Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 56 (14.7.1892)
- Date
- 1892-07-14
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448271--34495-2482437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1050 allen Ansprüchen auf den Thron entsagen — aber ich will für mein Lebensglück, das man mir rauben will, kämpfen, und ich werde siegen oder sterben! — Ueber den Kaiserthron mag mein Oheim frei verfügen — aber nicht gegen meinen Willen über mein Hrrz und meine Hand. Durchlaucht, ich bitte Sie nur, mich vor Willkür, die erbarmungslos mein Lebensglück zerstören will, zu schützen!" Der Prinz athmete beruhigt auf. Er hatte gefürchtet, die Erzherzogin beabsichtige ihre Erbfolgerechte geltend zu machen, ihn aufzufordern, für ihre Sache sein siegreiches Schwert zu ziehen. Einen Moment hatte er gefürchtet, einen unheilvollen Zwist im Kaiserhause zu erleben, an dem sich voraussichtlich alle europäischen Mächte betheiligen würden. Der Gedanke an die Möglichkeit eines Kampfes der vaterlosen Waise seines brüderlichen Freundes Kaiser Josef, gegen Kaiser Karl, an den ihn sein heiliger Eid unlöslich fesselte, hatte seine starke edle Seele erbeben gemacht, jetzt aber war diese Gefahr geschwunden, alles andere, was Maria Josefa von ihm verlangen mochte, erschien ihm, seinen ursprünglichen Befürchtungen gegenüber, verschwindend klein; er nahm sich vor, der anmuthigen Prinzessin zur Erlangung gerechter Wünsche beizustehen und er sprach: „Kaiserliche Hoheit, ich bitte mir gnädigst offen zu sagen, um was es sich handelt und überzeugt zu sein, daß ich Alles, was in meinen Kräften steht, aufbiete, höchst Dero Glück zu befördern." „Mein Oheim, der Kaiser will mich einem Manne, den ich nicht liebe, vermählen.Er ließ mich vor zehn Tagen rufen und theilte mir mit: Der Sardenkönig wolle meine Hand für seinen Sohn Karl Emanuel gewinnen, und als ich ihn erschrocken anflehte, ihn zurückzuweisen, ward er zornig, schalt mich ein thörichtes, unverständiges Mädchen, das nicht wisse, was zu ihrem wahren Glücke führe. „O! ich sah cs gleich, der Kaiser, der nur daran denkt seiner Tochter den Thron zu sichern, will mich seinen Zwecken opfern. Prinz, bet dem Andenken meines verewigten Vaters, flehe ich Sie an, ersetzen Sie mir diesen, bieten Sie zu meiner Rettung allen Ihren Einfluß auf, lassen Sie mich nicht unglücklich werden, lassen Sie mich nicht in meinem Elende untergehen." Der Prinz blickte befremdet auf. „Kaiserliche Hoheit", sprach er, „ich versichere höchst Ihnen, daß mir der Kaiser von diesem seinem Plane nicht das Geringste mitgetheilt hat, und ich bitte höchst Sie gnädigst überzeugt zu sein, daß ich Alles, was in meinen Kräften steht, aufbieten werde, den Kaiser von diesem Eheprojekte abzubringen." „Ich nehme Ihr Versprechen dankbarst an, Durchlaucht!" rief die Prinzessin, deren schwermüthige Züge sich rasch aufhetterten, „aber", fuhr sie zögernd, verlegen zu Boden blickend, fort, „damit allein wäre ich noch immer nicht an das letzte Ziel meiner Wünsche gelangt, .... Prinz, Sie müssen mir versprechen den Kaiser auch zu bestimmen, die Werbung des Mannes, den ich liebe, der mich liebt, ohne den ich, der ohne mich nicht leben kann, nicht zurückzuweisen." Der Prinz runzelte die Stirne und erwiederte nach kurzem Bedenken: „Kaiserliche Hoheit, dieses Versprechen könnte ich nur dann erthetlen, wenn ich die Ueberzeugung hätte, daß der Mann Ihrer Wahl, in der That würdig ist, die schönste, geistreichste Prinzessin Europas, die Kaiserstochter Maria Josefa, als hohes Gemahl hetmzuführen. Darf ich bitten mir gnädigst den Namen des Beneidenswerthen, Glücklichen zu nennen2 „Durchlaucht," erwiederte die Erzherzogin ihr schönes Köpfchen hoheitsvoll zurückwerfend. „Ich bin des allgeliebten, unvergeßlichen Kaiser Josef des Ersten Tochter und bin seiner nicht unwürdig. Nou prince, ich habe noch nie Grund zu der Vermuthung gegeben, daß meine Wahl einen Unwürdigen treffen könnte. Ich bin überzeugt, daß sie sich auch Ihres Beifalls erfreuen wird. Prinz August, der Sohn des Kurfürsten von Sachsen und König von Polen, August des Starken, hat mich bei seiner letzten Anwesenheit in Wien kennen gelernt und mich um die Erlaubniß gebeten bei meinem Oheim, dem Kaiser um meine Hand werben zu dürfen." „Ah! trös diou!"^) rief Eugen befriedigt, während sich seine sorgenschweren Züge entdüsterten, „Prinz August ist zwar noch ein sehr junger', aber ein liebenswürdiger, gebildeter Prinz .... Ich werde meinen vollen Einfluß aufbieten, um höchst Sie an das gewünschte Ziel zu bringen." „Gott Vergelts Ihnen viel tausend Mal!" jubelte die Prinzessin, — die mit ihrer raschgewonnenen Heiterkeit auch wieder den Wiener Dialekt annahm, vor Entzücken die Hände zusammenschlagend. „Wenn Sie nur wollen, dann ist es schon gut. Gräfin Bathiany sagt immer: in Oesterreich geschieht Alles, was der Prinz Eugen will, der ist in Oesterreich allmächtig, wenn der was verspricht, da hat mans schon in der Tasche!" „Kaiserliche Hoheit!" erwiederte Prinz Eugen, der auch ein frommes, gläubiges Gemüth besaß, „allmächtig ist kein Mensch, allmächtig ist nur Gott. 3) Sehr gut.