Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1892)
- Date
- 1892-07-14
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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1051 Ich kann nur versichern, daß höchst Sie in dieser Angelegenheit wie auch überhaupt auf meine treue Ergebenheit rechnen können!" „Nochmals meinen schönen Dank, mein lieber, lieber Prinz", rief Maria Josefa und reichte ihm beide Hände. „Gott segne Sie für diese Gutthat." Sie griff nun rasch nach Kapuze und Schleier und verschwand mit solcher Schnelligkeit, daß ihr der Prinz nicht das Geleite zu geben vermochte. Drittes Kapitel. Das Eckhaus der Kärntnerstraße an der Bastei in Wien war das Palais des kaiserlichen Oberhof¬ und Oberkriegsfaktors Samson Wertheimers, der zugleich Reichs- und der kaiserlichen Erblande Oberrabbiner war. Samson Wertheimer war einer der merkwürdigsten Gestalten des achtzehnten Jahrhunderts und durch die Eigenthümlichkeit seiner Stellung und die geradezu unglaubliche Vielseitigkeit seiner Begabung einer der herorragendsten Juden des jetzigen Jahrtausends. Er war 1677 als illjähriger Jüngling mit dem Oberhoffaktor Samuel Oppenheimer, dessen Nachfolger er später geworden, aus Worms nach Wien gekommen und hatte von diesem Zeitpunkte an seine Kräfte und Fähigkeiten ununterbrochen dem Dienste Oesterreichs und des Habsburgischen Hauses in opfervollster Weise gewidmet. Drei Kaiser: Leopold I., Joses I. und Karl VI. hatten ihn mehrfach ausgezeichnet. Seine „unablässigen treuen Dienste", hatte Kaiser Leopold bereits dadurch anerkannt, daß er ihm und seinem damals noch sehr jungen Sohne Wolf sein Bildniß mit der goldenen Gnadenkette verlieb. Gleich groß als Finanzmann, wie als Diplomat, schwang er sich bald zu einem persönlichen Vertrauen des Kaisers und der Krone empor und schon 1692 wurde ihm Einfluß auf die Errichtung einer neunten Kurwürde für Herzog Ernst August von Braunschweig-Lüneburg zugeschrieben und Kaiser Leopold übertrug ihm, — als sein Schwager Herzog Karl Philipp, später Kurfürst von Pfalz-Neuburg eine zweite Ehe eingehen wollte und um eine polnische Prinzessin warb — die diesbezüglichen Verhandlungen mit den Eltern der hohen Dame. Kaiser Josef hatte schon als Thronfolger und römischer König, Wertheimer von der besten Seite kennen gelernt, und cs war einer seiner ersten Regierungsakte, daß er ihn nicht nur in seinen Würden bestätigte, sondern ihn auch zum Oberhoffaktor der Kaiserin Wilhelmine Amalia ernannte. Durch diese seine Stellung in steter Verbindung mit dem Hofe, war Wertheimer mit Kaiser Josefs jüngerem Bruder, dem nachmaligen Kaiser Karl VI. bekannt worden und hatte sich diesem, noch als er Erzherzog und später König von Spanien war', durch mannigfache Dienste verpflichtet, und als Wertheimer sich bei der Krönung des nach Kaiser Josefs Tode aus Spanten zurückberufenen Kaisers Karl unter den Huldigenden in Frankfurt am Main einfand, wollte Karl, trotz dringender Geschäfte, die ihn fortwährend in Athem hielten, Frankfurt nicht eher verlassen, bis er ihn in all seinen Ehren und Würden bestätigt hatte. Wertheimer unterschied sich wesentlich von andern seiner Glaubensgenossen, welche sich durch ihre Genialität und das Zusammentreffen günstiger Umstände zu großer Höhe und unglaublichem Einflüsse emporgeschwungen hatten. Betrachten wir z. B. Wertheimer im Gegensätze zu dem bekanntesten und berühmtesten jüdischen Emporkömmling des 18. Jahrhunderts," Josef Süß-Oppenheim, der unter Herzog Karl Alexander von Württemberg Minister war, so ergibt sich schon in der Lebensweise und den Lebensanschauungen dieser beiden Männer ein entschiedener Gegensatz. Joses Oppenheim hatte zwar bei seinem, nach dem Tode des von den württembergischen Ständen vergifteten Herzogs erfolgten Sturze, die Treue und Anhänglichkeit an seinem ererbten Väterglauben mit seinem Blute besiegelt und bevor er durch einen Glaubenswechsel sein Leben gerettet, es vorgezogen als Märtyrer einen schimpflichen Tod zu erleiden, — aber er hatte als Minister, wenigstens so wett dies äußerlich erkennbar war, alles Jüdische abgelegt, er war nur Minister gewesen, nicht das Allergeringste an ihm gemahnte daran, daß er ein Jude sei. Samson Wertheimer aber, ein streng religiöser Mann und großer Talmudgelehrter, lebte strikte nach den Vorschriften seiner Religion, und Kaiser Karl zeichnete ihn auch dadurch aus, daß er ihn zum Oberrabbiner des deutschen Reiches und der kaiserlichen Erblande ernannte und es ihm gestattete, den ihm von seinen Glaubensgenossen im Oriente angebotenen Titel eines Fürsten des heiligen Landes zu führen. Da Samson Wertheimer zur Zeit unserer Erzählung die finanziellen Operationen des kaiserlichen Hauses ausschließlich, jene des österreichischen Staates und des deutschen Reiches zum großen Theile zu besorgen hatte, überdies auch als königlich polnischer, churfürstlich bayrischer und m. a. Potentaten Hoffaktor vielfach in Anspruch genommen war; er auch die Agenda des Oberrabbinates zu besorgen hatte und zu alledem täglich, nicht nur von seinen Glaubensgenossen aus allen Theilen der Welt, sondern auch von zahllosen andern Petenten mit Bitten und Gesuchen um Fürsprache und Unterstützung bestürmt wurde, wird man es begreiflich finden, daß