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Der Israelit · 1892-07-07 · Heft 54 (7.7.1892) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 54 (7.7.1892)
Date
1892-07-07
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1003 die Verlesung der Augenscheinsprotokolle in Anspruch. Polizeikommiffar Wolf berichtete über seine Thätigkeit in kanten, bringt aber nichts Neues. Der Fuhrherr Malmann bekundete, er sah am Nachmittage des 29. Juni die Hermine Buschhoff einen sackartigen Gegenstand in die Küpper'sche Scheune tragen. Der Staatsanwalt Hamm hielt dem Zeugen vor, er habe vor dem Amtsrichter bei seiner verantwortlichen Vernehmung erklärt, er wisse aus eigener Wissenschaft Nichts von dem Morde. Wenn er den Jrrthum nicht aufkläre, sei er meineidig. Ter Zeuge erklärt hierauf, er wäre zur Zeit aufgeregr gewesen und hätte es deßhalb vergessen, heute sage er die Wahrheit. Telegramm des Bureau Herold. 7. Juli. Zeuge Boudef will Buschhoff am Tage des Mordes so verstört gesehen haben, daß er ihn für verrückt gehalten habe. Zeuge Mallmann sah am selbigen Nachmittag Hermine Buschhof einen gefüllten Sack oder ähnliches nach der Scheune tragen. Ter Staatsanwalt wies diesen Zeugen zurück; es läge nur ein Hörensagen und nicht ein Sehen vor. Privattelegramme des „Israelit". Cleve, 7. Juli, 12 Uhr 5 Min. Zeuge Wesendrup wird vorläufig uneidlich vernommen, weil Vorermittelungen gegen Wesendrup wegen der Mordthat im Gange sind. Cleve, 7. Juli, 4 Uhr 30 Min. Nchm. Der Zeuge Wesendrup bekundet, die vernagelte Thüre des Schlachthauses von Busch hoff sei am Tage nach der That offen gewesen. Die Zeugin Biesenkamp sagt aus Frau Busch- Hofs habe sofort nach der That gesagt, der Knabe Hegmann habe einen Sonnenstich bekommen. Die Zeugin Devries sagt aus, Buschosf habe am Abend des Mordes gesagt, der Knabe sei von der Schaukel auf einen scharfen Gegenstand gefallen. Der Sohn Junkermann's sagt aus: Buschhoff rragte anläßlich der ersten Untersuchung, was der Zeuge ausgesagt habe; er habe doch nicht irgend etwas gesehen. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin, 5. Juli. In dem antisemitischen Verlage von Carl Minde in Leipzig ist eine Schrift erschienen „Die Wahrheit über Bismark". In diesem Büchlein wird Bismark als ein durch jüdische Reklame groß gewordener Judensprößling hingestellt. (Seine Mutter, eine geborene Menken, soll jüdischer Abkunft sein.) Der Verfasser sucht den Nachweis zu führen, daß Bismark als echter Semit bei allen seinen politischen Maßnahmeu lediglich von Geldinteressen geleitet worden. Nebenbei werden ihm der Tod Kaiser Friedrichs, König Ludwig's und eines Regierungsraths in die Schuhe geschoben. Speziell von Letzterem heißt es: „Doktor Haller, ein Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters von Hamburg, war Regierungsrath im Reichsamte und mit vielen Vorgängen in demselben vertraut. Als vermögender Mann und Mann von Ehre und Charakter zog Haller es vor, seine Stellung dort aufzugeben. Bald darauf verschwand Haller auf eine unaufgeklärte Weise; seine Leiche ward nie gefunden. <S. 99.) Der Vorgang erinnert also lebhaft an den Bleichröder'schen Portier. In der That ist kein Geringerer als Herr Ahlwardt an der Herstellung dieses Machwerks hervorragend betheiligt. Mit einem gewissen Müller zusammen hat er es fabrizirt. Berlin, 5. Juli. (Antisemitische Bravuren.) Mit welcher Dreistigkeit die Antisemiten jetzt auftreten, das zeigte sich am Sonntag Nachmittag auch j auf „Tivoli" während des von der Kapelle des I Elisabeth-Regiments daselbst veranstalteten Konzerts: Ein Herr betrat während einer Pause unverfroren den Musikpavillon und hielt von dort aus eine Ansprache an das versammelte Publikum. Als der hinzugeeilte Oekonom des Etablissements, Herr Kindermann, den unbefugten Stegreifredner unterbrach, schloß dieser mit einem dreifachen Hoch auf Ahlwardt! Mehrere Gesinnungsgenossen des Redners stimmten in den Ruf ein, während dieser unerhörte Zwischenfall in einem öffentlichen Konzert bei dem größten Theile des Publikums Aergerniß erregte, so daß es zu scharfen Auseinandersetzungen und erregten Szenen kam. Herr Kindermann, der von dem beispiellosen Vorgang sichtlich überrascht war und rathlos erschien, gab schließlich die Ordre, daß dem Skandalstifter keine Getränke mehr verabfolgt werden sollten. — Auch in Spandau vollbrachten drei antisemitische Helden am Sonnabend eine große That. Sie drangen unbefugt in das Geschäftslokal der Firma Ettisch und Co. am Markt und ließen den antisemitischen Schlachtruf. „Juden raus r" ertönen. Durch die eine Ladenthüre traten sie ein, aus der anderen gingen sie wieder heraus; diese Heldenthal führten sie zweimal aus. Als sie dann von dem Vertreter des Geschäftsinhabers zur Rede gestellt wurden, drangen sie nochmals in den Laden ein und verließen denselben erst, nachdem sie verschiedene Male dazu aufgefordert worden waren. Inzwischen war draußen ein Auflauf entstanden, und die Ruhestörer, drei junge Leute, wurden verhaftet. vermischtes. Frankfurt a. M. Der Vorstand des Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina (Sitz Frankfurt a. M.) erhielt vom Director der Vereinsschule (von Lämmel'schen Schule) in Jerusalem einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Das Wintersemester schloß am 30. März. Wie ich bereits in meinen letzten Briefe erwähnt, war ich mit dem Gang der Schule während des Winters im Allgemeinen recht zufrieden. Da wurde manches nachgeholt, was im Sommer in Folge ungünstiger Verhältnisse vernachlässigt werden mußte. Ich kann sagen, daß Lehrer und Schüler mit Liebe und Eifer gearbeitet haben. Dieses wurde auch gelegentlich der öffentlichen Prüfung allgemein anerkannt. Tiefe

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