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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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tou über die Verschwörung Gutesow erstattet", schrie ihn der Kaiser an. „Majestät verzeihen Allerhöchst, ich mußte diese Sache genauestens untersuchen und brauchte viel Zeit hierzu." „Nun hatte es sich bewahrheitet, oder war das Ganze nur eine Fälschung?" fragte der Kaiser schnell. „Es war eine Fälschung!" entgegnete Bluwo mit Bestimmtheit, und sogleich breitete er seine Papiere aus und begann dem Kaiser vorzulesen. Die Gerichtsverhandlung über die verhafteten Aufseher der chemischen Fabrik hatten zum Theil öffentlich stattgefunden, es konnte kein Zweifel mehr über die Wahrheit dieser Thatsache sein, und dennoch wich der Zug des Mißtrauens nicht aus dem Gesichte des Kaisers: Im Gegentheil, er blickte gramvoll und mit sichtbarem Zweifel auf die Akten. Jene angeblichen Verbrecher konnten ja bestochen sein, solche Angaben zu machen. Der Kaiser mußte auch dieses befürchten. Den Geheimrath wehmüthig betrachtend, fragte er: „Wer bürgt mir nun dafür, daß Ihr nicht selbst hier Fälschungen habt mit unterlaufen lassen, Geheimrath Bluwo? Ihr seid als ein sehr schlauer Polizeibeamter bekannt." „Ich bürge dafür, Majestät!" sprach der Oberprokurator fest, während seine Augen begeisterungsvoll aufflammten. Eine Pause entstand, in der man das Athemholen aller Anwesenden hören konnte, endlich unterbrach der Kaiser das Schweigen, ging auf den Oberprokurator zu und ergriff feine beiden Hände. „Wenn Ihr mir dafür bürgt, so muß ich es glauben." Der Kaiser ließ die Arme wieder.sinken und starrte vor sich hin. „Alles was die heilige Schaar bis jetzt entdeckt zu haben vorgibt, hat sich als Lüge, Bosheit, verwerflicher Ehrgeiz und Hinterlist herausgeftellt", sprach der Geheimrath. „Sie soll aufgelöst werden", gebot der Kaiser, „noch heute soll sie aufgelöst werden, sorgt mir dafür, Geheimrath Bluwo!" Der Geheimrath verneigte sich schweigend. „Und was soll mit Iwan Alexandrowitsch geschehen?" fragte der Oberprokurator. Das Gesicht des Kaisers verfinsterte sich wieder. „Er^ war mein Freund oder gab doch wenigstens vor es zu sein!, und ich habe geglaubt. — Er sei verbannt, verbannt von meinem Hofe, er soll sein väterliches Gut nicht verlassen, bis zu seinem Lebensende, aber behandelt ihn mit Schonung. Die Gefangenen gebet frei, Geheimrath Bluwo — und nun geht, — geht Ihr Alle, fort von mir, — mir ekelt vor den Menschen!" Sie gingen alle fort, sie waren alle in der fröhlichsten Stimmung. „Noch Eines habe ich mit Euch zu besprechen, meine Herrschaften", sagte der Oberprokurator der Synode, „wollt Ihr nicht Euch mit mir in den Saal der Kammerherrn begeben?" Sie folgten ihm, sie nahmen Platz und der Oberprokurator begann: „Gott hat Alles für uns zum Besten gelenkt. Ihm sei Dank und Preis! Auf welche Weise werdet Ihr nun dem Iwan Alexandrowitsch Oststone begegnen, mein lieber Geheimrath?" „Ich fürchte diesen Menschen auch heute noch", entgegnete Bluwo, „außerdem besitzt er Vollmachten, die die ganze Polizeimacht der Provinzialstadt ihm zur Verfügung stellen; will ihn der Polizeimeister verhaften und er zeigt jene Vollmachten vor, so vermag der Beamte Nichts gegen ihn auszurichten. Deßhalb werde ich die weite Reise nicht scheuen, mich selbst dorthin begeben, um ihn auf ewig unschädlich zu machen." „Es ist schade, daß ihn der Kaiser nur zur Verbannung auf sein väterliches Gut verurtheilte", sprach der Oberprokurator. „Es ist schade, aber mehr ließ sich nicht erreichen, ich werde indessen trotzdem auf rein gesetzlichem Wege Mittel finden, ihn vollständig zu vernichten, denn ein Mann wie Oftstone kennt keine Rast und wird nicht eher Ruhe finden, bis er eine machtvolle Stellung wieder erreicht oder —" „Oder?" fragten Alle gespannt. „Oder todt ist!" entgegnete der Geheimerath „und dafür werde ich, nein, dafür wird er selbst sorgen." „Es ist gut, daß Ihr in die Provinzialstadt reist", sprach nun der Oberprokurator weiter, „jener junge Mann, den Iwan Alexandrowitsch gewaltsam getauft hat, muß im orthodoxen Glauben unterrichtet werden, damit er auch erkennen lernt, welch' einen kostbaren Schatz man ihm aufgenöthigt." „Wie?" fragte Lydia erstaunt, „er ist ja im Innern Jude geblieben, er ist ja nicht mit dem Herzen zum Christenthume übergetreten." „Thut nichts! Er ist getauft worden und ist deßhalb Ehrist", entgegnete der Oberprokurator, „wie Ihr wißt, ist es einem Christen in Rußland nicht erlaubt, zum Judenthume überzutreten, ebensowenig ist ein Rücktritt möglich." Alle schwiegen betreten und der Oberprokurator fuhr fort: „Was er auf unrechtmäßige Weise erhalten hat, er soll es erwerben, um es zu besitzen, wie ein deutscher Dichter sagt. Ich selbst will den jungen Mann unter meinen persönlichen Schutz nehmen. Am Vorabend des kommenden heiligen Sonntages werde ich mich in's Kloster begeben, um dort einige Wochen ungestört meinem Gotte

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