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Der Israelit · 1892-07-18 · Heft 57 (18.7.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 57 (18.7.1892)
Date
1892-07-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1063 Jahrhunderts in Verfall gerathen, und von seinen vier Thürmen erblickt man nur noch den „Schwanenthurm", der in seiner jetzigen Form aus der Mitte des 15. Jahrhunderts herrührt, und den als Gefängniß dienenden Spiegelthurm. Aeit««gsuachrichteir nnd Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Juli. Ueber Heinrich Gelzer, den Freund Kaiser Wilhelms des Ersten und des Großherzogs Friedrich von Baden, den Erzieher des Fürsten zu Wied schreibt Friedrich Curtius in einer soeben im Verlage von F. A. Perthes (1892) erschienenen Schrift: „Als die geistigen Mächte, welche der Friedensmission entgegengeftanden, bezeichnet Gelzer drei Formen des Hasses: den Rassenhaß, den Klassenhaß und den Sektenhaß. Diese drei Feinde waren zu bekämpfen, daher heißen die drei Losungsworte aller, um die sich alle Patrioten vereinigen müssen: Religionsfrieden, Kl ssenfrteden und Völkerfrteden!" (S. 29) Gelzer schreibt selbst einmal (S. 48):, „Die Reform der Nationalerziehung muß hervorgehen aus Reinigung und Einigung. ... Die Einigung hat drei Trennungsursachen zu überwinden, den Gegensatz von Naturwissenschaft und Ge. schichtswissenschaft, den Gegensatz von Wissen und Glauben (Schule und Kirche) und den Gegensatz der Konfessionen. Am 22. März 1879 zu Kaiser Wilhelms Geburtstag schrieb er an diesen, indem er sich auf das seit zwölf Jahren ihm geschenkte Vertrauen berief, unter anderem: „Erst wenn es gelingt, die Dämonen des Klassen-, Völker- und Sektenhasses innerlich zu überwinden, wird ein dauernder Friede in Deutschland und Europa begründet werden." (S. 45.) Und Kaiser Wilhelm antwortete (S. 46) vom 4. April 1879: „Mit aufrichtigem Dank für Ihren Geburtstagsbrief und seine Wünsche verbinde ich die Versicherung, daß jedes Wort Ihres Briefes mir aus der Seele genommen ist." Frankfurt a. M. Am 3. Juli d. I. (8. Tamus) verschied Hierselbst nach fast 3jähriger schwerer Krankheit M oritz B aum, der es verdient, daß ihm seiner guten Eigenschaften und seiner vielseitigen Thätigkeit wegen in folgendem ein bleibendes Andenken bewahrt bleibe. Er hat wenig Sonnentage, nur meist tosende Stürme erlebt und in allen Phasen eines wechselvollen Lebens dennoch Ruhe und Gleichmuth bewahrt, Ausdauer, Kraft und unerschütterliches Gottvertrauen in unzähligen Fällen bewiesen. In Bonn a. Rh. geboren, mußte er schon bald nach seiner Verheirathung den Kampf ums Dasein beginnen, denn er verlor während des österreichischen Feldzuges 1866 seine blühende Fabrik. Von diesem Schlage sollte er sich leider nicht wieder erholen, denn von da verfolgte ihn das Unglück mit wenigen Unterbrechungen fast aus Schritt und Tritt. Alles wurde versucht, nichts führte zu einem glücklichem Ende. Nachdem er in Bonn fünf Jahre ein isr. Hotel geführt, gab er, nach verschiedenen Vorstudien daselbst eine Isr. Wochenschrift, den „Isr. Boten" heraus. Diese Zeit war für ihn überaus reich an inneren und äußeren Kämpfen, denn es war dieselbe, in welcher sich in der alten, frommen Gemeinde Bonn die Reformbestrebung bemerkbar machte. Schon früher hatte er in Gemeindeangelcgenheiten verschiedene Audienzen in Berlin konferirte u. a. mehrere Male mit dem damaligen Abgeordneten Lasker, führte mit wechselndem Ausgange mehrere Preßprozesse mit dem damaligen Rabbiner Dr. Schreiber in Bonn (jetzt in Amerika) und dem Rabbiner Dr. Rahm er in Magdeburg. Mit großen Geldopfern richtete er mit wenig Getreuen in Bonn, als dorten die Orgel eingeführt wurde, eine eigene Synagoge ein, hielt eigene Prediger und Religionslehrer. Aber lange konnte er dies nicht aus seinen eigenen Mitteln bestreiten, und da er sich der Reformbewegung nicht anschließen wollte, so wandte er seiner Geburtsftadt den Rücken, wo er Unglück, Unbill und Undank erlitten und setzte in Würzburg und Frankfurt a. M. die Herausgabe seiner Zeitschrift fort, bis auch diese, nicht länger mehr lebensfähig, uach 10 Jahren zu existiren aufhörte. Später befaßte er sich mit Herausgabe theologischer und gemeinnütziger Broschüren unter welchen „Stöckers angeblich ethischsoziale Judenfrage", der „theoretisch-praktische Mohel", ein „wichtiges Kapitel", „Sechs Briese über die Mischehe", (übersetzt von Frau Moritz Baum) ein Reisehandbuch und „w ’DipV iwp -,vv" die meiste Verbreitung fanden. Wenngleich diese Schriften nicht den materiellen Erfolg hatten, so war sein Bestreben, durch sie seiner zahlreichen Famllte ein besseres Dasein zu verschaffen, höchst lobenswerth, durch die andauernden Mißerfolge, Enttäutäuschungen und Kampf ums tägliche Brod bildete sich bei ihm nach und nach ein.Herzübel, das endlich den noch verhältnißmäßig jungen Mann so schnell dahinraffte. Bemerkenswerth war sein unerschütterliches Gottvertrauen auf bessere Tage, l sein Humor, sein gutes Herz, das mit vollen Hän- I den weggab Ein liebenswürdiger, zärtlicher Gatte

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