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Der Israelit · 1892-07-11 · Heft 55 (11.7.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 55 (11.7.1892)
Date
1892-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1007 concurrenzfähig, nicht ebenbürtig mit denen des Reformjudenthums, wenigstens gaben sich die Wortführer des letzteren diesen Anschein. Das hat sich beute geändert. Man rechnet mit dem orthodoxen Judenthum wie mit einem gleichwerthigen Faktor, man erkennt mehr oder weniger herablassend, jedenfalls aber nothgedrungcn an, daß das orthodoxe Judcnthum. seine Gemeinden, Rabbinen, seine Bildungsanstalten , seine Wissenschaft und deren Vertreter auch das Recht hätten zu athmen und zu cxistiren. Dieser veränderten Haltung gegenüber, glauben manche unter uns, sei die zurückhaltende, ablehnende Haltung, die früher wohl ihre Berechtigung haben mochte, heute nicht am Platze. Noblesse oblige; diesem offenkundigen, allseitigen Entgegenkommen gegenüber, müßten auch wir uns entgegenkommend und assimilationsfähig zeigen. Man kann zugeben, daß diese Anschauung auf den ersten Blick manches Plausible für sich hat. Aber nur für den ersten Blick; wer der Sache tiefer auf den Grund geht, muß zu einem anderen Resultat kommen. Das historische, von den Vätern überlieferte Judenthum, welches man gewöhnlich zur Unterscheidung das orthodoxe nennt, hat durch Trennung von den Bekennern des Reformjudenthums seine Erhaltung und Erstarkung gesucht und Gottlob auch gefunden. Es ist dies nirgends aus Feindseligkeit oder gar persönlicher Gehässigkeit, sondern aus der bittern Nothwendkgkeit geschehen, weil dies der einzige Weg für Erreichung alles dessen ist, was gemeinsam mit den von dem gesetzestreuen Judenthume abgefallenen Brüdern nicht zu erreichen war. Diesem Prinzip der Lossagung und der unabhängigen Entwickelung verdankt das orthodoxe Judenthum die Achtung gebietende Stellung, welche es sich errungen hat. Und Angesichts dieser Errungenschaften sollte es rathsam, sollte es statthaft sein, das Prinzip aufzugeben, dem man diese Errungenschaften verdankt? Man sollte wohl glauben, daß das Gegentheil geboten sei. So lange uns unsere Gegner feindlich gegenüber stehen, sorgen s i e schon dafür, daß jeine Annäherung an sie, welche das bereits Errungene gefährdet, ausgeschlossen ist. Wenn aber unser Gegner, hinsichtlich ihrer Gesinnung, ihres praktischen Thuns und Lassens unsere Gegner geblieben sind, wie sie es immer waren, und nur äußerlich uns entgegenkommen, um durch Vereinigung alles in Frage zu stellen, was durch Trennung erreicht wurde, dann sollte man sich doch zweimal besinnen, ehe man dem Zuge des Herzens folgend, sich mit seinem eigenen Lebensprinzip in Widerspruch setzt. Auf Grund' dieser Erwägungen muß dieses Laviren und Fraternisireu mit den ausgesprochenen Gegner des orthodoxen Judenthums als eine große Gefahr erscheinen. Diese Gefahr mag von unseren Gesinnungsgenossen leicht deßhalb unterschätzt werden, gerade weil sie sich bewußt sind, ihre eigene Charakterfestigkeit und Ueberzeugungstreue werde auch der Verkehr und die Gemeinschaft mit den Gegnern nicht berühren. Sie glauben gewiß dem orthodoxen Judenthum einen wesentlichen Dienst zu leisten, wenn sie es gerade im Verkehr mit solcher Umgebung unverkürzt zum Ausdruck bringen. Sie wähnen die Sache des orthodoxen Judenthums da zu fördern, wo sie ihr, unserer innersten Ueberzeuguug nach, so unsäglich schaden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Juli. Zur Charakteristik des berichtigungsfrohen Herrn Ludwig Schwein- oder Schwennhagen, des Mitarbeiters und Freundes des Herrn v. Hammerftein — neuerdings ist Herr Schwennhagen durch Aufnahme in den Vorstand des Norddeutschen Antisemitenbundes „geehrt" worden — wird uns von einem Leser in Zürich Folgendes mitgetheilt: Der „Sozialdemokrat" Nr. 12 vom 18. März 1887 veröffentlichte einen Steckbrief gegen den „Schriftsteller Ludwig Schwennhagen, in Sachsen, Thüringen, Hannover rc. seit über Jahresfrist als „freireligiöser Prediger" und „Parteigenosse" auftretend, jetzt vor einem Jahre gleichermaßen in Zürich angeblich militärflüchtig mit Frau und Kind erschienen-Schwennhagen entpuppte sich in Zürich als--, mußte wegen.schulden fliehen, ließ Frau und Kind zurück und fand trotz mehrfach ergangener Warnungen abermals Verkehr mit den Genossen verschiedener Orte in Deutschland." Es wird weiter erzählt, daß Schwennhagen in Stettin in jener Versammlung, welche den Belagerungszustand zur Folge hatte, trotz seiner vorher verfügten Ausweisung die Rolle des agent provocateur spielte und von der Polizei, nachdem er derselben Denunziantendienste geleistet, in „Schutzhaft" genommen wurde. Gleichzeitig habe er Geldunterstützungen der Genossen allerwärts reichlich erhalten. Die „Schutzhaft" sollte ihn angeblich als „Märtyrer" den Genossen Vertrauenswerth machen. — Im „Sozialdemokrat" Nr. 36 vom 2. September 1887 ward vor Ludwig Schwennhagen, der jetzt seine Thätigkeit nach Berlin verlegt habe, abermals gewarnt. Das „Neue Magdeburger Tageblatt" übernahm diese interessanten Mittheilungen und ward deshalb von Schwennhagen verklagt; aber ehe in dieser Beleidigungsklage der auf den 21 Oktober

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