Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1892)
- Date
- 1892-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1098 kennt die Geheimnisse des Herzens," bezieht R. Mosche Alschich in seinem Psalm-Commentar in sehr zutreffender Weise auf die Marannen, und ebenso in neuerer Zeit S. R. Hirsch in seinem Psalm-Commentar. Die Ankläger konnten daher leicht den Beweis führen, daß die Neuchristen keineswegs von ihrem alten „Jrrthum und Aberglauben" gereinigt seien, weßhalb auch die Annahme der herrschenden Religion sie nur kurze Zeit vor dem Haß der Bevölkerung schützen konnte. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die Spannung, welche mehr denn ein Jahr Aller Geister umfing, hat sich nun mit der Entscheidung des Prozesses Buschhoff gelegt. Was von Anbeginn ein jeder rechtlich, unparteiisch denkende Mensch über den Fall hat sich sagen müssen, hat sich als völlige Wahrheit herausgestellt. Buschhoff ist aus Grund des Verdicts der Geschworenen glänzend sreigesprochen, nicht etwa weil seine Schuld aus Mangel an Beweisen ihm nicht hat nachgewiesen werden können, sondern weil vielmehr der ganze Gang der Verhandlung seine völlige Unschuld ans Tageslicht gefördert, in einer Weise, daß sogar die Anklagebehörde aus vollster Ueberzeugung für das „Nichtschuldig" plaidirte. Nun dürfte man wohl erwarten, daß der wüste Lärm jener Leute aufhöre. Doch keineswegs sind diese beruhigt, und wie auch? Die fette Beute von Xanten ist ihnen doch in so unerwarteter Weise entzogen worden; was sie lange Zeit hindurch mit mühevoller, angestrengter Arbeit zu erreichen gesucht, hat ihnen der gerechte und gesunde Sinn des Clever Gerichtshofes während so kurzer Zeit so schrecklich vereitelt. „Es war' so schön gewesen, es hat nicht sollen sein." Darum wird auch in den Zeitungen noch immer gehässig fortgeschwätzt, ja man wagt es sogar, die an der Gerichtsverhandlung betheiligten Personen elend zu schmähen und herabzusetzen. Wir fragen, was wünschen die Antisemiten? Genügt es ihnen nicht, daß ein ehrenhafter Mann, der sich eines ausgezeichneten Rufes erfreut und ein tadelloses Leben zurückgelegt hat, unverschuldeter Weise völlig ruinirt ist? Wie, es wäre den Herren nicht unlieb, könnte man nur dem unseligen Judenvolke auch Mordthaten andichten; allerdings, es wäre für jene ein prächtiger Erfolg; allein es soll wie bisher in ähnlichen Fällen ihnen nicht gelingen. — Mit gerechter Freude muß es aber andererseits einen Jeden erfüllen, daß, abgesehen von jener Partei, in allen Schichten der Bevölkerung sich große Theilnahme für den braven, unglücklichen Mann kundgiebt. In Berlin hat sich nunmehr aus angesehenen Bürgern ein Comitö gebildet, um den verschiedenen Sammlungen für die Familie Buschhoff einen Mittelpunkt zu geben, ebenso haben sich in Bremen christliche Großkaufleute zu einem Comitö vereinigt. An der Wiener Fruchtbörse ergab eine Sammlung 200 fl. — Das ist in dieser traurigen Geschichte eine kleine Entschädigung für den so schwer geprüften Mann. Besonders liegt es aber wohl den Glaubensgenossen ob, ihm, dem Opfer des Judenthums, unter die Hände zu greifen, auf daß er in den Stand gesetzt wird, auch wie früher einem ehrenvollen Erwerbszweige nachzugehen. Wir alle sind hierzu verpflichtet, verpflichtet aus Dankbarkeit für ihn, daß er geduldig und ergeben die ihm zugefügte Unbill ertragen hat und daß vielleicht mit diesem Prozesse jenes alte Märchen in den Abgrund der Vergessenheit stürzen wird . . Von unberechenbarem Vortheile wäre es allerdings, wenn der oder die Thäter ausfindig gemacht werden könnten; es ist zwar zweifellos, daß der hohe Gerichtshof auch weiterhin der Sache auf den Grund zu kommen suchen wird, allein es dürfte wohl von größtem Vortheile sein, wenn auf die Habhaftmachung des Mörders eine namhafte Belohnung ausgesetzt würde. Wenn irgendwann, so würde sicherlich mit Entdeckung des Thäters dem gesammt e n Judenthum eine große Wohlthat erwiesen werden. Wenn dann — und das hoffen wir — der Thäter ausfindig gemacht, dann werden hoffentlich auch jene Hetzblätter es nicht vermögen, das niedere Publikum, das leider noch zu sehr unter deren Einfluß steht, zu bethören. Wir hoffen, es bedarf nur dieses Hinweises, und es werden sich opferfreudige Israeliten finden, die zu diesem überaus guten Zwecke ein beträchtliches Sümmchen zusammenbringen werden. M. L. Berlin. (Unlieb verspätet.) Wieder hat der unerbittliche Tod eine der edelsten und besten Frauen in Israel hingerafft. Frau Mathilde Caro, Tochter des bekannten Oberrabbiners Lipschütz und Enkelin des gelehrten Verfassers des Mischnacommentars riittdn ist am 10. Siwan in ein besseres Jenseits eingegangen. Als Sproß einer so hervorragenden Rabbinerfamilie, hat die Verblichene während ihres ganzen Lebens die drei Grundpfeiler des Judenthums ,rron DHDn m^’öjn may im weitesten Sinne des Wortes gepflegt, so daß sie das Muster einer wahren Israelitin, das Vorbild einer fr» ntw ist. — Es würde weit den Rahmen dieser Zeilen überschreiten, wollte ich alle ihre zahlreichen, großen Vorzüge und Verdienste hier hervorheben. War ja die Verblichene in ihrer aufrichtigen, wahren und innigen Frömmigkeit, mit ihrem bewunderungswürdigen Verständniß für alles Gute und Schöne, eine eifrige Förderin des Judenthums, indem sie nicht nur die Synagoge und Religionsschule der Lippmann- Tauß-Gemeinde, deren Ehrendame sie gewesen, aufs thatkräftigstc unterstützte, sondern auch in alle Gaue Israels, wo es nur dessen Bestes zu wahren galt, die Strahlen ihrer Mildthätigkeit verbreitete. — Welcher Hochachtung und Verehrung die Edle sich zu erfreuen hatte, davon zeugte die Menschenmenge, die ihr, welche sie so überaus geschätzt, die letzte Ehre erwies. Herr Dr. Hildesheimer Ehrw. '"j, widmete der Verstorbenen warme, wohlverdiente Worte des Nachrufes; es folgte dann der Bruder der Verstorbenen Hr. Dr. Lipschütz '"x der in rührendster Weise ihre großen Verdienste sowohl für den engeren Familienkreis als auch für das gesammte