganz zertrümmert wurde, an einem andern Fenster wurden mehrere Scheiben eingeworfen. Doch alles dieses wird in den Schatten gestellt durch den Vandalismus, mit dem in voriger Woche auch am hiesigen israelitischen Friedhof gehaust wurde. Die schwersten Grabsteine sind umgeworfen und in rohester Weise demolirt worden. Frankreich. Paris, 30. Juni. Der Tod des Hauptmanns Mayer bot den freisinnigen, republikanischen Blättern den gewünschten Anlaß, um endlich Drumont und seinem Anhang die gleißnertsche Maske vom Gesichte zu reißen. Die für D. höchst compromittirenden Dokumente fallen täglich hageldicht auf das unglückselige Haupt des Herausgebers der „Libre Parole," Wir wollen nicht behaupten, der Antisemitismus in Frankreich sei mit dem Leichnam Mayer's mit zu Grabe getragen worden, aber soviel steht heute fest, daß die wenigen anständigen Leute, welche in ihrer Verblendung an die Aufrichtigkeit der Gesinnungen Drumont's und die Ehrenhaftigkeit der übrigen Kämpen des Judenhasses geglaubt haben, sich von dieser unsauberen Commanditgesellschaft allmählich lossagen. Doch kommen wir zu den Thatsachen. Drumont hatte s. Z. nicht blos im „Gaulois" unter den Befehlen eines jüdischen Chefredakteurs gearbeitet, sondern war auch in einem gegebenen Zeitpunkte Redakteur der „Liberte", eines der jüdischen Familie Pereire gehörigen Blattes. Er aß also in seiner Jugend jüdisches Brod und gesteht dies übrigens in seinem Buche „La France juive“ ein. Er befürwortet dort für die Familie Pereire mildernde Umstände auf Grundlage der Thatsache, daß die Peretre spanischen und nicht — deutschen Ursprunges seien. — Aber Drumont war mehr als einfacher Redakteur eines Pereier'schen Blattes; er schwang sich aus leicht begreiflichen Motiven zum Geschichtsschreiber und Lobredner der genannten Familie empor. Die kleine Schrift ist längst aus dem Buchhandel verschwunden und Drumont glaubte sich also in dieser Hinsicht sicher. Doch er vergaß die Bibliothöque Nationale, das Universaldepot aller in Frankreich erscheinenden Druckschriften. Wir wollen nun im folgenden zur Erbauung der deutschen Verehrer Drumont's einige Auszüge aus jener „Isaac Pereire“ betitelten Schrift wiedergeben. „ . . Beide (Emile und Jsaac Pereire) werden in der Bewunderung der Nachwelt denselben Rang einnehmen; denn allein durch den Hebel des Gedankens haben sie, gleich ihren Collegen übrigens, den Häuptern der Haute Finance, eine friedliche Revolution im socialen Leben der civilistrten Menschheit hervorgerufen. Wenn die Stunde geschlagen haben wird, wo man dieses Werk in seinem Zusammenhänge prüfen und beurtheilen wird, dann dürfte man es mit derselben Bewunderung umgeben, wie das Werk Napoleons I (siel) . . . Der große Feldherr hat das Weltall durch seine Armeen, die Bahnbrecher auf dem Gebiete der