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Der Israelit · 1892-07-07 · Heft 54 (7.7.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 54 (7.7.1892)
Date
1892-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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981 Untertanen handelte, durchaus nach überseeischeu Ländern, nach Amerika und Asien expedirt. Der Bericht liefert ein erschütterndes Gemälde der trostlosen Rechtsverhältnisse, unter denen die Juden zu leiden haben, und schildert die zu Gunsten der Unglücklichen eingeleitete Hilssaction. Die Allianz veranstaltete in Oesterreich-Ungarn eine Spendensammlung und errichtete längs der russischen Grenze Hilfscomites für die Ausnahme, Unterbringung und Beförderung russischer Emigranten. Der Bericht schließt mit einem trüben Ausblick auf die Zukunft und einem lebhaften Appell an die Mildherzigkeit der Menschenfreunde, weil die Mittel der Allianz zu einer dauernden Wetterführung ihrer statutarischen Aufgaben, namentlich gegenwärtig der Hilssaction für russische Flüchtlinge, nicht ausreichen, das gesteigerte Elend der noch immer zuziehenden Emigranten aber rascheste Abhilfe erheischt. N. A. Prag, 27. Juni. Heute wurde hier Frau Regina, Gemahlin des kaiserlichen Rathes und Mitgliedes der israelitischen Cultusgemeinde- Repräsentanz Wilhelm Winterst ein zur Erde bestattet. Die Dahingeschiedene, eine sehr wohlthätige Dame war Präsidentin des Privatfrauen-Vereines zur Erziehung armer israelitischer Waisenmädchen. Sie hinterließ diesem Vereine ein Legat von ö. W. fl. 25,000, erhöhte letztwillig eine Zustiftung von ö. W. fl. 5000 zu der von der isr. Gemeinde errichteten Kaiser Franz Josef-Siechenstiftung auf 15000, bedachte den isr. Nächstenliebe-Verein mit ö. W. fl. 4000 und machte außerdem eine große Zahl von Legaten an zahlreiche andere humanitäre Vereine ohne Unterschied der Confession. Das Leichenbegängniß der würdigen Dame gestaltete sich zu einem imposanten. An demselben betheiligten sich Oberrabbiner Dr. Ehren selb, der emer. Tempelvrediger, Regierungsrath Pros. Dr. Kämpf, die Rabbiner und Prediger Dr. Tauber und Gelb Haus, der Gemeindepräsident Dr. Rosenbacher mit der gesammten Repräsentanz, die Vorsteherinnen des Mädchenwaisenhauses und die Elite der hiesigen Gemeinde. Budapest, 5. Juli. Im Laufe der Budgetdebatte erklärte der Ministerpräsident, die Regierung halte in der Frage der Wegtaufen an der Durchführung des Gesetzes fest, sie werde die Frage der Revision des Gesetzes bei der Regelung des Ehe- und Familienrechtes erwägen, jedoch nicht einzelne Fragen Herausreißen, sondern alle zwischen Staat und Kirche bestehenden Fragen in entsprechender Reihenfolge der Lösung zuführen und zwa: auf der Grundlage vollständiger Rechtsgleichheit aller Konfessionen. England. E. T. London, 3. Juli. Vorige Woche veröffentlichte Oberrabbiner Dr. Adler seine „Antwort" auf die verschiedenen rituellen Reform-Vorschläge, die ihm in der am 16. Mai d. I. abgehaltenen Konferenz von den anwesenden Kantoren unterbreitet worden waren. Die Antwort, in Form eines Briefes an die Synagogenvorsteher abgefaßt, enthält 44 Punkte, nebst einem Anhänge von Selichoth und Piutim, die eventuell ausgelassen, einem Verzeichnisse von Psalmen, die eventuell eingeschoben werden können, und einem Gebete für die Todtenfeier. Dr. Adler behauptet, zu solchen Aenderungen seine Zustimmung gegeben zu haben, welche weder mit einem Din, noch einer obligatorischen Liturgie im Widerspruche stehen; es sei aber durchaus nicht seine Absicht, daß diese Abänderung, wiewohl von ihm approbirt, allgemein eingeführt würden; im Gegentheil, er würde es lieber sehen, daß der Gottesdienst in allen ihm unterstehenden Gemeinden in hergebrachter Weise weitergeführt würde, und empfiehlt Eltern und Lehrern mehr daraus zu achten, daß die Kinder mit dem Hebräischen vertrauter gemacht würden; dann würde in ihnen von selbst ein tieferes Verständniß und Interesse für den Gottesdienst in der hergebrachten Form erweckt werden." Selbstverständlich stehen die 44 in dem Erlaß enthaltenen Thesen im Vordergründe der öffentlichen Discussion und wird über die Zulässigkeit vieler derselben heftig gestritten. Ihr Correspondent wird diesen für das englische Judenthum so hochwichtigen Gegenstand an anderer Stelle kritisch beleuchten. Augenblicklich befindet sich Dr. Adler in seiner amtlichen Eigenschaft auf seiner ersten Jnspizirungstour in England, die auf mehr als zwei Wochen veranschlagt ist. London steht augenblicklich unter dem Zeichen der Parlamentswahlen. Selbstverständlich streben auch Glaubensgenossen nach dieser Ehre und unter diesen sind besonders Samuel. Montagu und B. L. Cohen zu nennen. Während der erstere ein begeisterter Anhänger Gladstone's ist, ist der andere ein ebenso hartnäckiger Gegner der Home Rule. Die politische Meinungsverschiedenheit hindert sie nicht in jüdischen Gemeindeangelegenheiten einträchtig zusammenznwirken. Das Vermächtniß der im Dezember v. I. verstorbenen, 105 Jahre alten Miß Maria Lewin in der Höhe von 20,000 L. gelangte derart zur Vertheilung, daß ca. 60 Synagogen mit Beträgen bis zu 500 L. bedacht wurden, während der Rest von ca. 5000 L. der United-Sy nagogue zufiel. Herr Claude G. Montefiore, der erste Jude, der die sog. Hibbert-Vorlesungen heuer abhielt, spendete die Hälfte des Erträgniß dem Jewish Kollege. Ihre Majestät die Königin geruhte Feldermann's neues Werk: „Ungarn und sein Volk" in ihre Privatbibliothek aufzunehmen und befahl dem Autor ihren Dank zu übermitteln.

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