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Der Israelit · 1892-07-11 · Heft 55 (11.7.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 55 (11.7.1892)
Date
1892-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1006 teratur. Das Attentat auf unsere große Vergangenheit, welches in jenen Geschichtscompendien mit einem schwerfälligen Apparat von gelehrten Notizen und wissenschaftlichen Belegen auftritt, wird durch diese Vereine popularisirt, und so wird die Verkennung und Verachtung unserer Altvorderen in's Volk mit vollen Händen gestreut. Aber auch dieser beklagenswerthe Umstand allein würde uns nicht die Feder in die Hand drücken, wenn er damit seinen Höhepunkt erreicht hätte. „Wer andere über die Wahrheit täuschen, und wer sich gerne täuschen lassen will, der ist durch das bloße ermahnende Wort schwer davon abzubringen. Im Grunde genommen, bleibt doch das Leben jeden Lehrers und Redners das Creditiv für seine Lehre. Wer seine Lehrer und Redner im praktischen Leben der jüdischen Wahrheit geringschätzig den Rücken kehren sieht, weiß von vornherein, welche Belehrung er von solcher Seite zu erwarten hat." Daß sich aberdiesenAbfallsrednern auch brave, wackere jüdische Männer anschließen, die mit ihrem Leben und ihrer Lehre sonst voll und ganz auf dem Boden des g esetzes treuen Judenthums stehen, das ist's was die Menge über die Gefahr täuschen muß, das ist derJammer, der einem das Herz brechen kann. Und man scheint dies ganz natürlich und selbstverständlich zu finden, daß Vertreter und Lehrer des gesetzestreuen Judenthums mit seinen abtrünnigen Elementen sich zusammenthum, gemeinsam mit ihnen solche Vereine gründen und Vorträge halten und sich als itco ^Settel für all die Contrebande gebrauchen lassen, die aus diesem Wege in die jüdischen Geister und Gemüther geschmuggelt wird. Und diese Calamität scheint sich nicht nur auf die Vereine dieser Art zu beschränken, sondern auch sonst Schule zu machen. — Von Paris wird das Programm einer allgemeinen Encyclopädie für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums versandt. In dem Mitarbeiterverzeichniß begegnet man den Namen ausgeprägter, allgemein bekannter D'y«ns nnoioi und selbst ip>ya wisia und daneben stehen, Namen von Vertretern und Lehrern des orthodoxen Judenthums, die alle an einem und demselben wissenschaftlichen Werke Mitarbeiten! In einem kleinen Kreise der Orthodoxie macht sich ein Friedensdusel bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit bemerklich, der sich viel leichter erkennen, als rechtfertigen läßt. — Vor einigen Jahren fand eine größere, erhebliche Festlichkeit statt, die ihrer ganzen Veraulassung und Bedeutung nach einen Ehrentag des deutschen orthodoxen Judenthums bedeutete. Ich hatte beabsichtigt mich an demselben zu betheiligen, nahm aber davon Abstand, als ich hörte, welche Elemente zu dieser Feier hinzugezogen wurden und dort das Wort führten. Ein Freund, dem ich auf Befragen mein Fernbleiben mit dem Hinweis auf *6 innottai wsu ma jnn “it aiyw vb motivirte, meinte, die nicht dahin gehörigen Elemente seien in diesem nanyn jedenfalls Dwa mindestens aber ana ^oa, da es sich ja um keine aiKTi aan handle. Meine Ansicht, daß durch den Beigeschmack, welche die ganze Festlichkeit dadurch erhielt, ihre eigentliche Bedeutung getrübt werde, — sb »Tay ’oyton pai — mag als bloße „Geschmack-Sache" nicht weiter diskutirt sein, aber meine sonstige Argumentation hat mein Freund mit Stillschweigen übergangen. Ich war nämlich der Ansicht, das Leben, der gesellschaftliche Verkehr nöthige uns so oft zu einem Umgang mit uns unsympathischen Elementen, daß man ihn nicht freiwillig gerade bei solcher Gelegenheit aufsuchen müsse. ''7> ab iw D'^ienTap nynn ”pj rn *p N’jn üb'i poy cmn yyY.’ p dn nVn notwi by yonin VD33J vn üb'i poy a»r 'Q ppir 3"nk ya»» vn (j"a piruD) p«o ao’D ’d yjnv rrpyoa Die Gesinnungslauteren Jerusalems gaben ihre Unterschrift nicht her, setzten sich nicht nieder und betheiligten sich an keinem Mahle, wenn sie nich t wußten, wer sich mit ihnen Unterzeichnete, wer sich mit ihnen niedersetzte und wer mit ihnen an dem Mahle theilnahm. — Wenn man aber wohl weiß, wer diejenigen sind, die sich mit uns verbinden wollen, wer weiß, daß ihr Leben und ihre Lehre der vollendete Gegensatz der unsrigen sind, daß ihnen eine überwundene Thorheit ist, was uns als höchstes anzustrebendes Ziel gilt, der mag sich noch weit von dem Ideal der □'brrratj' nynn ”pj entfernt wissen. Aber mit diesen Kreisen vereint, jüdische Wissenschaft, jüdische Geschichte und jüdische Literatur zu treiben, das ist und bleibt sicher eine Handlungsweise wO7i nnj ü'oan nn iw, die nicht im Geiste unserer großen Vorbilder ist, deren Leben und Lehre uns doch sonst als unverbrüchliche Norm gilt. Mein Freund meinte schließlich es hätte sich in den 20 Jahren, während welcher wir uns nicht gesprochen hätten, manches geändert, was mir wohl entgangen wäre; sonst würde ich seiner Anschauung gewiß vollkommen beipflichten. — Worin diese Aenderung besteht, habe ich bis zu dieser Stunde nicht in Erfahrung bringen können, ich bin daher auf meine eigene Combination angewiesen und vermuthe Folgendes. Das orthodoxe Judenthum, seine Jnstutionen, seine Lehrer und Vertreter wurde von der gegnerischen Richtung vor einigen Decennien mit Zurücksetzung und geradezu Verachtung behandelt. Man hielt seine Schöpfungen und Leistungen nicht

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