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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1090 worden. — Ich schrieb verzweiflungsvolle Briefe an den Conferenz- und an den Hofkriegsrath; ich forderte Geld zur Auszahlung der rückständigen Löhne, zum Ankäufe von Remonten, von Mundvorräthen für Menschen und Thiere, um Nachsendung von Verstärkungen, um Aushebung frischer Rekruten und Anwerbuug fremder Soldtruppen; — man antwortete mir, es fehle zu allen dem an Geld; endlich schrieb ich an des Kaisers Majestät einen beweglichen Brief, ich stellte ihm vor, daß wenn diese Armee geschlagen würde, sich der Strom der türkischen Kriegsvölker mit reißender Schnelligkeit über ganz Ungarn verbreiten, ohne jeden Wiederstand bis Wien Vordringen, sich der kaiserlichen Residenz bemächtigen und die längst befürchtete Vernichtung Oesterreichs zur traurigen Thalsacke werden würde", — ich rieth dem Kaiser an den Patriotismus seiner Völker zu appelliren, Anlehen von dem Adel, der hohen Geistlichkeit, den reichen Bürgern zu erbitten, allein anstatt, daß sich Kapitalisten gemeldet hätten die dem Staate ihr Geld anvertrauen wollten, drängten alle Gläubiger in der Furcht Alles zu verlieren, um Bezahlung und selbst die Höchstgestellten derselben, der Markgraf von Baden nnd der Kurfürst von Mainz erboten sich, wenn sie sofort zur Zahlung gelangten, zu riesigen Nachlässen. Alle Bemühungen in Holland und England ein Anlehen aufzutreiben, blieben fruchtlos; — auch für das Versprechen von 24 Prozent Zinsen wollte Niemand dem härtest bedrängten Staate einen Gulden borgen. Man trat an die Finanzverwaltung mit den unverschämtesten Anforderungen heran. Kammerrath Baron Andlon wollte einen kleinen Betrag unter der Bedingung vorftrecken, daß ihm nebst Wucherzinsen lebenslänglich statt der halben, die ganze Pension ausbezahlt würde. Principe Don Leon Odercalebi forderte als Gegenleistung für ein von ihm angebotenes Darlehen von 200,000 Dukaten eine von ihm angestrebte noch unbekannte Dignität. Selbst die kaiserlichen Kammeralbeamten entblödeten sich nicht für Beträge, die sie dem Staate vorstreckten, 12 pCt. Zinsen zu nehmen. In der äußersten Noth und Bedrängniß wollte der Kaiser, um ein Anlehen von 300,000 Gulden zu erlangen, sein Geschmeide verpfänden, aber es gab auf der ganzen Welt keinen Wechsler, der das schwer verkäufliche Pfand belehnen wollte. Alle diese Umstände thaten dem Ansehen des Kaiserhauses den höchsten Eintrag und ermuthigten seine Feinde, welche auf nichts so sehr, als auf die Geldnolh, die bei ihrem Gegner herrschte, ihre Hoffnungen bauten. Ich schrieb an Seine Majestät den Kaiser, Sire allerhöchst Sie haben keine gehörig ausgerüstete Armee dem Feinde die Spitze zu bieten, es ist daher unerläßlich die notwendigen Geldmittel herbeizuschaffen, indem ich sonst vor Gott, vor Eurer Majestät, vor dem durchlauchtesten Erzhause, vor der ganzen Welt die Verantwortung ablehnen müßte, wenn — was Gott gnädigst verhüten möge — allerhöchstdieselben der Kaiserkrone verlustig würden, die ganze Monarchie, verloren ginge.l) — In dieser verzweiflungsvollen Lage traten Sie Herr Oberkriegsfactor als Retter- Oesterreichs auf. Obwohl Sie von den vielen Millionen die, Sie dem Staate vorgeborgt, noch gar nichts zurückerhalten hatten und sich das Geld selbst zu höchsten Wucherzinsen von fremden Kapitalisten, die zu Ihnen weit mehr Vertrauen, als zum Kaiserstaate befaßen, erborgen mußten, liehen Sie doch dem Staate riesige Summen Baargeld, sandten Waffen, Pulver, Blei, Getreide, Ochsen, Pferde; — Alles das, was eine Armee zu ihrem Bestände unerläßlich bedarf; — und mußten ja wissen, daß wenn ich geschlagen würde, die Türken unaufhaltsam nach Wien Vordringen und Sie nie einen Kreuzer von den fünfundzwanzig Millionen, die Ihnen der Staat schuldet, Wiedersehen, daß Sie nicht nur ein Bettler, daß Sie nicht nur Ihr Vermögen, sondern auch Ihre Ehre verlieren würden! .... Herr Oberkriegsfaktor, Sie haben weit mehr gethan, als ich. Wäre ich vor Ausbruch des Krieges gestorben, hätte ein Anderer, etwa Starhemberg, Heister, Rabuttn als Oberfeldherr an meine Stelle treten können, ich konnte ersetzt werden; — aber außer Ihnen gab es keinen Menschen auf der weiten Welt, der Oesterreich so große Summen creditiren mochte. Sie Herr Oberkriegsfaktor haben weit mehr gethan, weit mehr risktrt als ich. Ich hatte in der That nichts zu verlieren, wäre ich dem fünffach stärkeren Feinde erlegen, hätte kein Mensch auf Erden mir einen Vorwurf machen können; eine Schlacht vor Belgrad verloren, hätte meine früheren Erfolge nicht zu verdunkeln vermocht — aber Sie Herr Oberkriegsfaktor, Sie konnten Alles verlieren und hatten nichts zu gewinnen! Sie konnten bei dem riskanten Geschäfte nicht einmal einen Profit machen, denn es ist allgemein bekannt, daß Sie Ihren Sublieferanten die höchsten Preise und den Kapitalisten die höchsten Zinsen bewilligen mußten." Ich habe meiner Relation über die Schlacht bei Belgrad und die Einnahme der Festung, an den Kaiser, eine Liste aller jener Personen, Generale, Offiziere und sonst verdienter Männer, die ich zur Beförderung oder Auszeichnung Vorschläge, angefügt. Ich habe für Sie, Herr Oberkriegsfaktor, den Adelstand beantragt. Daß Sie Jude sind, kann kein *) Dieser Brief und die vorangeführten Thatsachen sind historisch.

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