Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1892)
- Date
- 1892-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448269--34425-2482365- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine Abordnung der Anglo Jewish Association gratulierte dem hier verweilenden Könige von Rumänien anläßlich der Vermählung des Kronprinzen und bat bet dieser Gelegenheit um bessere Wahrung der den orientalischen Juden durch den Berliner Congreß garantirten Rechte. -£» Vermischtes. Remagen Während sonst auf dem flachen Lande alle jüdischen Institute und Bereinigungen abuehmen, mehr oder weniger verfallen, tritt bei unserm Verein „zur Hebung und Verbesserung der sozialen Lage der Juden" die erfreuliche Wahrnehmung entgegen, daß bei energischem Willen auch bei den auf dem Lande zerstreuten und weniger wohlhabenden Juden ein neues, kräftiges und gesundes Vereinsleben, trotz des Zuges nach den Großstädten, wohl möglich und organisirbar ist. Bei Beginn des Jahres 1891 befanden sich 2 Knaben und 2 Mädchen in der Lehre. Ein Knabe hat seine Lehre als Schneider in diesem Jahre vollendet und ein Knabe mußte wegen Mangel an Beanlagung aus der Lehre entlassen werden Im Laufe des Jahres hat sich ein Mädchen zur weiteren Ausbildung im Nähen angemeldet, dessen Gesuch auch genehmigt wurde. Die Ausführnng scheiterte aber an der irrigen Auffassung der Eltern über die Rückzahlungsbedingungen des Lehrgeldes. Der Verein zählt 219 Mitglieder. Eingenommen wurden 2495 Mk. Düsseldorf. Nachdem Bericht über die Wirksamkeit des Vereins zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden vom 1. April 1891 bis 31. März 1892 befand sich von 76 Lehrlingen 56 unter der unmittelbaren Aufsicht der Düsseldorfer Direction; der größte Theil, 33, war Hierselbst in Pension untergebracht, während die übrigen sich auf verschiedene Städte vertheilen. Von diesen Lehrlingen war ein geringer Theil (7) bei den Eltern in Kost und Pflege, während die übrigen entweder bei ihren Meistern oder in besonderen Pensionen untergebracht waren. Den hiesigen Lehrlingen war, wie in den Vorjahren, Gelegenheit zum'Besuch der städtischen Fortbildungsschule geboten. Bei der gegen Ende des Verwaltungsjahres seitens der städtischen Fortbildungsschule veranstalteten Ausstellung von Lehrlingsarbeiten wurden zwei unserer Zöglinge mit Preisen ausgezeichnet. Im verflossenen Jahre beendeten 12 Lehrlinge ihre Lehrzeit, 6 Lehrlinge schieden, ohne ihre Lehrzeit beendigt zu haben, aus verschiedenen Gründen aus bezw. mußten entlassen werden. — Der Bezirksausschuß Köln hatte während dieser Berichtszeit unter seiner Obhut 19 Lehrlinge: davon waren in dessen Pension 11, bei den Eltern in Kost und Pflege 8, answärts im Hause des Meisters 1. Die Lehrzeit beendeten im Laufe des Berichtsjahres 3 und zwar 1 Klempner, 1 Schreiner uud ein Photograph. Sämmtliche Lehrlinge besuchten an 2 Abenden wöchentlich die Fortbildungsschule. Der Obhut des Bezirksauschusses Aachen war ein Lehrling anvertrant. Es sei noch erwähnt, daß ihrer Herkunft nach etwa die Hälfte der durch den Verein 982 ausgebildeten Lehrlinge ans der Rhcinprovinz uud Westfalen stammt, während die übrigen ihrer Gemeindeangehörigkeit nach sich auf die verschiedenen Provinzen resp. Staaten des deutschen Reiches vertheilen, Für das kommende Jahr ist bereits eine größere Anzahl neuer Lehrlinge sowohl bei der hiesigen Centralstelle als auch bei dem Kölner Bezirksausschuß angemeldet und angenommen; der Vorstand bemerkt hierbei, daß sein Bestreben dahin gerichtet ist, die Lehrlinge möglichst in ihren Heimathgcmeinden zu belassen und sie bezw. ihre Eltern während der Dauer der Lehrzeit zu unterstützen, da er nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl in den Pensionen in Düsseldorf uud Köln unterbringen wird. Es liegt dieses Verfahren sowohl im Interesse der Lehrlinge als auch des Vereins, der auf diese Weise eine ausgedehnte Thätigkeit zu entfalten in der Lage ist. Es werden daher in Zukunft möglichst nur Zöglinge in der Pension ausgenommen, bei welchen zwingende Gründe wünschenswerth erscheinen lassen, die Knaben außerhalb der Heimath der speciellen Aufsicht der Vereinsleitung zu unterstellen. Prag. Bei den am 23. Juni stattgehabten Wahlen der Decane für das nächste Studienjahr wurde Herr Prof. Dr. Sigmund Malier zum Decan an der medicinischen Facultät und Herr Prof. Dr. Berthold Hatschet zum Decan au der philosophischen Facultät der deutschen Universität in Prag gewählt. Feuilleton. Der Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Io«. Lehmann, vr. phil. (54. Fortsetzung.) Nachdem sich Rosa ein wenig erholt hatte von den Folgen jener düstern Erfahrung, die sie soeben hatte machen müssen, fing ein eigenthümlicher Gedankengang an in ihrem Haupte emporzusteigen. „Es konnte unmöglich sein, daß Jakow sie verrathen, daß Jakow eine Andere liebe, daß Jakow seinem Glauben treulos geworden sei, und wenn dennoch diese Thatsachen nicht mehr anzuzweifeln waren, so hatte er offenbar nicht im freien Willen und mit freier Entschließung gehandelt, sondern man hatte ihn gezwungen, er hatte gegen seinen Willen sich fügen müssen. Wer aber sollte diese Bedrückung gegen ihn ausgeübt haben, wer hatte ein Interesse dabei, daß Jakow, der ohnmächtige gefangene Mann, der von aller Welt abgeschlossen war, seinen Glauben wechselte? Das konnte offenbar nur Jemand sein, der ein besonderes, persönliches Interesse an ihn nahm. Einen Moment dachte Rosa daran, daß vielleicht der Günstling des Czaren hier thätig gewesen wäre, doch sofort mußte sie den Gedanken wieder verwerfen. Er war ja in Peters-