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Der Israelit · 1892-06-30 · Heft 52 (30.6.1892) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 52 (30.6.1892)
Date
1892-06-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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956 getragen. Der Gedanke, das Reich um mehrere Millionen Juden zu entvölkern, hat nicht allein zahlreiche gesetzliche Formen angenommen, sondern er wird auch mit einem gewissen Cynismus, da wo die unermeßlichen Härten dießer Austreibungen in das Licht des Tages treten, besprochen und bethätigt. Selbst der Zarewitch, welcher den Ruf des bekannten Kronprinzenliberalismus in starkem Maaße genoß, giebt sich dieser Strömung widerstandlos hin, es scheint aber als ob ein neueres Ereigniß erst dazu benutzt werden konnte, eine diesbezügliche Umkehr in dem Herzen des Thronfolgers zu bewirken. Beweis dafür folgende mir von bester Seite verbürgte Thatsache: Bei dem Besuche einer Gallerie, sieht der Zarewitch zum Fenster hinaus und seine Blicke bleiben an einen Juwelierschilde haften, das den wildromantischen Namen Löwenthal trägt: „Ach" geruhen seine Kaiserliche Hoheit auszurufen, „schon wieder ein Jude!" Die Umgebung erlaubt sich hierauf zu bemerken, daß diese Annahme eine irrthümliche sei, was aber den Redner keineswegs abhält in seinen diesbezüglichen Angriffen fortzufahren. „Sie wissen wohl auch noch nicht, daß der Attentäter, welcher mich v. I. auf meiner Japanreise anfiel ein Jude gewesen ist!" Es ist also einer geschickten Eamarilla doch gelungen dieses persönliche Ereigniß so auszubeuten, daß ein orthodoxer Japanese dabei in einen nihilistischen Juden verwandelt wurde. Man sieht, daß die Geschichte der Höfe sich eben in der Kunst der planvollen Personenverschiebung wiederholt. Auch die Zarin, trotzdem gerade ihr Königshaus schon in den intolerantesten Zeiten eine rühmliche Toleranz entfallet hatte, gilt für stark antisemitisch. Als Herr White, der Bevollmächtigte des Barons v. Hirsch durch einflußreiche Vermittelung eine Audienz bei ihrer Majestät erlangt, wurde sie von der Schilderung der Leiden, welche jene unglücklichen Ausgetrtebenen durch Rohheit und Willkür erfahren haben, bis zu Thränen gerührt. White, ein absolut glaubwürdiger Mann, erzählte seinen Freunden sofort nach der Audienz, daß die Kaiserin entrüstet ausgerufen habe: „Das sind Infamien, davon weiß der Zar Nichts." Es ist indeß ein Aber hierbei! Einflußreiche Personen hatten nämlich die Audienz in einem Zimmer arrangirt, durch das der Czar um diese Zeit kommen mußte, und also auch dann jene herzzerreißenden Schilderungen zu hören bekäme, allein der Herr des Russischen Reiches erschien nicht. — Die Kaiserin selbst, soll dies veranlaßt haben. Als die einschneidendste Maßregel sehen übrigens die russischen Juden selbst diejenigen Gesetze an, welche ihre vielhundertjährigen Kinderschulen ausrotten wollen. Die Geldstrafen für Eltern und Lehrer sind so hoch bemessen und dürften nach der neuen Praxis so unerbittlich eingetrieben werden, daß ein diesbezüglicher passiver Widerstand fast aussichtslos wird. Jene Kinderschulen aber hatten wenigstens dafür gesorgt, daß unter den Millionen Juden fast keiner war, der nicht lesen, schreiben und rechnen konnte, also im Stande war, den Kampf um's Dasein unter gewissen Erleichterungen aufzunehmen. Geht auch dieser Elementarunterricht verloren, so verdüstert sich Vüles. Für das Schicksal aller dieser Unglücklichen bildet der Baron Hirsch einen gewaltigen Factor. Hoffentlich hat dieser Mann dafür gesorgt, daß das ungeheuere, von ihm unternommene Werk nicht auf seinen zwei Augen ruht. _JLi* 1 e t g e n._ Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. Jugenheim an der Bergstraße. 2986 Isr. Pension Heymann. In unmittelbarer Nähe der herrlichsten Waldungen und Parkanlagen gelegen. Großer Garten mit Pavillon, komfortabel eingerichtete Zimmer. Anerkannt gute Küche. Unter der von Rabb. Di'. Marx, Darmstadt, bestellten Aufsicht. Referenzen von Rabb. Herren Dr. Selver, Darmstadt, Dr. Steckelmacher, Mannheim. Die Kunststickerei °°» Wilhelm Rupp Liebfrauenberg 33 in Frankfurt a. M., empfiehlt sich zur Lnuggagglan ßtfrkfWfim a(§: Paroches.Sefermäntel- Anfertigung aller 5*Jj«UlJUyUlvU JUiuiCinnl chen, Schulchandecken etc. in echt Gold, Silber und Seide künstlerisch ausgeführt zu den billigsten Preisen. Auf Wunsch werden Probe-Arbeiten abgesandt und Voranschläge gratis und franco geliefert. 3518 Bad Neuenahr Streng Streng ")ED »HK "IEQ Borg’» Hotel Prospecte des Bades gratis und franco. Refrz. des Inu. Aulandes zu Diensten. / 'J1 itiii '• Kermann S. Ko sensu, Juwelieru. EdelfteirrhLrrdler München, Maffeistratze I. Altswahlsendungen zu Diensten. (1756

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