Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1892)
- Date
- 1892-07-21
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448273--34538-2482482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1091 Hlnderniß bilden, wir besitzen in Oesterreich ein Präcedenz. Schon im vorigen Jahrhundert hat Kaiser Ferdinand II. den Prager Juden Basevi in den Adelstand, mit dem Prädikate Edler von Treuenfeld erhoben und dessen Verdienste können sich ganz gewiß nicht mit den Ihrigen messen." „Durchlaucht, wodurch habeich so große Huld, um höchst Sie verdient?" „Ich hatte hierbei nur Ihre großen Verdienste um den Staat und die Armee im Auge; —- aber Herr Oberkriegsfaktor, ich bin Ihnen auch persönlich zu großem Danke verpflichtet. Als ich vor fünf Jahren nach Beendigung des spanischen Erbfolgekrieges nach Wien zurückkehrte, war des Kaisers Majestät meines Lobes übervoll und wollte mich in überströmender Dankbarkeit belohnen. Zuerst wollte er mich zu einem souverainen, Fürsten machen; allein ich verbat mir dies; ich wollte es nicht verschulden, daß irgend Jemanden ein Stück Land abgeriffen würde, um es mir zu geben, ich wollte Niemanden berauben und zog es auch vor, der erste Diener des größten Fürsten, als der Souverain eines kleinen Ländchens zu sein. Nun wollte mir der Kaiser einige Herrschaften in Ungarn schenken und ertheilte der ungarischen Hofkammer den Befehl, daß von den konsiscirten Gütern der Rebellen ein passender Grundbesitz für mich ausgemittelt würde; aber meine Feinde und Neider veranlaßten es, daß an den Kaiser der unglaubliche Bericht gelangte, man hätte trotz aller Mühe die man sich genommen, keinen für mich passenden Grundbesitz aufzufinden vermocht. Es blieb dem Kaiser daher gar nichts anderes übrig, als ein Geldgeschenk von 300,000 Gulden, das mir schon lange zugesagt, aber nicht ausbezahlt worden war, auf 400,000 zu erhöhen und zu verordnen, daß dieser Betrag sofort flüssig gemacht würde; — allein dazu fand sich in den durch den Krieg völlig erschöpften Staatskassen nicht ein rother Heller und wenn nicht Sie, Herr Oberkriegsfaktor, sich aus Rücksicht für mich, entschlossen hätten, noch diese weiteren Viermalhunderttausend Gulden zu riskiren und dem Staate vorzustrecken — so gewiß als ich hier vor Gott stehe, ich wäre so lange ich lebe nicht in den Besitz dieser Dotation gelangt. Ich habe Ihnen Herr Oberkriegsfaktor für diese, gewiß nicht weniger als dem Kaiser selbst zu danken." Der Prinz verabschiedete sich nun und Wertheimer begleitete ihn bis zu seinem Wagen. Eugen wurde vor der großen Menschenmenge die seine Rückkehr auf der Straße erwartet hatte, mit lauten Hochrufen empfangen. Wertheimer war dem Prinzen beim Einsteigen in die Equipage behilflich, dieser reichte ihm aus dem Wagen die Hand und sprach so laut, daß es die Umstehenden vernehmen konnten: „Lieber Oberkriegsfaktor nochmals meinen herzlichsten Dank für den großen Dienst, den Sie dem Staate und der Armee geleistet haben — ohne Sie wäre Ungarn heute eine türkische Provinz." Der Prinz war nach diesen Worten rasch seinem Palais zugefahren und als der Oberfaktor nun seinem zuschritt, entblößten sich alle Häupter ehrerbietig vor ihm. (Fortsetzung folgt in der nächst. Donnerstag erscheinenden belletristischen Beilage.) Aus Rache. Eine wahre Geschichte von C. P. Der Antisemitismus, der jetzt so wunderbare Blüthen treibt, ist bekanntlich ein uraltes Gewächs, das auf dem Boden des Aberglaubens und der Gehässigkeit stets vortrefflich gediehen. In den fünfziger Jahren lebte in dem oberschlesischen Städtchen N. . . der Branntweinbrenner Moses K ... mit seiner Frau und seinen drei Söhnen. Er erfreute sich wegen seiner Redlichkeit und seiner Biederkeit des besten Ansehens und genoß wegen seiner Frömmigkeit einen besonderen Ruf bei seinen Glaubensgenossen. Moses erfüllte mit der peinlichsten Genauigkeit alle Vorschriften des jüdischen Glaubens und verpachtete deshalb auch für die Dauer des Peßachfestes sein Geschäft immer an einen Christen. Mehrmals hatte er die Pacht seiner Nachbarin, Frau Katharine Breyer, übertragen, und diese sah die jed'emalige Stellvertretung des Moses K. bereits als chr gutes Recht an. Als aber Moses dahinter gekommen, daß ihn seine Nachbarin unter der Maske der Ehrlichkeit in der schmählichsten Weise übcrvortheilt hatte, nahm er zu Ostern des Jahres, in welchem diese Geschichte spielt, von jener Gepflogenheit Abstand und wählte sich einen anderen Stellvertreter. Darüber war die Breyer aufs Höchste empört und beschloß, sich an „dem alten Juden" zu rächen. Bei Moses K. wurden in jenem Jahre die Vorbereitungen zum Peßbach mit besonderer Sorgfalt und glänzendem Aufwande getroffen, denn