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Der Israelit · 1892-07-11 · Heft 55 (11.7.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 55 (11.7.1892)
Date
1892-07-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1015 nichts Auffälliges bemerkt. Es wird hierauf nochmals Amtsrichter Dr. Riesbroeck vernommen. Vertheidiger Rechtsanwalt G a m m e r s b a ch : Ist es richtig, daß Mörders erklärt hat: er habe am Peter-Paulstage gesehen, wie ein männlicher Arm, der aus dem Buschoff'schen Hause hinausgestreckt wurde, den ermordeten Knaben in das Haus hineingezogen habe. Ter Knabe habe 3 bis 4 Fuß von der Mauer des Hauses entfernt gestanden? Zeuge: Jawohl. Es erscheint als Zeuge Criminal-Commissar Wolfs (Berlin): Im Monat September erhielt ich auch vom Minister den Auftrag, nach Xanten zu fahren. Ich fuhr am 25. September zunächst nach Cleve und begab mich alsdann nach Xanten. In Goch stiegen mehrere Xantener Bürger ein. Unter diesen fiel mir ganz besonders Junkermann auf, den ich als einen sehr häßlichen Schwätzer kennen lernte. Junkermann erzählte: sein Sohn sei Arzt und dieser habe ihm geschrieben, daß die Juden Christenblut brauchen, und er, der früher Metzgermeister gewesen, wiffe auch genau, daß der Knabe nach ritueller Art geschächtet worden sei. Ich gab mich unterwegs nicht zu erkennen, um etwas zu hören. Als wir in Xanten ausstiegen, winkte ich den Junkermann zu mir heran. Dieser wurde, als ich mich ihm vorstellte, etwas kleinlaut, hielt aber seine Behauptung aufrecht. Ich gewann jedenfalls im Großen und Ganzen sehr bald die Ueberzeugung, daß die Leute in Xanten alle unter einem gewiffen Druckgefühl stehen, so daß es geboten sei, sehr vorsichtig zu sein. Der Zeuge berichtet nun, in welcher Weise er den Thatort gefunden u. s. w. Er habe alsdann mehrere Leute, Mann und Frau Hegmann, Steinmetz Wesendrup n. s. w. vernommen. Letzterer habe ganz besonders einen sehr schlechten Eindruck auf ihn gemacht. Er habe immer nur antisemitisches Geschimpfe, aber keine Thatsachen gehört. Er sei alsdann zur Staatsanwaltschaft nach Cleve gefahren, um diesen Bericht zu erstatten. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft sei er nach Xanten wieder zurückgefahren und habe bei Buschhoff am l4. October 1891 Haussuchung vorgenommen. Als er zu Buschhoff kam, war dieser gerade in der Synagoge. Er habe gewartet, bis Buschhoff aus der Synagoge zurückkam. Er habe eine Reihe Messer bei Buschhoff beschlagnahmt. Er habe sonst in der Buschhoff'schen Wohnung nichts Auffälliges gefunden. Präs.: Wie benahm sich Buschhoff, als Sie ihn vernahmen, war er befangen? Zeuge: Durchaus nicht. Präs.: Welchen Eindruck machte Mölders auf Sie? Zeuge: Mölders machte einen guten Eindruck auf mich. Präs.: Welchen Eindruck machte Ullenboom auf Sie? Zeuge: Dieser machte auf mich einen sehr unsicheren Eindruck. Staatsanwalt: Die Messer bei Buschhoff sollen vielfach auf, hinter und unter einem Schrank versteckt gelegen haben? Zeuge: Allerdings, aber ich hatte nicht den Eindruck, daß die Messer absichtlich versteckt waren. Der folgende Zeuge ist der Schreinermeister Brandts: Er sei am Vormittage des Peter-Paulstages zwischen halb und dreiviertel n Uhr dem Vuschhoff auf der Kirchstraße begegnet. Buschhoff sei von der Kirchstraße in die Cleverstraße gegangen. Es sei ihm vorgekommen, als sei Buschhoff verrückt. Er habe ganz verstört ausgesehen und sei so schnell nach seinem Hause zu gelaufen, als wenn er von Jemandem verfolgt werde. Dieses Vorkommen sei ihm so sehr aufgefallen, daß er noch den ganzen Nachhauseweg darüber nachgedacht und als er nach Hause gekommen, seiner Frau sofort das Erlebte erzählt habe. Präs.: Buschhoff, was sagen Sie dazu? Buschhoff: Ich erinnere mich nicht, dem Mann an diesem Tage begegnet zu sein, es ist aber möglich. Daß ich verstört ausgesehen, bestreite ich. Ich bin vielleicht etwas in Gedanken gewesen. Präs.: Weshalb liefen Sie aber so furchtbar schnell? Buschhoff: Es ist möglich, daß die Kirche sehr bald aus war und ich meinen Laden öffnen wollte. Oberstaatsanwalt Hamm: Zeuge Brandts, Sie haben heute zum ersten Male gesagt, daß sie auf dem ganzen Nachhausewege über das auffallende Wesen des Buschhoff nachgedacht haben. Wie kommt es, daß Sie bisher darüber Nichts gesagt haben? Zeuge: Ich hatte das vergeffen. — Es erscheint alsdann als Zeuge der Fuhrherr Mall mann. Dieser bekundet alsdann auf Befragen des Präsidenten, daß er am Peter-Paulstage Nachmittags gesehen habe, wie die Hermine Buschhoff etwas, was wie ein Sack ausgesehen, in die Küppers'sche Scheune getragen habe. Präs.: Wann war das? Zeuge: Es war entweder viertel vor oder viertel nach drei. Präs.: Was mag in dem Sack wohl gewesen sein? Zeuge: Das weiß ich nicht. Präs.: Wann haben Sie diese Ihre Wahrnehmung angezeigt? Zeuge: Ich habe diese meine Wahrnehmung dem Polizeikommissar Verhülsdonk am 21. Juli angezeigt. Präsident: Weshalb haben Sie so lange damit gezögert? Zeuge: Ich hatte das in der Aufregung vergeffen. Präsident: Weshalb waren Sie so sehr aufgeregt? Zeuge: Ich habe von dem Tage des Mordes an kaum noch geschlafen, so^ sehr hat mich der Mord aufgeregt. Präs.: Um so eher hätten Sie doch eine solch' wichtige Wahrnehmung anzeigen müssen? Zeuge: Ich hatte in der Aufregung das vergeffen. Oberstaatsanwalt Hamm: Der Zeuge scheint an einer ganz merkwürdigen Gedächtnitzschwäche zu leiden. Er ist am 1. Juli von dem Herrn Amtsrichter Risbroek und am 12. Juli von dem Herrn Stadtsecretär vernommen worden. Bei beiden Vernehmungen hat der Zeuge von seiner Wahrnehmung nichts bekundet. Vor dem Herrn Bürgermeister wurde der Zeuge auf die Anzeige des Buschhoff, daß er ihn fortwährend verfolge und ihm auf der Straße „Mörder" Nachrufe, verantwortlich vernommen. Aber auch bei dieser Wahrnehmung hat der Zeuge von seiner heutigen Bekundung nichts gesagt, sondern zu Protokoll erklärt: »Ich weiß aus eigener Wissenschaft nichts über den Mord. Ich habe Verschiedenes von dem Kutscher Stallmann erfahren, dieser hat es von der Schneiderin Mölders gehört und dieser ist es von einer Frau erzählt worden." Wenn der Widerspruch des Zeugen sich nicht aufklärt, dann ist er meineidig. Präs.: Nun Mallmann, wie kommt es, daß Sie sowohl bei dem Herrn Amtsrichter, als auch bei dem Herrn Stadtsecretär zu Protokoll erklärt haben: Sie wissen aus eigener Wiffenschaft nichts von dem Morde, während Sie jetzt mit einer solch' schwerwiegenden Behauptung hervortreten? Zeuge: Ich habe heute die Wahrheit gesagt, bei meinen ersten Vernehmungen war mir nicht Alles erinnerlich. Präs.: Sonst pflegt man bei den ersten Vernehmungen sich bedeutend besser auf geschehene Vorkommnisse zu erinnern, als bei späteren Vernehmungen, bei Ihnen scheint das umgekehrt zu sein? Zeuge: Herr Präsident, ich habe schon gesagt, ich war so sehr aufgeregt die ganze Zeit über, daß ich nicht schlafen konnte. Ich habe am allermeisten in der Sache gethan und dä ist mir nicht gleich Alles im Gedächtniß gewesen. Wenn ich das erzählen wollte, was Frau Buschhoff vor zwei Jahren einmal zu mir gesagt hat, das wäre noch viel schwerwiegender. Präs.: Erzählen Sie einmal das. Zeuge: Vor zwei Jahren traf ich die Frau Buschhoff in der Kirchstraße. Da sagte mir Frau Buschhoff: „Unsere Verwandten reden uns zu, wir sollen nach Neuß ziehen, denn hier sei ja doch kein Geschäft AU machen. Aber wir wollen erst hier noch ein gutes Geschäft abwarten, dann verkaufen wir Alles und ziehen nach Neuß; das ist doch jedenfalls noch schwerwiegender. (Allgemeine Heiterkeit.) Präsident: Welche Beziehung soll diese Erzählung zu dem Morde haben? Zeuge (nach einigem Zögern): Gar keine Beziehung, ich wollte damit blos sagen, daß ich noch länger als drei Wochen zurückdenken kann. Auf Befragen des Vertheidigers R.-A. Fleischhauer gibt der Zeuge zu, daß er vielfach sich der Mordangelegenheit wegen bei dem Amtsrichter habe melden und ihn sogar von der Tadle ä'dote Herausrusen lassen, um ihm angeblich etwas Wichtiges zu sagen. Frau

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