Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 53 (4.7.1892)
- Date
- 1892-07-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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968 zu sprechen; so wollte sie wenigstens die Erlaubniß erwirken, daß sie in der Festung nach Jakow sich erkundigen dürfe, aber die Unterbcamten des Gouverneurs wagten es nicht, ihr diese Erlaubniß zu ertheilen. Sie fuhr dennoch in die Festung, ließ sich bei dem Gefängnißdirektor melden, und bat denselben fußfällig, ihr eine Zusammenkunft mit dem Gefangenen zu gewähren. Der Director aber war gerade wegen dieses Gefangenen in sehr aufgeregtem Zustande. Es waren mehrere Ungesetzlichkeiten vorgckommen. Der junge Mann war geknutct worden, man hatte ihn des Nachts aus dem Gefängntß und dorthin wieder znrückgebracht, bald sollte er in einem Zimmer für vornehme Gefangene gehalten werden, bald warf man ihn in das elendste Loch, das sich überhaupt in der Festung befand. Kein Gefangener machte dem Direktor so viele Plage und Mütze wie dieser, und dabei wußte der Direktor nicht einmal, ob er richtig gehandelt habe, indem er den Befehlen Iwans nachgekommen. Wenn jener Jüngling auch sehr mächtig war und Vollmachten besaß, die man nicht anzweifeln konnte, so wußte der Direktor doch sehr wohl, daß dies immerhin nur ein sehr mangelhafter Entschuldigungsgrund für ihn wäre, wenn man jene ungesetzlichen Vorgänge gerichtlich untersuchen würde, weil nach einer Gesetzesbestimmung keine Vollmacht hinreichend war, um Beihülfe zu einer ungesetzlichen Handlung zu rechtfertigen. Andererseits existirt aber auch eine Bestimmung, daß man jedem Vorgesetzten, der mit genügenden Vollmachten ausgerüstet sei, blindlings gehorchen müsse. Diese beiden Gesetze widersprechen sich, wie so viele russische Ukase. Es gibt kaum ein Ukas, dem nicht ein anderer Ukas gegenüber steht, der ihn aufhebt und sein Gegentheil besagt. Wer sollte sich auskennen in diesem Wirwarr der Gesetze? Der Gefängnißdirektor wies die Bitte Rosas schroff und unwillig ab, er wollte die an sich schon verwirrten Verhältnisse Jakows nicht noch mehr in Unordnung bringen lassen. Davon sagte er indessen selbstverständlich Rosa nichts, er setzte ihrem Flehen nur ein kurzes, bestimmtes „Nein" entgegen. „So sagt mir wenigstens", schrie das junge Mädchen auf, „ob sich Jakow Alexandrowitsch noch in der Festung befindet?" Doch auch diese Auskunft verweigerte der Direktor; um nichts zu verrathen, brach er die Audienz ab und ging davon. Rosa hatte nichts erfahren, gar nichts, sie wußte nicht, ob sich der Geliebte vielleicht trauernd hinter dm öden Mauern befand, oder ob jene entsetzliche Nachricht sich bewahrheitet, ob er — sie vermochte diese Gedanken nicht auszudenken. Eilig fuhren sie noch nach der Vorstadt-Kirche und der Verwalter ließ sich von dem Popen die Kirchenbücher zeigen, er überbrachte sie Rosa, da stand es zu lesen, die grauenhafte, fürchterliche Wahrheit . . . Bewußtlos fiel das junge Mädchen zu Boden. Der Küster und der Gutsverwalter bemühten sich der Ohnmächtigen beiznstehen und rieben ihre Schläfen mit dem schmelzenden Schnee, der in dünnen Schichten ringsumher lag. Als sie wieder zu sich gekommen, wurde sie von den Männern in den Wagen gehoben, wo sie schweigend und dumpf vor sich hinbrütend sich niederließ. Die Pferde zogen an und der Wagen rollte dem Landschlosse zu. Der Verwalter schwieg beharrlich, er ahnte den Schmerz der jungen Dame und wollte sie nicht durch Reden quälen. (Fortsetzung folgt.) Der ,Jßraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Boge». PrelL de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirl ganzjährig, halbjährig ober vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel f* beziehe« bei E. f. 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Presse über ^ie Schächtsrage (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Eorrespondeuzen: Deutschland: Berlin. — Be gien: Ostende. — Türkei: -Dalouichi. — Marocco: langer. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichmsse. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen, sowie die zehnte Lieferung der Erzählung „Die Familie y Aguillar" von Dr. Lehmann y'xr*