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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1070 niffen einzuräumende Maaß, gehen die Ansichten auseinander. Endlich ist die Richtung der Reform, deren Heißsporne mit dem überlieferten Judenthum ganz tabula rasa machen möchten. In den Kreisen, die dafür als Versuchsfeld gelten sollen, herrscht nun aber n"a doch viel zu tiefer, jüdischer Sinn, als daß man die Beschäftigung mit der Thora ganz aus dem Lehrplan der zu erziehenden Jugend streichen dürfte. Deßhalb figurirt min oder doch Religion, wie sie es nennen, auch auf dem Lehrplan der Neologen. Sie wollen aber nicht pw pn Dy min, sondern im günstigsten Falle min Dy p-in pn. Diese Richtung hat innerhalb der galizischen Judenhett unsägliche Verwirrung und Verbitterung geschaffen. Die hiesige Israelitische Allianz unterstützt diese Richtung mit vollen Händen. Die bekannte Zwölf-Mtlltonen»Spende des Herrn Baron Hirsch, wäre selbstredend auch dieser Richtung zu Gute gekommen, weßhalb sich die gesetzestreuen Elemente, die von keiner Hebung der Judenheit auf Kosten des Judenthums etwas wissen wollen, ablehnend dagegen verhielten. Neuerdings scheint nun innerhalb der galizischen Neologen sich eine ungewöhnliche Rührigkeit auf der ganzen Linie zu enthalten. Broschüren in polnischer und hebräischer Sprache, Berichte und Polemiken in reformjüdischen Zeitungen verrathen die Ungeduld ihrer Hintermänner, die mit ihrem alleinseligmachenden Evangelium nicht länger zurückhalten können. Ob ein besonderer Coup beabsichtigt wird, oder ob es sich nur um ein zufälliges Zusammentreffen verschiedener Momente handelt, ist dem Fernstehenden festzustellen schwer möglich. Wie dem aber auch sei, daß solcher Agitation gegenüber, die Berather und Förderer des gesetzestreuen Judenthums in Galizien nicht mit verschränkten Armen zusehen dürfen, bedarf keiner ausführlichen Erörterung. — Ueber das, was im Allgemeinen und im Einzelnen zu geschehen habe, gestatten wir uns hier folgende Andeutungen: Daß der Schwerpunkt alles dessen, was zur Hebung und Förderung unserer Emuno in Galizien geschehen könne, in der Heranbildung der Jugend für nun und p-iN pn besteht, darüber waltet bei keinem religiösen Einsichtigen ein Zweifel. Um hier das Erforderliche zu organisiren, müßte die Leitung in die Hände eines Mannes gelegt werden, der einerseits als rwi'Di mina Vnj das Vertrauen der maßgebenden Kreise der Orthodoxie in Galizien voll und ganz genießt, und der anderseits auch hinsichtlich feiner wissenschaftlichen Bildung die Garantie bietet, daß nun und p-i« pn für ihn aufgehört haben, unversöhnliche Gegensätze zu fein, sondern ein harmonisches, sich gegenseitig ergänzendes Ganze bilden. — Die Gewinnung eines solchen Mannes wäre eine rettende That für die galtzische Judenheit. Unter den Männern, die wir für diesen verantwortungsvollen Posten für besonders geeignet haten, nennen wir in erster Reihe Herrn Rabbiner Dr. Josef Guggenheim in Kollin (Böhmen.) Derselbe qualifizirt sich wie vielleicht kein zweiter für diese Stellung, weil wie wir notorisch wissen, die Koryphäen der gesetzestreuen Judenheit in Galizien mit ganz ungewöhnlicher Hochachtung und Verehrung zu diesem im Kampfe für das Judenthum ergrauten Meister des Wortes und der Feder emporblicken, und weil ihm die weit über seinen engeren Wirkungskreis bekannte und anerkannte wissenschaftliche Bildung, verbunden mit einer makellosen Geradheit des Charakters und Lauterkeit der Gesinnung auch in neologen Kreisen die erforderliche Beachtung und Achtung sichern. — Wir haben niemals mit Herrn Dr. Guggenheim über diese Angelegenheit gesprochen und kennen seine Ansicht hierüber nicht. Aber wie wir ihn im Allgemeinen zu kennen glauben, zweifeln wir nicht daran, daß er nicht anstehen werde, seine bewährte Kraft in den Dienst dieser hochwichtigen Angelegenheit zu stellen. Jedenfalls füllten die Führer der Orthodoxen in Galizien sich deßhalb mit Herrn Dr. Guggenheim in Verbindung isetzen und seinen bewährten, weisen Rath dafür einholen. Falls derselbe nicht in der Lage wäre, der Sache seine Persönlichkeit ganz zu widmen, so wäre er vielleicht in der Lage, einen andern Mann in Vorschlag zu bringen, der dann gewiß des Vertrauens der leitenden Kreise sicher sein dürfte. Unabhängig von diesem Schritt und seiner Verwirklichung müßten schon heute alle Bestrebungen und Veranstaltungen, die den Zweck haben P*in pn Dy min bei der galizischen Jugend zu verbreiten, gefördert und thatkräftig unterstützt werden. Es fehlt ja G. s. D. nicht an solchen Bestrebungen, aber sie erfreuen sich leider nicht der allgemeinen Würdigung und der thätigen Sympathie, die für ihre Erhaltung und Erstarkung unerläßlich sind. Wir sind in der erfreulichen Lage ein solches Unternehmen ganz neuen Datums hier regiftriren zu können. Im Kreise Breszow liegt ein Dorf Ul a n o w, dessen jüdische Bevölkerung sich meistens aus armen Handwerkern zusammensetzt. Die Wohlhabenderen sind durch den Rückgang des Holzhandels und durch schwere Krankheiten, die daselbst grassirten, verarmt. Viele sind der Krankheit erlegen und haben eine große Anzahl unversorgter Waisen zurückgelassen. Die Zahl der Gemeindemitglieder beläuft sich zur Zeit auf ca. 400, die

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