Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 55 (11.7.1892)
- Date
- 1892-07-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1009 Breslau, Dr. Ko pp, beigetreten. Der katholische Professor an der Universität zu Innsbruck Dr. Bickel hat die Blutbeschuldigung der Juden auch für Schwindel erklärt, er hat aber gebeten, ihn von einem bestimmten Gutachten zu entbinden, da er seit 20 Jahren mit Rohling befreundet sei. Professor Dr. Nöldecke: Das ist richtig. Der Sachverständige bekundet noch, daß im Jahre 1714 die theologische Fakultät der Universität Leipzig von dem Herzog Karl August aufgesordert worden sei, sich zu äußern: ob den Juden der Ritualmord vorgeschrieben sei. Die theologische Fakultät habe geantwortet, daß die jüdischen Religionssatzungen absolut nichts von einem Ritualmord enthalten. Cleve, 10. Juli, lieber die in dem Knabenmordprozeß fungirenden Persönlichkeiten theile ich Ihnen Folgendes mit: Den Vorsitz des Schwurgerichtshofes führt Landgerichtsdirektor K l u t h. Als Beisitzende fungiren die Landgerichtsräthe Grütering und Stickers und Landgerichtsrath König als Ersatzrichter. Die öffentliche Anklagebehörde vertreten : der Oberstaatsanwalt Hamm (Köln) und der erste Staatsanwalt am hiesigen Landgericht Baumgard. Die Vertheidigung führen: die Rechtsanwälte Fleischhauer (Cleve), Gammersbach (Köln) und Stapper (Düsseldorf. Als Protocollführer fungirt der Erste Sekretär am hiesigen Landgericht Küpper, als dessen Ersatz der Gerichtsreferendar Jordans bestellt ist. Dem Vernehmen nach sind Seitens der Staatsanwaltschaft 99, Seitens der Vertheidigung 18 Zeugen geladen. Als Geschworene wurden ausgeloost Goldarbeiter Wedershoven (Geldern), Gras v. Loe (Wissen), Ackerer v. d. Loo (Pfalzdorf), Kaufmann Kauwerß jr. (Kaldenkirchen), Oberförster Frommhold (Wemb), Kaufmann Velling (Goch), Kaufmann Lkng (Süchteln), Kaufmann Spickschen (Vlun), Kaufmann Gerlings (Dülken), Kaufmann Winters (Moers, Kreis Moers) und Ackerer Windbergs (Htnsbeck), Kaufmann ter Meer (Moers). Als Ersatz-Geschworene wurden Mühlenbesitzer Holz (Süchteln) und Gutsbesitzer Böninghardt) ausgeloost. Bei der Vertheidigung der Geschworenen erklärte ein Geschworener, daß er Mennonit sei. Derselbe wurde vom Präsidenten von der Ableistung des vorgeschriebenen Eides entbunden und erklärte durch Handschlag, daß er nach bestem Wissen und Gewissen sein Urtheil abgeben werde. Danzig, 30. Juni. — Seit etwa 50—60 Jahren erstattet der Magistrat an die hiesige jüdische Gemeinde 10 Proccnt der von ihren Mitgliedern gezahlten Einkommensteuer, während die jüdische Gemeinde für ihre Armen und Kranken selbst gesorgt hat. In diesem Jahre würde die Stadt an die jüdische Gemeinde etwa 6600 Mk. zu erstatten haben, welcher Betrag in keinem Verhältniß steht zur jüdischen Einwohnerzahl und zu den von den jüdischen Mitbürgern zu unterhaltenden Armen und Kranken. Ein Vertrag liegt nicht vor; der Magistrat will die jüdischen Kranken und Armen selbst in Pflege nehmen nnd an die jüdische Gemeinde die Unterstützung nicht mehr zahlen. Dem bezüglichen Anträge des Magistrats wurde zugestimmt, jedoch mit der Maßgabe, daß die Zahlung an die jüdische Gemeinde erst zum 1. Qctober dieses Jahres eingestellt wird. Erfurt. (Judenhetze auf einem königlichen Gymnasium.) Auf dem Hofe des königlichen Gymnasiums dahier kam es nach den „Sangerhäuser Rachr." am Freitag Vormittag, während die Lehrer im Gebäude Konferenz hielten, zu einem als Frucht der antisemitischen Verhetzung zu betrachtenden Krawall. Mehrere 100 Schüler hatten große Shlipse angethan, auf denen die Worte „hepp hepp" standen. Unter Anstimmung eines antisemitischen Liedes umkreisten die Schüler die 18 jüdischen Schüler der Anstalt. Einige sprangen eiligst hinzu und machten der bedauerlichen Kundgebung ein Ende. — Wie würde der königliche Oberlehrer Dr. Paul Foester sich in solchem Falle verhalten haben? Außerhalb des Gymnasiums ist doch niemand so eifrig wie er im Hepp-Hepprufen! Schneidemühle, 30. Juni. Gestern traten der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde zu einer Sitzung zusammen, in welcher beschlossen wurde, ein Gemeindehaus zu errichten, in welchem außer einem Sitzungssaale auch Wohnungen für die Kultusbeamten errichtet werden sollen. Dieses Gebäude soll neben dem jüdischen Schulhause auf dem Wilhelmsplatze erbaut werden. Auf dem diesem Platze gegenüber liegenden, der jüdischen Gemeinde gehörigen Grundstücke soll ferner ein Badehaus errichtet werden, welches nicht allein rituellen Zwecken dienen, sondern auch für die Oeffentlichkeit bestimmt sein soll. Auch wurden die Kosten zur Anlage einer Dampfheizung in der Synagoge bewilligt. Alle die Bauten sind auf 40000 M. veranschlagt. Das Gemeindehaus wird noch in diesem Jahre fertiggestellt werden. Samter, 29. Juni. (Israelitischer Frauen- Verein.) In der israelitischen Gemeinde unserer. Nachbarstadt Obersitzko hat sich vor einigen Tagen ein Frauen-Verein gebildet, der sich die Pflege besonders von ärmeren Kranken, die Ausstattung unbemittelter Bräute und ähnliche Liebeswerke zur Aufgabe gestellt hat. Hierbei verdient rühmend hervorgehoben zu werden, daß ein in Amerika