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Der Israelit · 1892-07-11 · Heft 55 (11.7.1892) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 55 (11.7.1892)
Date
1892-07-11
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1026 deutend Fortschritte gemacht habe. Der Mann leide an einer Wahnvorstellung, sei aber nicht gefährlich und auch nicht bösartig. Es sei in höchstem Maße unwahrscheinlich, daß Knippenberger der Thäter sei. Der folgende Zeuge ist der Brauereibesitzer Stamms (Wesel.) Dieser bekundet: Er glaube von einer Kinderfrau einmal folgende Erzählung gehört zu haben: Die Schwester der Kinderfrau habe bei einer jüdischen Familie gedient. Dem Mädchen habe einmal bei der Zubereitung von Speisen der Finger geblutet. Als sie sich das Blut abwaschen wollte, habe der Hausherr gesagt: „laß nur, e8 schadet nichts, wenn etwas Blut in die Speisen kommt." Staatsanwalt: Sie sagen heute: Sie glauben es gehört zu haben, früher haben Sie bestimmt gesagt, daß Sie es gehört haben? Der Zeuge schweigt. Nittergutsbes. Busch: Vor 30 Jahren habe ihm eine Magd erzählt, daß sie bei einem Juden gedient habe. Dieser habe ihr an jedem jüdischen Festtage gegen Entgelt etwas Blut abgezapft. Präsident: Lebt die Magd noch? Zeuge: Nein, diese Magd hat sich am 20. Februar 1863 ertränkt. Staatsanwalt: Die eingehendsten Erhebungen haben keinen Anhalt für diese Erzäh>ung gegeben. Ich will noch bemerken, daß der Zeuge Busch vor 30 Jahren 12 Jahre alt war. Es erscheint alsdann als Zeugin die Kinderfrau van Rienen: Sie habe vielfach bei Juden gedient und fei von diesen stets gut und liebevoll behandelt worden. Präsident: Hat Ihnen ein Jude einmal Blut abzapfen wollen? Zeugin: Nein. Präsident: Haben Sie eine solche Erzählung einmal Hrn. Stamms gemacht? Zeugin: Nein. Staatsanwalt: Der Zeuge Stamms wollte auch einmal gehört haben, daß ein Artillerist, ein Einjahrig-Freiwilliger in Wesel, gebürtig in Essen, eine ähnliche Geschichte erzählt habe. Eingehende Erhebungen aber haben ergeben, daß zur Zeit überhaupt kein einjährig-freiwilliger Artillerist in Wesel gewesen ist. Nun meldet sich wiederum Fuhrherr Mallmann und bemerkt, daß eine Wittwe Schmelzer in Xanten seine heute Vormittag von ihm gemachte Bekundung bestätigen könne. Auf Antrag des Staatsanwalts beschließt der Gerichtshof, die Wittwe Schmelzer als Zeugin zu laden. Der folgende Zeuge ist Zimmermeister N others. Dieser bekundet: Er habe, nachdem er von dem Morde gehört, hiervon zuerst dem Knippenberger, der der Onkel des kleinen Johann war, mitgetheilt. Knippenberger habe sich lachend auf seinem Stiefelabsatz umgedreht und gesagt: „WaS geht mich die ganze Mordgeschichte an?" Sehr bald darauf habe sich die Nachricht von dem Morde in der Stadt verbreitet. ES bildeten sich Gruppen auf der Straße, unter diesen befand sich auch Buschhoff. Er hat nicht genau hören können, was Buschhoff gesagt, er habe blos das Wort: „Hegebaum" von demselben gehört. Knippenberg habe bei seiner Schwester Katharina gewohnt, sich oftmals mit dieser gezankt und ihr oftmals gedroht, er werde ihr den Hals abschneiden. Ende August oder Anfang September 1890 sei in dem Hause Knippenbergs großer Spektakel gewesen. Er habe einen Augenblick auf der Straße gewartet und da sei sehr bald die Katharina mit bebluteter Hand aus dem Hause gekommen und habe alsdann acht Tage lang die Hand in der Binde getragen. Der Zeuge bekundet im Weiteren auf Befragendes Präsidenten: Er kenne den Buschhoff schon seit vielen Jahren. Er habe denselben als einen sehr gutmüthigen, braven Mann kennen gelernt, der nicht im Stande sei, Jemandem auch nur eine Ohrfeige zu geben. Endlich bemerkt noch der Zeuge: Der frühere jüdische Lehrer in Xanten habe ihm einmal gesagt; Buschhoff mache ihm viel zu schaffen. Präsident: Was mag der Mann damit gemeint haben? Zeuge : Das weiß ich nicht. Präsident: War er villeicht der Meinung, Buschhoff erfülle nicht alle den Israeliten vorgeschriebenen Ceremonien? Zeuge: Das ist möglich.*) Geh. *) Unserer Ansicht nach läßt sich die Unzufriedenheit des Lehrers von Xanten mit Herrn Buscbhoff einfach dahin erklären, daß Buschhoff, der früher Schächter und später Metzger Medicinal-Rath Dr. Pelmann bemerkt zu der Bekundung dieses Zeugen: Er halte an seinem Gutachten fest. Präsident: Halten Sie für ausgeschlossen, daß Knipperberg den Mord begangen hat? Sachverständiger: Ich halte es nicht für wahrscheinlich, für ausgeschlossen halteich es nicht. Lehrer Gotschalk: Er habe kurz vor dem letzten Weihnachtsfest einen Streit zwilchen Knippenberger und seiner Schwester Katharina beobachtet. Letztere sei aus dem Hause hinausgelaufen und habe gerufen: „Du Mörder, du Halsabschneider". Präsident: Herr Geh. Rath Pellmann: Glauben Sie, daß Knipperberger, um an seinem Schwager Hegmann Rache zu üben, die That begehen könnte? Sachverständiger: Nein, ich bin der Meinung, wenn er die That begangen hätte, würde er sie eingesteheii. Oberstaatsanwalt Sa mm: Sie haben gesagt. Herr Geheim-Rath, daß Knippe'berg seit einem Jahre bedeutend schwachsinniger geworden ist. Kann der Herr Geheim- Rath uns sagen, ob er vor einem Jahre der That fähig gewesen wäre? Sachverständiger: Das läßt sich schwer sagen. Verth. Rechtsanwalt Gammersbach; ist der Zerfall der Geisteskräfte des Knipperberger von Einfluß auf sein Gedächtniß gewesen? Sachverständiger: Er erinnert sich gewisser Dinge noch, es ist mithin wohl anzunehmen, daß er sich auch noch der That erinnern würde. Verth. Rechtsanwalt Gammersbach: Er hat aber soeben auch den Herrn Bürgermeister nicht erkannt? Sachverständiger: Er hat ihn nur hier nicht erkannt, in Xanten würde er ihn erkennen. Ich will nicht sagen, daß er der That nicht fähig ist, ich bin aber der Meinung, daß er, wenn er es gethan, sie eingestehen würde. Wittwe Bernsmann: Am Peter-Paulstage, Mittags gegen 13 Uhr, habe sie einen häßlichen Juden an ihrem Fenster vorübergehen sehen, der Jude sei nach der Cleverstraße zu gegangen, sie wisse aber nicht, ob er zu Buschhoff gegangen sei. Ein weitere Zeugin Fräulein Bertha Kahn bestätigt vollinhaltlich die Bekundung des heute Vormittags vernommenen Zeugen Isaak. Die folgende Zeugin ist Frau Jansen: Sie sei am Peter Paulstage Nachmittags gegen 5 Uhr zu Buschlofs gekommen. Sehr bald sei Buschhoff, den sie augenblicklich in seiner Behausung nicht angetroffen habe, nach Hause gekommen und etwa ‘/4 Stunde zu Hause geblieben. Buschhoff bat seine Frau, ihm etwas Kleingeld zu geben, da er Kegelschieben gehen wolle. Sie habe den Buschhoff, mit dem sie viel Geschäfte gemacht, als einen reellen Mann kennen gelernt. Konditor Wilh. Küppers: Er sei am Peter-Paulstage gegen 2J/2 Uhr Nachmittags zum Hochamt gegangen. Als er bei dem Schlachthause des Buschhofs vorüberging, habe er Klopfen und ein lautes Gespräch gehört. Präs.: Haben Sie Schreien oder Klagetöne gehört? Zeuge: Nein, es kam mir vor, als wäre so durcheinander gesprochen worden. Forsteleve Karl Küppers schließt sich der Aussage seines Bruders, des Vorzeugen vollständig an. Der Zeuge bekundet im Weiteren, daß, als er des Abends vom Schützenfeste kam, Buschhoff ihn gefragt habe: ob in seines Vaters Scheune scharfe Messer seien; es sei doch möglich, daß der kleine Hegmann auf die Messer gefallen sein könnte. Frau Loh mann: Sie sei am Peter-Paulstage gegen 11 Uhr Vormittags zu Buschhoff gekommen und habe dort die Hermine und die Frau Buschhofs angetroffen. Frau Buschhoff habe zu Bett gelegen. Buschhoff kenne sie als ehrlichen, guten Mann. Metzger Everts: Er schlachte seit 10 Jahren mit Buschhofszusammen. Buschhoff habe ihn niemals übervortheilt. Am Peter-Paulstage Vormittags gegen 11 Uhr sei Buschhoff bei ihm gewesen. Sie haben sich lediglich über Geschäfte unterhalten; er habe nichts Auffallendes an Buschhosf bemerkt. Handelsmann Salders: Am Peter-Paulstage, Vorwar, in letzterem Stande häufig bei vorkommenden Fällen von religionsgesetzlich verbotenem, krankem Vieh das reltgionsgesetzliche Verbot bestreiten zu können glaubte. Als früherer Schochet glaubte er wohl ebenfalls competent zu sein. Redaction des „Israelit".

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