Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1892)
- Date
- 1892-07-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1099 Israel hervorhob. Auch von Seiten der genannten Synagoge und Religionsschule wurden der Verstorbenen durch zwei Lehrer der Schule warme Worte des Dankes gezollt. — Am letzten Sonntag fand in der Synagoge zu Ehren der Verstorbenen eine Trauerfeier statt, bei welcher Herr Dr. Lipschütz '"5 eine wohlgelungene Rede hielt, die einen gewaltigen Eindruck auf die zahlreiche Versammlung machte. — O, möchte der Allgütige der tiefbetrübten Familie zu ihrem schweren Verluste seinen väterlichen Trost spenden. — Moses Levin. Hamburg, 19. Juli. 140 russisch-jüdische Kolonisten aus Argentinien, die dort eine förmliche Sklaverei und die grausamste Behandlung zu erleiden gehabt haben und auf Kosten des Baron Hirsch mit dem Lloyddampfer „Baltimore" nach Bremerhaven befördert worden waren, sind in Hamburg eingetroffen, um nach New-Zork bezw. nach ihrer Heimath geschickt zu werden. Mit einem anderen Lloyddampfer werden weitere Rückwanderer erwartet. Köln, 19. Juli. Ein hiesiges ultramontanes Lokalblatt verbreitet die Nachricht, Buschhoff seien am vergangenen Samstag M. 50,000 Geldsendungen zugegangen. Der Korrespondent der „Fr.Zt." erkundigte sich darauf bei Buschhoff persönlich, der betheuerte, daß er bis heute keinen Pfennig, wohl aber eine große Anzahl, besonders von Christen, eingelausener Glückwunschschreiben empfangen habe. Auch die Meldung, Buschhoff wolle mit seiner Familie Aufenthalt in Süddeutschland nehmen, resp. nach Amerika auswandern, sei unwahr; er bleibe vorläufig in Köln. O esterr.-Ungar. Monarchie: Wien» 8. Juli. (Prügelfcenen in einer Antisemiten-Versammlung.) Beim „Goldenen Luchsen" in Neulerchenfeld fand vorgestern Abends eine Antisemiten-Versammlung statt, in welcher Dr. Lueger und Dr. Geßmann sprachen und in heftigen Worten gegen die Socialisten und deren Führer loszogen. Ungefähr vierzig social-demokratische Arbeiter hatten sich zu der ungemein zahlreich besuchten Versammlung eingefunden und unterbrachen die Phrasen des Dr. Lueger in stürmischer Weise. Nach einer Entgegnung des Arbeiters Schuhmacher wollte Dr. Lueger entgegnen, aber dies erwies sich als unmöglich. — Dr. Lueger machte den Versuch zu sprechen, konnte aber nicht zum Worte kommen, worauf der Socialist Frey die Tribüne betrat. Diesem wollte der Vorsitzende das Wort nicht ertheilen. Als Frey trotzdem zu sprechen begann, streckten sich ein Dutzend Arme nach ihm aus und zerrten ihn, der sich gegen die Uebermacht muthig zur Wehr setzte, von der Tribüne. Die Socialisten, welche unweit von dem Orte, wo sich dies ereignete, in geschlossener Masse standen, drängten nun vor, um Frey zu Hilfe zu kommen. Die Christlich- Socialen wieder suchten sie abzuwehren, und so entstand ein Handgemenge, welches jeden Augenblick erbitterter wurde. Der Regierungs-Vertreter hatte bereits die Versammlung aufgelöst und forderte die Anwesenden im Namen des Gesetzes auf, das Local zr räumen, doch verhallte seine Stimme ungehört in dem betäubenden Lärm, aus welchem zeitweise Hilferufe ertönten. Erbittert hieben die gegnerischen Parteien auf einander ein und nicht nur mit bloßer Faust, sondern auch mit Stöcken, Schlüsseln und anscheinend auch mit spitzigen Instrumenten. Da die Socialen in der Minorität waren, gelang es ihren Gegnern, sie aus dem Saale zu drängen, doch erhielten sie draußen von ihren dort harrenden Genossen Succurs, und so gestaltete sich das Handgemenge auch auf der Straße kritisch. Endlich gelang es der Polizei, den Saal zu räumen und die Massen zu zerstreuen. Mehrere Theilnehmer an der Versammlung haben Verletzungen davongetragen. Einigen floß das Blut aus Rißwunden über das Gesicht. Ein Socialist war mit einem eisernen Gegenstände an der Stirn, ein Anderer durch einen Stockhieb oberhalb des Auges verletzt. Von den Christlich-Socialen blutete Einer aus einem Ohre — wie er behauptet, in Folge eines Bisses; einem Zweiten waren mehrere Zähne eingeschlagen. Die Meisten der Verwundeten trachteten übrigens, möglichst rasch vom Schauplatze zu verschwinden. Im Saale waren Fensterscheiben und Biergläser zerschlagen worden. Die Polizei wird gegen mehrere ihr bekannt gewordenen Theilnehmer an der Balgerei die Amtshandlung einletten. — Nachträglich wird gemeldet: Von 60 Socialisten, die sich an der Rauferei betheiligten, wurden mehr als 30 leicht verwundet. Es wurde eine strenge Untersuchung angeordnet. Man erzählte sogar, daß auch Dr. Lueger eine Schramme davongetragen hat. Von anderer Seite wird dies jedoch geleugnet. Wien, 19. Juli. In der gestern unter dein Vorsitz des Ministers Zaleski stattgchabtcn Konferenz zur Erörterung der Galizien und die Bnkovina bedrohenden Choleragesahr hob der Sektionschef Erb die Mangelhaftigkeit des russischen Sanitätsdienstes hervor und wies auf die Truppenkonzcntrirung an der Grenze und das Zusammenströmen jüdischer Elemente daselbst, sowie ans die daraus erwachsenden großen Gefahren hin. Der Minister des Innern untersagte auch aus sanitären Gründen die Aufnahme von aus Rußland auswandernden Juden. Rumänien. Bukarest, 23. Juli. Es ist ein Fremdengesetz in Vorbereitung, dessen Zweck ist, die Rechtsverhältnisse der nicht naturalisirten rumänischen Israeliten und der ohne anderweitige Staasangehörigkeit in Rumänien lebenden Fremden zu regeln. England. London, 18. Juli. Während der König von Rumänien sich hier aufhielt, überreichten ihm der Lon-