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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1075 und der Reinigung meiner Seele leben zu können; das Getriebe der Welt läßt uns nicht Zeit ZU der himmlischen Beschaulichkeit, die so nothwendig für jeden guten Christen ist. Während dieser Zeit will ich ihn unterrichten und es wird mir zweifellos gelingen, ihn auch innerlich zu bekehren. Bei diesem höchst gottgefälligen Werke bedarf ich Eurer Unterstützung", sagte er, sich zu dem Geheimrath und dem Gouverneur wendend, „habt die Güte, mir den jungen Gefangenen Jakow Alexandrowitsch Horwitz schleunigst zu übersenden, damit ich ihn sobald wie möglich in das Kloster bringen und dort seinen Geist einer heiligenden, beseligenden Verpflegung übergeben kann." Weder der Geheimrath noch der Gouverneur hatten den Muth, dem mächtigen Manne zu widersprechen und sie gelobten, feinen Wunsch sobald als möglich zu erfüllen. Mit hoher Befriedigung in der Seele fuhr der Oberprokurator nach Hause, der Geheimrath ordnete die Befreiung des Fürsten Gutesow, Alexeis, sowie all' derer, die mit ihm gefangen genommen worden waren, an und fuhr mit dem nächsten Zuge in die Provinztalstadt. Es war gegen Abend, als er dort anlangte, und sofort berichteten ihm seine Späher, daß Iwan Alexandrowitsch für diese Nacht etwas Besonderes planen müsse, da er sein Faktotum, den früheren Polizeispion Kolascheff nebst einer großen Menge von übel beleumundeten Männern zu dieser Nacht an eine Stelle mitten im Walde befohlen habe. Der Geheimrath gönnte sich keine Ruhe. Er bot die ganze Gendarmerie auf und ließ dieselbe durch eine Kompagnie Infanterie verstärken. Längst bevor Kolascheff und seine Leute abmarschirten, lag der Geheimrath mit den Seinen in der Nähe jener Waldesblöße verborgen, die ihm von seinen Spionen als der Ort des geplanten Ueberfalls bezeichnet worden war. Kolascheff kam herbei und bemerkte ihn nicht. Was sich dort ereignete, ist uns schon bekannt geworden. Nun blieb dem Geheimrath nur noch übrig, den Wunsch des Oberprokurators zu erfüllen und den gefangenen Jakow in das Kloster zu befördern. Da ihm aber die Sache peinlich war, so übertrug er sie durch einen gemessenen Befehl dem Gouverneur und reifte ab. XIX Die Fürstin Lydia fuhr selbst mit dem Geheimrath zur Peter Pauls-Festung und überbrachte ihrem Freunde die Jubelnachricht, daß er frei, daß seine Ehre und sein irdisches Glück wieder hergestellt sei. Die Rolle, die sie sich so lebhaft ausgemalt, hatte sie zur Ausführung gebracht, sie war dem Manne, der sie liebte, gleich einem himmlischen Wesen erschienen und hatte ihn aus Kerker und Fesseln befreit. Noch in Petersburg sollte die Verlobung des jungen Paares gefeiert werden. Mit inständigen Bitten drang der Fürst in Alexei, er möge aus Freude an dem Wunder, das Gott gethan, indem er sie so schnell und ehrenvoll von dieser furchtbaren Anklage reinigte, bei dem Feste gegenwärtig sein. Wenn er auch nicht mitessen und trinken könnte, seine Gegenwart allein sei für den Fürsten ein Trost und eine Freude. Alexei aber lehnte es ab, da die Sehnsucht ihn gewaltig heimwärts zu seinen Kindern trieb.' „Habt Ihr keine Nachricht von meinem Sohne erhalten?" fragte Alexei. „Mein erstes Thun, als ich aus dem Gefängniß kam, war, mich telegraphisch nach seinem Befinden zu erkundigen, aber leider bin ich ohne Antwort geblieben." „Er ist sicherlich frei, wie wir selbst," sagte der Fürst, „nicht wahr, mein lieber Vater?" wandte er sich an den Gouverneur; „er hat wohl schon vor uns, oder doch gleichzeitig mit uns den Kerker verlassen dürfen. Wüßte ich seine Adresse, ich hätte schon an ihn telegraphirt." „Ich depeschirte an den Rabbiner, der aber gab mir keine Antwort," berichtete Alexei. Der Gouverneur schwieg mit verlegener Miene, Lydia erröthete tief; erstaunt blickte Michail sie an. „Sprich, Geliebte?" bat er, „ist ihm irgend ein Unheil widerfahren?" „Mein Gott?" schrie Alexei dazwischen, „hat vielleicht der Günstling des Czaren ihn — ich mag es nicht aussprechen, o redet, gnädigster Herr!" wandte er sich mit flehendem Blick an den Gouverneur. „Ihr spannt ihn aus die Folter, den armen Alten!" sagte Michail bittend. „Er lebt, er ist gesund," äußerte endlich der Gouverneur seufzend. „Nun, wenn er lebt, wenn er gesund ist," jubelte Alexei, „dann kann noch Alles gut werden, dann ist nichts verloren." Das Gesicht dcs Gouverneurs wurde noch ernster. „Hört!" sagte er zu Alexei, „es ist nicht vernünftig, Euch die Wahrheit vorzuenthalten, wenn auch dieselbe für Euch sehr betrübend sein mag. Euer Sohn Jakow ist getauft worden." „Getauft?" schrie Alexei; er sprang auf, sein Antlitz war aschfahl geworden. „Nein, Excellenz, das ist unmöglich, ich kenne meinen Sohn, ich weiß, daß ich seinem Gemüthe vertrauen darf." „Nicht mit seinem Willen," erklärte der Gouverneur, „der gewesene Czarengünstling ließ eine Zwangstaufe an ihm vollziehen. Wie Ihr indessen wißt, darf kein Proselit wieder zum Judenthnm zurückkehren. Da Jakow einmal getauft ist, muß er Christ bleiben, und der Oberprokurator der Sy-

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