Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1892)
- Date
- 1892-07-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1072 das Freiheit und Bildung auf dem Schutthaufen dieser Zwingburg wird erstehen lassen". Wir werden in nächster Nummer s. G. w. weitere Stimmen der Presse über diesen Prozeß folgen lassen. Aus dem Grotzher'zogthum Heften. Nachdem vor mehreren Wochen die hessischen Rabbiner eine Versammlung in Frankfurt a. M. abgehaltcn haben, fand gestern (17. Juli) die Jahresversammlung des hessischen Lehrervereins im Philantropin statt. Es mögen ungefähr 60 Lehrer anwesend gewesen sein, außerdem wohnten der Versammlung an und nahmen an den Berathungen theil in Herren Dr. Bärwald-Frankfurt, Dr. Bondi-Mainz, Dr. Horovitz-Frauksurt, Dr. Marx Darmstadt und Dr. Salfeld-Mainz. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Lehrer Wertheim-Heldenbcrgen evöffnctc die Versammlung mit einer Ansprache, worin er bemerkte, daß auch in diesem Jahre der Deutsch-Jsr.- Gem.-Bund zu Berlin wieder 100 Mk. als Beitrag zu den Reisespesen der Mitglieder bewilligt habe und daß durch Vermittlung des Hrn. Dr. Horovitz dem Vereine von anderer Seite Mk. 150 für dessen Interessen zugeflossen seien. Alsdann stattete der Vorsitzende Bericht über eine Unterredung, die er mit dem Referenten des Jüdischen Cultus, Ministerialrath Dr. Usinger, gehabt habe. Darnach denkt man im Ministerium des Innern ernstlich daran, die bessernde Hand an die Verhältnisse der jüd. Gemeinde zu legen. Der Referent im Ministerium habe die einschlägigen Gesetze anderer Länder genau studirt und hofft ganz gewiß, daß bald eine befriedigende Lösung eintreten werde. Ein Näheres dürfe er jetzt noch nicht mittheilen. Natürlich wurden diese Mittheilungen mit vieler Befriedigung entgegeugenommen. Die Rechnung, welche noch nicht endgiltig fertig gestellt war, soll erst in der nächsten Generalversammlung geprüft werden. Alsdann schritt man zur Berathnng des Lehrplans, über den schon im vorigen Jahre bcrathen wurde. Aber auch in diesem Jahre konnte man diese umfangreiche und wichtige Materie nicht erledigen. Damit dieser Gegenstand jedoch im nächsten Jahre endgültig erledigt werde, wurde eine Commission aus 5 Mitgliedern gewählt, welche über diesen Gegenstand beräth und im nächsten Jahre der Versammlung Vorlage macht. Nachdem nun als weiteres Thema, auch besonders von Dr. Horovitz befürwortet: „Wie kann der Lehrer auf dem Lande, außerhalb der Schule, seine Gemeindeglieder geistig heben?" festgestellt und Herr Lehrer Salomon von Sprendlingen als Referent gewählt war, wurde die Versammlung, welche von 10 bis 3 Uhr gedauert hatte, mit dem üblichen Danke des Präsidenten an alle diejenigen, welche zum Gelingen der Versammlung beigetragen haben, geschlossen. Nach der Versammlung fand im Hotel Emmerich ein Essen statt, an welchem sich ein großer Theil der Lehrer betheiligte. Der Nestor der hessischen Lehrer, Herr Salomonsohn ans Hungen, welcher demnächst sein 50jahriges Dienstjubiläum begeht, sprach das Tischgebet. R. Worms Es dürfte die vielen Freunde und Collegen des Herrn Rabb. Dr. Stein dahier interesfiren, zu erfahren, daß dessen 25jähriges Dienstjubiläum am 3. September d. I. Nün *3 ntns stattfinden wird. Berlin, 16. Juli. In den Victoria-Sälen, Leipziger Straße 134, hielten die Antisemiten Berlins am Donnerstag Abend eine Versammlung ab, in welcher die vorbereitenden Maßnahmen zur Begründung „judenfreier Leder-, Mehl- und Eierbörsen" besprochen wurden. Die Anwesenden, deren Zahl nicht erheblich groß war, bestanden zum größten Theile ans Vorsitzenden antisemitischer Vereine, Kauflenten und Handwerkern. Jedes Mitglied der antisemitischen Vereine müsse sich verpflichten, nur in solchen Geschäften seinen Bedarf zu decken, die ihr Material in den antisemitischen Börsen kaufen. Und wenn irgend ein Geschäftsmann behaupte, er kaufe bei den Juden billiger, darum beziehe er von diesen, so dürfe von ihm nichts mehr entnommen werden, bis er sich gezwungen sehe, in die antisemitische Börse zu gehen. Wenn der Großgrundbesitz und der Bauer sehen, daß wenn wir etwas erreichen, dann werden sie schon von selbst zu uns kommen und auch Mitglieder unserer Partei werden. Wenn wir den Magistrat so in unserer Hand hätten, wie wir ihn nicht haben, was uns später aber gelingen wird, dann würden wir auch in den Markthallen und aus dem Viehhofe getrennte Abtheilungen, eine deutsche und eine jüdische einführen, ja wir würden dann die Inden auch auf bestimmt vorgeschriebene Stadttheile beschränken, llm die Macht hierzu zu erringen, werden uns die jndenfreien Börsen, die — sobald sie sich in Berlin bewährt haben, — in allen größeren Städten des Reiches begründet werden sollen, helfen. Eine besondere Diskussion schloß sich an diese Mittheilungcn nicht. Gegen halb 1 Uhr Nachts wurde die. Versammlung geschlossen. bti UDy '3 mp’ n3i i3”i n3T 33m ,3Lp isy Berlin. Mit dem Urtheil im J'antener Knabenmordprozeß sind, lvie ein Berichterstatter meldet, die Antisemiten Berlins nicht zufrieden. Sie wollen an einem der nächsten Tage eine öffentliche Volksversammlung einberufen, um das Schwurgericht zu Cleve vor ein „Volksgericht" zu bringen. Uebrigens sind die Herren Nauck u. Hartmann vom Magistrat angewiesen worden, darauf zu achten, daß sich auf den Plakaten an den „Litfaßsäulen" keine Beleidigung gegen die Juden bemerkbar machen. Dem antisemitischen Verein „Westen" wurde deswegen der Druck von Plakaten, auf welchen zu einem „Volksgericht" eingeladen wurde, abgelehnt. Ebenso wurde es abgelehnt, auf den Plakaten die Notiz zu vermerken, daß Talmudauszüge im Versammlungssaale vertheilt würden. Auch die Bezeichnung „Volksting" wurde zurückgewiesen, so daß die Herren Antisemiten zu dem nicht mehr recht zugkräftigen Ausdruck „Große öffentliche Volksversammlung" greifen müssen. Cleve, 15. Juli. In letzter Stunde hat Rohling an das „Kgl. Strafgericht" dahier ein Schreiben gerichtet, das mit den Worten schließt: „Im Angesicht des Todes und meines Ewigen Richters kann ich nicht anders reden und muß bekennen, daß die Blutbeschuldigung Wahrheit ist."