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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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seiner reinen, hohen, geläuterten Gotteserkenntniß doch von Zeit zu Zeit Holz und Stein anbetete. Was an Anderen weniger strafbar war, mußte unserem Volke als schwerstes Verbrechen angerechnet werdeu. Und darum ist auch die schwere Straft, die stets auf solche Ausschreitung und Verirrung folgte, eine verdiente und gerechte. Es hat sich selbst erniedrigt und die Straft der Erniedrigung folgte auf dem Fuße. Wie war es nun möglich, daß unser Volk Gebilde der Menschenhand verehrte? Die Antwort gibt uns der Prophet: ub ’d. „Sie wendeten mir den Nacken zu und nicht das Angesicht." Trotz, Halsstarrigkeit, Widerspruchsgeist gegen die Vernunft und gegen die bessere Ueberzeugung, das sind die Gründe. Sie wollten nun einmal das Gesetz ihres Gottes nicht beachten, wollten wie die anderen Menschen, frei und ungebunden leben. Freilich, der Trotz und die Störrigkeit rächte sich an ihnen, denn merkwürdigerweise wollten die Völker nichts davon wissen, daß auch die Juden Götzendiener seien. Man war ihnen nicht freundschaftlicher gesinnt, sondern im Gegentheil, belohnte diesen Abfall der Juden von ihrem Gotte, mit Feindschaft. Da besann sich dann immer unser Volk, onn nyai uy'tt'im noip und zur Zeit ihres Unglücks werden sie sprechen Auf, Hilf uns!" Diese Voraussagung des Propheten traf dann gewöhnlich auch ein. Das wiederholte sich so oft, das ist eine historische Thatsache. Und heute? Wiederholt sich nicht gleichfalls diese Erscheinung? — Holz und Stein sind heute abgethane Götter, das ist auch nach der heutigen Ansicht unvernünftig. Aber was hat man für seinen Abfall vom Väterglauben eingetauscht? Mit einigen Männern der Wissenschaft will auch der moderne Jude statt des Allbelebenden, Alles schaffenden Gottes die Naturkraft als höchstes Idol, als höchste Wahrheit gelten lassen. Und ist die Naturkraft nicht auch ein todtes Ding? Sind denn die in derNatur wirkenden Kräfte lebende, geistige, vernünftige Wesen? Oder nicht vielmehr todte Begriffe? Und das soll das allein Schöpferische sein; dem will der geistbegabte, vernünftige Mensch sich unterordnen? Sind diese Kräfte vielleicht etwas besseres, als Holz und Stein? Auch die in der Natur zu Tage tretende, und erkennbare Kraft, und sei es selbst die heute an der Spitze stehende, unsere Welt umwandelnde elektrische Kraft, ist doch nichts anderes, als eine an sich vernunftlose Kraft, der kein Bewußtsein, keine Selbstthätigkeit, innewohnt. Muß sie ja erst zum Leben, zur Thätigkeit geweckt werden. Mit Recht klagt der Prophet: oaTnaK 1^2 no?'i^n’i ^ann nn« Hy2 ipm '2 ^ny »a „Was für Ungerechtigkeit (gegen den Geist Verstoßendes)! fanden Eure Väter an mir, daß sie sich von mir entfernten? Und sie gingen einem Phantom nach und handelten wahnbefangen?" Auch heute wird man keinen vernünftigen Grund angeben können, warum man Gott und Sein Gesetz verlassen, d\jb rp:y Hu 'a, als daß man eben trotzig „Ihm den Nacken zuwendet und nicht das Angesicht", um n i ch t j ü d i s ch leben zu können. Und auch heute dieselbe auffallende, verblüffende Erfahrung: Man will nichts wissen von jüdischen Gottesleugnern; man weist sie auch heute feindlich zurück. Viele unseres Volkes weisen zwar mit Entrüstung die Bezeichnung Gottesleugner zurück. Aber glaube« sie denn an Gott? Glauben sie an Gott und beweisen das durch die Thal, durch ihr Leben, durch jeden Schritt, durch jede einzelne Handlung? Schämen sie sich nicht vielmehr offen vor der Welt als Gläubige zu scheinen? Schämen sie sich nicht, zu Gott zu beten? Halten sie es nicht für eine geringe, kleinliche Auffassung des göltl. Wesens? isie glauben ja nicht, daß Gott auf jeden Einzelnen achte, also braucht auch der Einzelne nicht seinen Gottesglauben zu bethätigen. noip non» onyn nyai. Aber zur Zeit des Unglücks, zur Zeit der Gefahr, bet jedem Leid und jedem Schmerz, da ruft man doch: „Ach Gott, hilf uns!" Also gegen ihre Vernunft. Vielleicht tritt gerade hierbei die Naturkraft so recht lebendig auf. Das sind schroffe Widersprüche! Wo ist da Ueberzeugungstreue! Jst's nicht vielmehr Unvernunft und Halsstörrigkeit, die sich allen geschichtlichen Thatsachen verschließt! Immer dasselbe Spiel, dieselbe traurige Wiederholung, dieselbe Verirrung und dieselbe Unvernunft und — auch dieselben traurigen Conseguenzen. Hoffentlich aber auch die Folge, daß auch endlich unser Geschlecht zur Einsicht kommt und wieder vernünftig denkt! Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Wiesloch, 15. Juni. Einen wahren und echten Jehudi haben wir heute zu Grabe getragen, Herrn LazarusBodenheimer. Nach nur achttägiger Krankheit ist er vergangenen Montag, 75 Jahre alt, verschieden. Der Tod hat eine unausfüllbare Lücke nicht nur in die Familie des Verewigten, sondern auch in die hieüge isr. Gemeinde und die ganze hiesige Einwohnerschaft gerissen. Als Synagogenrathsmitglied und Synagogenvorsteher war er der israelitischen Gemeinde ein treuer Führer. Er bekleidete jene Stellung mit kurzer Unterbrechung beinahe 40 Jahre lang. Manche schöne, echt-jüdische Einrichtung hat ihm die Gemeinde zu verdanken. Sein Einfluß hat uns unsren Gottesdienst unversehrt erhalten. Mehr als 30 Jahre war er byi r6?n an den d’ntu d*d\

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