Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-07-25 · Heft 59 (25.7.1892) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 59 (25.7.1892)
Date
1892-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448274--34548-2482493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1100 doner jüdische Gemeindevorstand und der englisch-jüdische Verein eine Glückwunschadresse zur Verlobung des rumänischen Thronerben mit der Prinzessin Marie von Edinbnrgh. In der Adresse wurde zugleich dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß den rumänischen Juden noch immer die Rechtsgleichheit vorenthalten wird. Der König wird gebeten, seinen Einfluß und seine Autorität aufzubieteu, uni Abhilfe zu schaffen, wodurch er nicht nur die Dankbarkeit der Israeliten Rumäniens, sondern auch diejenige der Juden aller Länder ernten würde 8 e k i i 111 o n. Der Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jo«. Lehma««, Dr. phil. (59. Fortsetzung.) „Die Verhältnisse ändern sich", sagte der Gouverneur ruhig „und damit auch unsere Pflichten. Was wir vor langer Zeit gelobt haben, brauchen wir nicht mehr zu halten, wenn mittlerweile die Umstände sich geändert haben. Die Pflicht ist an die Thatsache gebunden, nicht an das Wort, eine andere Auffassung wäre thörichte Prinzipienreiterei." Michail wollte anffahren, aber Lydia flüsterte ihm etwas ins Ohr, woruf er ruhig und schweigend auf seinem Sitze verharrte. Eine längere Pause entstand, die endlich von Lydia unterbrochen wurde. „Mein Vater, wir folgen ganz Eurer Ansicht, wie es gute Kinder thun müssen", sagte sie endlich, „nur um eines bitte ich Euch, unterlaßt die beabsichtigte Verlobungsfeier in' Petersburg, wir sehnen uns Beide nach der Heimath, wir wollen so schnell als möglich zurückkehren." Hiermit erklärte sich der Gouverneur, wenn auch ungern, einverstanden, und die Abreise wurde noch für denselben Tag beschlossen. Heimlich verabredeten Lydia und Michail sich, auf welche Weise sie den Gefangenen retten wollten. Mit einem Zuge vorher war Alexei nach der Provinzialstadt gefahren und hatte sich sofort nach seiner Ankunft in das Gefängniß zu seinem Sohne begeben. Das war ein freudiges und doch dabei so schmerzliches Wiedersehen, Alexei sprach seinem Sohne Trost zu und sie hofften Beide dem drohenden Verderben entgehen zu können. Etwa zu derselben Zeit, zu der Vater und Sohn sich an einem so traurigen Orte wieder fanden, kam auch Geheimrath Bluwo in das Gefangniß, um Iwan, Alexandrowitsch aufzusuchen. Durch seine Späher hatte der Geheimrath sofort Nachricht bekommen von dem Boten, den Iwan an den Großfürsten W. abgesendet, er hatte den Mann ruhig in den Zug steigen lassen, der nach Petersburg führte, dort indessen sollte er, wie ein Telegramm des Geheimraths befahl, von der Polizei am Bahnhof in Empfang genommen und unschädlich gemacht werden. Dieser Befehl des Geheimraths wurde später auch ungehindert ausgeführt, der Mann wurde verhaftet, seine Briefe ihm abgenommen und er selbst auf administrativem Wege nach Sibirien verschickt. Als der Geheimrath die Zelle Iwans betrat, wußte er. daß diesem jede Hilfsquelle abgeschnitten war. Er bat den Jüngling höflich, daß er ihm seine sämmtliche Papiere und Vollmachten aushändige, und Iwan gehorchte ihm schweigend. „Ich kann Euch auch eine für Rußland sehr frohe Nachricht mittheilen", sagte der Geheimrath, indem er die empfangenen Papiere in seine Rocktasche barg, „die verwirrten Verhältnisse dieses Landes sind geklärt, die Willkür einiger vornehmer, junger Herrn wird nicht mehr Kaiser und Volk beunruhigen, die sogenannte heilige Schaar ist von Seiner Majestät aufgelöst worden. Ihr selbst werther junger Herr, hättet ein hartes Strafgericht verdient, aber Seine kaiserliche Majestät ist voll Güte und Milde und spricht deßhalb über Euch nur die Verbannung auf Euer väterliches Gut aus, daß ihr während Eurer ganzen Lebensdauer nicht mehr verlassen dürft; im Falle der Uebertretung dieser Vorschrift hätte ich die traurige Pflicht Euch nach Schlüsselburg transportiren zu müssen, ich denke aber, Ihr seid vernünftig und macht uns keine Schwierigkeiten. Wünscht Ihr auf Staatskosten oder für Euer eigenes Geld zu reisen?" Iwan maß den Sprecher mit stolzem Blicke. „Befreit mich von Eurer Gegenwart, Peter Sergeijewitsch, „sagte er, „und ich werde dann dem Befehl der Regierung Folge leisten." Der Geheimrath verbeugte sich leicht und ging; er begab sich in die Zelle Rosa's und nahm dort ein genaues Protokoll über den Ueberfall im Walde auf. Dies gedachte er gelegentlich dem Kaiser vorzulegen, um diesem zu beweisen, daß man unmöglich den früheren Günstling in Freiheit lassen könne. Ohne ausdrückliche kaiserliche Genehmigung wagte der Geheimrath nicht, etwas gegen Iwan vorzunehmen. Nachdem der Geheimrath von Rosa fortgegangen, fuhr er nach Petersburg zurück; Rosa wurde sofort in Freiheit gesetzt und der Gefängnißdirektor theilte ihr mit, daß ihr Pflegevater in der Zelle Jakows sich aufhalte; indessen verstand er sich nicht dazu, ihr zu gestatten, sich ebenfalls dorthin zu begeben. So wartete sie denn im Hofe der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.