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Der Israelit · 1892-07-11 · Heft 55 (11.7.1892) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 55 (11.7.1892)
Date
1892-07-11
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1027 mittags zwischen 9—10 oder zwischen 10—11 Uhr habe er mit einem Bekannten auf dem Markt gesessen und sich dort unterhalten. Buschhoff sei hinzugekommen, und habe an der Unterhaltung theilgenommen. Postbote Meyering: Er habe am PeterPaulstage, Vormittags zwischen 10-10'/« Uhr, den Buschhoff auf dem Markt getroffen, Buschhoff sei in der Richtung der Klug'schen Wirtschaft zu gegangen. Briefträger Segers: Er habe am Peter-Paulstag zwischen 101U bis 11 Uhr den Buschhoff getroffen. Zimmermann Esser: Am Peter-Paulstage Vormittags gegen 9'/, Uhr sei er dem Buschhoff auf dem Marktplatz begegnet. Buschhoff sei auf ihn zugekommen, habe mit ihm gesprochen und sei alsdann in die Klug'sche Wirtschaft gegangen. Sattler Heu mann: Am Peter-Paulstage habe er den Buschhoff, Kock und Dranks in Buschhoff's Pariere Wohnung am offenen Fenster im Mittelzimmer sitzen sehen. Rach 3 Uhr Nachmittags sei er zur Pumpen-Kirmes gegangen und habe den Buschhoff dort getroffen. Vuschhoff sei bis 5 Uhr bei der Pumpen-Kirmes gewesen und alsdann in die Gastwirtschaft zu Schaut gegangen. Er hatte von Ullenboom gehört, daß dieser am Freitag vor dem Peter-Paulstage das Schlachthaus vernagelt habe. Schmied Dockers: Er sei der Leiter der Pumpen-Kirmes. Er hatte gegen 3 Uhr Nachmittags den Buschhoff eingeladeu, zur Pumpen-Kirmes zu kommen. Buschhoff sei dieser Einladung sogleich gefolgt und sei bis 5 Uhr bei der Kirmes gewesen. Alsdann sei er mit Buschhoff zu Schaut gegangen. Gastwirth Schaut: Er sei einer der ersten auf der Pumpen-Kirmes gewesen Als er zur Kirmes kam, sei Buschhoff schon dort gewesen. Er habe nichts Auffälliges an Buschhoff wahrgenommen. Nach Beendigung der Kirmes, gegen 5 Uhr Nachmittags, sei Buschhoff in seine Gastwirtschaft gekommen und habe gekegelt. Es sei ihm aufgefallen, daß Buschhoff, der sonst sehr schwer Geld herausgebe, an diesem Nachmittag ohne Weiteres bezahlt habe. Als die Nachricht von dem Morde in seiner Gastwirtschaft eintraf, sei gerade Sigmund Buschhoff dort gewesen. Dieser sei nach dem Eintreffen der Nachricht fortgelaufen, sei aber bald wieder gekommen und habe seinem Vater etwas ins Ohr gesagt. Letzterer habe darauf bemerkt: „Er wird wohl gefallen sein." Präsident: Buschhoff, was hat Ihnen wohl Ihr Sohn ins Ohr gesagt? Zeuge: Ich kann mich absolut nicht erinnern, ich bin doch taub; wenn mir mein Sohn etwas ins Ohr gesagt hätte, daun würden es doch die anderen Anwesenden gehört haben. Kaufmannslehrling Paul Richter: Am Tage nach dem Morde habe er gehört, wie in dem Buschhoff'schen Schlachthause Wesendrup mit Buschhoff über den Mord gesprochen habe. Wesendrup habe gesagt: ich habe meine Vermuthung über den Mörder, ich kann dieselbe aber hier nicht aussprechen. Buschhoff habe mit den Achseln gezuckt. Dasselbe bekundet Rektoratsschüler Straaten. Dienstmagd Len sing: Am Peter-Panlstage habe sie gegen achteinhalb Uhr Vormittags den Buschhoff mit einem fremden Juden gehen sehen. Gärtner Doerenberg will ebenfalls den Buschhoff am Peter-Paulstage mit einem fremden Juden haben gehen sehen. Wittwe van Grambusch: Sie sei am Peter-Paulstage zu der Frau Buschhoff gegangen. Vor dem Hause habe sie Kinder weinen sehen, welche klagten, daß ihr Brüderchen schon seit 10 Uhr Vormittags fort fei und nicht gefunden werden könne. Als sie dies der Frau Buschhofs erzählt, habe diese gesagt: „Das Kind wird wohl nach den Kirschen gegangen sein." Präsident: Haben Sie in dem Buschhoff'schen Hause irgend etwas Auffälliges bemerkt? Zeugin: Keineswegs. Präsident: Es ist behauptet worden, Sie hätten in dem Buschhoff'schen Hause Schreien und Wimmern gehört? Zeugin, Dar ist unwahr, ich habe weder Schreien noch Wimmern gehört. Präsident: Frau Buschhoff soll Ihnen erzählt haben, daß ihr Vater einmal wegen Kindesmordes in Untersuchung gewesen ist? Zeugin: Jawohl, lange vor dem Hegmann'- schen Morde erzählte mir Frau Buschhoff, daß vier vor länger denn 30 Jahren geschehen sei. Erster Staatsanwalt Baumgard: Ich habe, da bezüglich dieses Falles die verschiedensten Gerüchte umherliefen, eingehende Ermittelungen angestellt und habe festgestellt, daß im Jahre 1834 zu Altenhos bei Neuß ein derartiger Fall einmal geschwebt hat. Der Name Eohn, so heißt der Vater der Frau Bnschhoff, kommt aber dort in den Akten nicht vor. Ich habe alsdann Ermittelungen bei dem Landgericht in Düffeldorf angestellt, von dort aber die Mittheilung erhalten, daß die Akten aus dem Jahre 1834 nicht mehr vorhanden seien. Später sollte ein Gendarm auf dem Sterbebette gestanden haben, der Mörder des Kindes gewesen zu sein, auch hierüber habe ich trotz eingehender Ermittelungen nichts mehr feststellen können. Frau Rosen: Am Tage von Peter-Paul sei ein fremder Jude in der Gastwirthschaft von Ullenboom in Beek bei kanten, woselbst sie (Zeugin) zur Zeit gedient habe, eingekehrt, habe etwa eine halbe Stunde dort verweilt und sei alsdann nach Xanten zu gegangen. ES sei ihr und auch dem Wirth Ullenboom ausgefallen, daß der Jude nicht wieder zurückgekehrt war, was er sonst stets zu thun pflegte. Metzger Brockmann: Er sei der Judenverfolgung wegen au» kanten weggezogen. Am Peter-PaulStage, Vormittags gegen halbneun Uhr, habe er den Buschhoff mit zwei Leuten auf dem Marktplatze auf einer Bank sitzen sehen. Die Verhandlung wird alsdann gegen achteinhalb Uhr Abends auf morgen (Sonnabend) Vormittag» neun Uhr vertagt. Man hofft, morgen mit der Beweisaufnahme fertig zu werden. 9. Juli, 7.15 N. Morgen findet keine Sitzung statt. Die Fortsetzung erfolgt Montag. Der Schluß der Verhandlung ist noch nicht bestimmbar. Dr. Steiner erklärt nach dem gehörten Gutachten der Mitglieder des Medicinatkollegiums, dem er sich jetzt vollständig anschließe, daß er von seiner Ansicht, daß der Thatort nicht auch der Fundort sei, zurückgekommen sei; die gkstriegen Angaben Mallmanns über die ihm gemachte Mittheilung, daß Jsaac am 29. Juni in Küppers Garten gewesen, wird durch die heutigen Zeugen nicht bestätigt. Der heute Vormittags vorgelegte Sack enthält nach dem Urtheil von 3 sachverständigen Metzgern kein Blut, die dunklen Flecken rührten vom Rauch her. Der vorgeladene Chemiker gibt an, nach so langer Zeit sei es unmöglich, Menschenblut von Thierblut sicher zu unterscheiden. (Fortsetzung folgt.) > Vermischtes. < Neiße, im Juli. Die Einweihung der neuen prächtigen Synagoge fand vor zwei Monaten in feierlichster Weife statt. Das Gotteshaus, das einen sehr freundlichen Eindruck macht und durch die solide und geschmackvolle Eleganz der Ausstattung das Auge wohlthuend berührt, war anläßlich der Feier mit Blatt- und Topfpflanzen reich geschmückt. Der Vorstand der Gemeinde hatte zu der Einweihung zahlreiche Einladungen erlassen; der Magistrat in eorpor« und zahlreiche Stadtverordnete, sowie andere Ehrengäste waren derselben gefolgt. Die Nachbargemeinden Ziegenhals, Ottmachau und Patschkau waren durch Abordnungen vertreten. Gegen 111/4t Uhr begann die Feier in dem vollbesetzten Gottes- Hause mit einem Chor- und Sologesänge. Hier-

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