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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1071 sämmtlich mittellos und denen oft das Nöthigste fehlt. Ein Angehöriger dieser Gemeinde, Herr S. Hakel, der sich längere Zeit in Deutschland aufgehalten und besonders in Frankfurt a. M., sich von den herrlichen Folgen überzeugt hat, die aus einer redlichen Verbindung von Thora und profanem Wissen sich bet der Jugend ergeben, hat. in seine Gemeinde zurückgekehrt, sich die Aufgabe gestellt, daselbst denselben Geist heimisch zu machen. Derselbe, ein gründlicher Kenner von D’pDiBi d-a hat mit flammender Beredsamkeit seine Gemeinde bestimmt, ihre ganze Kraft aufzubieten, um die reifere und die noch unmündige Jugend in diesem Geiste zu erziehen. Es ist Herrn Hakel mit Gottes Hilfe gelungen, eine Jeschiba ins Leben zu rufen, an welcher er selbst zur Zeit 34 Jünglingen v'pODi o"v vorträgt, die alle zu den schönsten Hoffnungen berechtigen. Auch soll ein Lehrer angestellt werden, der in der Landessprache das profane Wissen lehrt. 115 Waisenkinder erhalten durch Lehrer Unterricht und die arme Gemeinde hat dieses alles übernommen, ohne alle äußeren Mittel im Vertrauen auf Gott, der ein solches Unternehmen sicher nicht verkommen lassen wird. Wenn eine solche Gemeinde die nöthigen, materiellen Mittel besäße, um ihre edlen Absichten zu verwirklichen, was wäre das für ein Kiddusch Haschern von ganz unberechtbarer Bedeutug! Zur Zeit leiden die Schüler und Lehrer bitteren Mangel an allem, und sind auf die Unterstützung edler Gesinnungsgenossen angewiesen. — Ob sie dieselben finden werdend Es ist traurig, beschämend, wie unsere Gegner für ihre neologen, destruktiven Ziele Geld von Allianzen und Einzelnen jederzeit in Hülle und Fülle zur Verfügung haben, und für wahrhaft jüdische Zwecke, soll es so schwer, so unmöglich sein, die erforderlichen, materiellen Mittel zu schaffen! Hoffen wir, daß es nur dieser Anregung bedarf, um opferfreudige, leistungsfähige Männer, die ein Herz für den minn jnty haben, auf diese Zustände aufmerksam zu machen. Hoffen wir, daß für die galizische Judenheit, für den reichen Fonds von rurm n-)in, sie birgt, sich noch ein Baron Hirsch findet, dem nicht nur das soziale Elend, dem vor allem die religiöse Verkümmerung nahe geht, der Hunderttausende überantwortet sind, wenn die min nicht das nap findet, ohne welches sie nicht bestehen kann. Und wenn unsere Großen und Reichen kein Herz und Geld für diesen Jammer- Haben sollten, hoffen wir auf den gesunden Sinn der großen, jüdischen Gesammtheit, der mit seiner allzeit bereiten Opferfreudigkeit schon so große Wunder geschaffen hat, der sich wahrlich kaum einen wichtigeren und würdigeren Gegenstand für seine Fürsorge auswählen könnte, als min und Ion durch die Fürsorge für solche Thorapflanzstätten für ihre Schüler und Lehrer zu bethätigen. (Anm. der Redaktion. Wir sind gern bereit Spenden für die Jeschiba in Ulanow entgegen zu nehmen und sie dem Leiter derselben, Herrn S. Hakel zu übermitteln.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 19. Juli. Nun, nachdem die Geschworenen in Cleve das Nichtschuldig über den des Mordes angeklagten Buschhoff gesprochen, entspinnt sich, wie ja nicht anders zu erwarten war, in der Presse eine lebhafte Discussion über diese Angelegenheit. Wir geben im Folgenden eine Zusammenstellung von Auslassungen verschiedener Zeitungen: Die „National-Zeitung" sagt: „Wenn heute noch eine Schar von Zeugen in Folge der Verhetzung wie ebensoviele Hypnotisirte Dinge als selbstgesehen erzählen, welche ihnen nachgewiesenermaßen nur durch das allgemeine Gerede und ihre eigene Erregung suggerirt wurden, wie mag es damit erst vor Jahrhunderten ausgesehen haben! Auch heute noch lauern die finstern Gewalten des Aberglaubens unter dünner Decke; wer sie leichtfertig oder absichtlich hervorlockt, macht sich selbst des schwersten Verbrechens schuldig". Die Bemerkungen der Amalek-Zeitung „Das Volk" gipfeln in folgenden Worten: „Die Frage des Blutmordes ist immerhin mindestens eine offene". Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt: „In dem Widerstreit, wie von Anfang an die grausige That zum Zankapfel für politisches Gehader und zum Ausgangspunkt einer äußerst verbitterten antisemitischen Verhetzung gemacht ist, liegt ein Unfug und eine Störung der öffentlichen Ordnnng und Sicherheit, wie sie unverschämter kaum gedacht werden kann, ein Zelotismus, der grell in unsere Tage hineinschreit und den Schwerpunkt der Angelegenheit ganz wo anders hin schob, als wo er liegt". Das nmrvn nn die „Kreuzzeitung" führt in diplomatisch sein sollender Weise aus: „Das formale Moment der Freisprechung ist nicht so bedeutsam, als die Judenpresse meint. Auf die begleitenden Umstände kommt dabei viel an. Diese Umstände können derart sein, daß sie der viecrix causa mehr Schaden als Nutzen bringen. Wir bemerken das, weil es auch schon jetzt keinem Zweifel unterliegt, daß diese begleitenden Umstände in dem Falle zu den schärfsten Erörterungen führen werden". Der sozialdemokratische „Vorwärts" erklärt: „Am 14. Juli 1789 der revolutionäre dritte Stand, der die Zwingburg des feudalen Zeitalters, der Selbstherrschaft in Trümmer schlug. Am 14. Juli 1892 das Ende des Prozeffes Buschhoff, der offenbarte, wie die Geister der Vergangenheit unter uns umgehen, der zeigt, daß die deutsche Bourgeoisie schon die Früchte ihres Schachergeschäfies mit der Reaktion erntet. Noch ist die Bastille der Maffenverdummung und sozialen Unterdrückung nicht gefallen. Daß ihr 14. Juli kommen wird, dafür bürgt das Proletariat,

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