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Der Israelit · 1892-07-18 · Heft 57 (18.7.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 57 (18.7.1892)
Date
1892-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1057 llch zu erhärten: „daß nach meiner festen Ueberzeugung das Judenthum, wie es in der Bibel, Halacha nnd Haggada amtlich anerkannt vorliegt, und wie es in einer umfänglichen Literatur zum Ausdruck gebracht ist, niemals Menschenblnt für religiöse Zwecke zu verwenden verlangt habe." Ebenso frappant, theilweise überaus amüsant sind die anderen Nachweise, welche zeigen, wie wenig der Abgeordnete v. Wackerbarth das „Material", welches gute Freunde ihm in die Hände gespielt haben, gekannt oder verstanden hat. Ohne Zweifel muß der Abgeordnete v. Wackerbarth nach der Lektüre dieser Schrift zu der Ueberzeugung gelangen, daß er bedauerlicher Weise, in ehrlicher, aber irregeleiteter Ueberzeugung, die Tribüne des preußischen Abgeordnetenhauses mißbraucht hat, um schwere und ungerechte Kränkungen einer großen Religionsgemeinschaft zuzufügen. Wir hoffen, ja wir zweifeln nicht daran, daß der Abgeordnete die erste Gelegenheit, die sich ihm bietet, benutzen wird, um seine Beschuldigungen an derselben Stelle, an der er sie ausgesprochen hat, auch zurückzunehmen. Die Vorgänge in kanten liegen nunmehr abgeschlossen klar vor aller Welt und wenn er die Dinge von Tisza-Eßlar nicht kennen sollte, dieses Buch schildert sie ihm vollkommen wahrheitsgetreu! Noch tagt das Abgeordnetenhaus, und der Präsident wird keinen Anstand nehmen, dem Abgeordneten v. Wackerbarth vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu einem Widerruf zu geben, den schon die Würde des Hauses so dringend erheischt. Wenn der Adel der Geburt zu irgend etwas verpflichtet und mehr ist als eine leere Form, so wird der Abgeordnete v. Wackerbarth kein Bedenken tragen, ein Unrecht, das er eingeschen hat, nach seinen Kräften wenigstens wieder gut zu machen. Das allein wäre immerhin schon ein Gewinn, der die umfangreiche Schrift rechtfertigen würde. Aber vielleicht wird das Buch in seinem Hauptinhalt, in dem Bilde, welches von dem Tisza-Ezlürer Prozeß entrollt wird in Verbindung mit dem Ausgange des Xantenev Prozesses, wenigstens auf die konservative Partei eine günstige Wirkung ausüben. Denn daß auf die berufsmäßigen Antisemiten Belehrung und Mahnung irgend einen Einfluß gewinnen können, ist eine längst zerstörte Illusion. Wir^vergessen so schnell. Hier leben die alten Erinnerungen wiederum auf, an die Ostendzeitung, an die Blüthe des „Deutschen Tageblatts", an die Reden von Henrici und den Dresdener Parteitag, wo mit dem apokryphen Bilde der Esther Solymosi ein marktschreierischer Kultus getrieben wurde. An den plumpen Formen roher Ursprünglichkeit werden hier die wahren Entstehungsursachen der antisemitischen Bewegung blosgelegt und die letzten demagoischen Ziele deutlicher enthüllt, als es in der vielfach unklaren und schon mehr heuchlerischen Bewegung der Gegenwart möglich ist. Da ist denn leichter einzusehen, was es für eine Bewandtniß hat mit der Phrase von der „Bekämpfung des Materialismus". Dem unparteiischen Leser aber, der nicht im Getriebe steht, wird die Schrift andere Genüsse bieten, psychologische Feinheiten in der Analyse des jüdischen Kronzeugen, Kulturschilderungen von unmittelbarer Beobachtung aus dem fernen Theißdorfe und den Reiz einer einfachen und schönen Darstellung in allen Stücken. Frankfurt a M. 13. Juli. Die Kaiserin Friedrich, das griechische Kronprinzenpaar, sowie Prinzessin Margarethe von Preußen und Prinz Friedrich Karl von Hessen hatten sich am Dienstag mit der Landgräfin von Hessen bei der Familie Willy von Rotschild ein Rendezvous gegeben. Die Herrschaften waren in drei Equipagen und einem Gig, welches die Prinzessin Margarethe selbst lenkte, von Homburg herübergefahren und hatten ihren Weg über Preungesheim, Eckenheim, durch die Miguel- und Ginnheimerstraße nach dem Grüneburgweg genommen. Nachdem sie über eine Stunde auf der Grüneburg verweilt und daselbst den Thee eingenommen hatten, fuhren sie, nachdem ihnen noch beim Abschied von der Baronin von Rothschild prachtvolle Blumenbouqucts überreicht worden waren, nach Homburg zurück. Mülhansen, 4. Juli. Die israelitische Gewerbeschule des Ober-Elsaß hat ihren Jahresbericht versandt. Dieselbe hat 37 Schüler, für welche 11t76 Verpflegungtage in Anrechnung gebracht wurden. Die Kosten für jeden einzelnen Schüler betrugen täglich 1 Mk. 34 Psg. Von den Schülern find 8 Schlosser und Mechaniker. 6 Schneider, je 3 Holzbildhauer, Lithographen, Maler und Rouleauxstccher, je 2 Pastetenbäcker, Blechschmiede, Tapezierer, Buchbinder und Zeichner und 1 Friseur Zu dem edlen Zweck der Schule, aus htlfsbedürfttgen Kindern tüchtige Handwerker zu machen, tragen anch viele Gemeinden des Bezirks durch Zahlung von Beiträgen bei. Leipzig, 6. Juli. Die hochconservative „Leipz. Ztg." welche dem Antisemitismus sehr wohlwollend gegenübersteht, schreibt über den Besuch Ahlwardt^s in Leipzig: Mochten auch Viele nur durch die Neugierde angelockt worden sein, der Empfang und der Beifall, der dem Helden des Abends zu Theil wurde, hätte nicht enthusiastischer sein können. Warum Dem so war, läßt sich schwer begreifen. Sicherlich hat man es doch nicht mit einem Charakter von unbestrittener Wahrhaftigkeit zu thun. Gleichwohl unerhörte Stürme des Beifalls, die nicht gemacht waren, dazu die Ueberreichung eines Lorbeer-

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