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Der Israelit · 1892-07-07 · Heft 54 (7.7.1892) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 54 (7.7.1892)
Date
1892-07-07
Page
– (sequence 24)
Language
German
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1000 Tafeln der Geschichte einzugraben!.Da hatten Sie eben nicht Zeit an eine arme Prinzessin, an d'ie Tochter Ihres edelsten besten, Ihres brüderlichen Freundes zu denken; — aber ich hatte gehofft, nachdem Sie lorbeergekrönt heimkehrten, nachdem Sie alle Ihre hohen Ziele erreicht hatten, dann würden Sie dem . . . das herrliche Mädchen erglühte purpurn und preßte die vollen Lippen übereinander, die stolze Kaisertochter mußte sich schweren Zwang anthun, das demüthigende Wort auszusprechen, „Flehen einer schutzlosen Waise gütiges Gehör leihen. Ich war glücklich, als die Kunde nach Wien gelangte, Sie hätten die Türken völlig aufs Haupt geschlagen, sie zum Frieden gezwungen, würden nun bald ruhmgekrönt nach der Residenz zurückkehren. Ich habe es vor verzehrender Ungeduld nicht erwarten können, täglich habe ich zu dem „schönen Lorle", — zu der Frau Gräfin Bathiany-Strattmann wollt ich sagen, — geschickt; um zu erfahren, ob Sie ihr Ihre Rückkehr angezeigt haben. Wie der verschmachtende Hirsch nach frischem Wasser, hatte ich mich darnach gesehnt, Sie endlich wieder zu sehen, zu sprechen. Als mir gestern die Gräfin mittheilte, Sie würden heute anlangen, fühlte ich mich glücklich, die ganze Nacht könnt' ich vor Hoffnungsseligkeit kein Auge schließen — und jetzt, da ich mich eine liebevolle väterliche Aufnahme erwartend, mit einer Bitte an Sie wenden will, empfangen Sie mich kalt, lieblos, überhäufen mich mit ungerechten Vorwürfen, weil ich mich nicht strenge an die Regeln der spanischen Etikette, die seit meines allergnädigsten Oheims Regierung hier herrscht, gehalten hatte, weil ich, statt Sie zu mir bitten zu lassen, mit kindlichem Vertrauen zu Ihnen geeilt. . . . Alle Menschen taugen nichts, alle sind undankbar und" — es zuckte um ihre Lippen, als wenn sie in Schluchzen ausbrechen wollte — „der berühmte, vielbelobte, allverehrte Prinz Eugen, der edle Ritter ohne Furcht und Tadel — ist um keines Haares Breite besser als alle Andern! „Ah!" der Zorn schien Maria Josefa zu übermannen, „ich will von der ganzen elenden Welt und auch von Ihnen, Prinz, nichts wissen.ich geh' heim und werde zu Gott flehen, daß er mich gnädigst aus dieser Welt abruft, in der ich ganz verlassen und schutzlos bin, wo mich Niemand liebt und jeder verstößt! .... Gott wird das Flehen einer vaterlosen Waise erhören!" Die Erzherzogin wollte der Thüre zueilen. Der Prinz war tief bewegt, er erfaßte die Hand der Erzherzogin und sprach mit seiner wohlklingenden Stimme eindringlichst: „Kaiserliche Hoheit! Bet meinem Fürstenwort, bei meiner Feldherrnehre, Sie thun mir und auch Anderen Unrecht. Sie sind nicht verlassen, Sie sind nicht schutzlos, höchst Dero Vormund Kaiser Karl. . „Durchlaucht," erwiederte die Erzherzogin, ihren Kopf stolz erhebend und den Generalissimus mit flammenden Blicken durchbohrend, „ich bin nicht mehr das kleine, leichtgläubige Kind, das sich mit Märchen abspeisen läßt, ich weiß die volle Wahrheit, mon prince!.Ich bin des allgeliebten Kaiser Josef I. älteste Tochter, und wenn es nach Recht und Gerechtigkeit ginge, wenn nicht Gewalt nnd Egoismus die Welt beherrschte, wäre t ch die zukünftige Kaiserin! — Mein Großvater, Kaiser Leopold, hat einen Familienpackt errichtet, nach welchem, natürlich mein Vater als Erstgeborener, — wenn er ohne männliche Leibeserben aus dem Leben schiede, mein Oheim Karl, wenn dieser ohne Hinterlassung von Söhnen stürbe, zuerst meines Vaters Töchter den Thron zu besteigen haben; — aber mein kaiserlicher Oheim Karl hat das Familiengesetz umgestoßen und will seine Reiche, auch wenn ihm nicht männliche Nachkommen beschieden würden, auf seine leiblichen Nachkommen, auf meine Cousine, das herzige, schöne Kind, die jetzt anderthalbjährige Maria Theresia, vererben. So schützt mein kaiserlicher Oheim und Vormund meine Rechte! Widersprechen Sie mir, sagen Sie „nein!" Prinz, wenn Sie den Muth und das Gewissen dazu haben!" Eugen hatte die fulminante Rede der reizenden Prinzessin mit steigendem Schrecken angehört. Josefa Maria hatte sich während der Zeit, in der er sie nicht gesehen, gar wurdersam entfaltet; das war nicht die Sprache eines Kindes, das war die Sprache eines denkenden Menschen, welcher diese Angelegenheit von seinem Standpunkte aus geistesscharf beurtheilt; der Prinz erwiederte: „Kaiserliche Hoheit, es wäre ebenso unhöflich als unwahr, wenn ich sagen würde, daß mich die geistreiche und energische Art, in welcher höchst Sie von höchst Ihrem vermeintlich verletzten Rechte sprechen in Verwunderung setzt, höchst Sie gnädigste Frau Erzherzogin haben gehalten, was Sie als kleines Mädchen versprachen. Höchst Sie waren das klügste, geistreichste Kind, das ich je gesehen, und sind eine kluge, geistreiche Prinzessin geworden; — aber das Recht über eine Staatsangelegenheit von höchster Jmportance, über welche von den berühmtesten Juristen und Staatsmännern Rechtsgutachten abgegeben wurden, allein, ohne Rathgeber von hervorragendem Fachwissen, selbstständig ein Urtheil zu fällen, kann ich höchst Ihnen um so weniger einräumen, als höchst Sie ja selbst in dieser Affaire als Betheiligte erscheinen. (Fortsetzung folgt in der nächst. Donnerstag erscheinenden belletristischen Beilage.) Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aktien-Gesellschaft in Mainz.

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