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Der Israelit · 1892-06-30 · Heft 52 (30.6.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 52 (30.6.1892)
Date
1892-06-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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947 streben wer de." Hierauf ließ sich der Erzbischof alle Mitglieder der Deputation einzeln vorstellen und erkundigte sich bei denselben eingehend über ihr Gemeindewesen. Vorige Woche wurde in Felsö-ArLny (Borsoder Com.), Herr A. Csech zum Bezirks- Rabbiner gewählt. Derselbe ist ein Lieblingsschüler des Preßburge r Oberrabbiners "j, in dessen von beiläufig 300 Bachurim besuchte rmr, er sich durch Scharfsinn und Fleiß eine hervorragende Stellung erworben hat. Wir können daher der Felsö-Aränyer Gemeinde zu ihrer vortrefflichen Aquisition nur vom Herzen gratuliren. Was aber bei dieser Gelegenheit hervorgehoben zu werden verdient, ist die erfreuliche Thatsache, daß diese Rabbinerwahl ohne jede Beeinflußung von unwürdigen, verwerflichen Mitteln vor sich gegangen ist. Wir sind es hierzulande schon gewöhnt, daß bet Rabbtnerwahlen von gewissenlosen Leuten alle möglichen und unmöglich scheinenden Mittel und Mittelchen — und seien dieselben auch höchst unwürdig — in Anwendung gebracht werden, um nur dem von ihnen protegirten Candidaten zum „Siege" zu verhelfen. Daß dann unter solchen traurigen Umständen der Qualifikation, Ueberzeugungstreue und Charakterfestigkeit des anzuftellenden Rabbiners eine ganz untergeordnete Bedeutung beigemessen wird, ist mehr als selbstverständlich. So haben wir erst kürzlich einem seltsamen, aber in Ungarn leider nicht mehr seltenen Schauspiel in Magendorf beigewohnt, wobei die Anhänger der einzelnen Candidaten selbst vor Geldversprechungen und vom Tragen von Federn in den Hüten mit dem Namen ihres Schützlings nicht zurückschreckten. Die Folge dieser, ihre Urheber und Helfershelfer an den Pranger stellenden verwerflichen Agitationen war, daß — da die Parteien in ihrem Treiben von unlauteren Motiven geleitet waren — dieselben zu keiner Einigung gelangen konnten und jede Partei ihren Protege als „gewählt" erklärte, welcher Umstand noch ganz unerquickliche Nachspiele hat, indem ein nicht unbedeutender Theil der Gemeinde den Tempel nicht mehr besucht und in einem Privatlokal die Gebete verrichtet. Beide Parteien sind fest entschlossen, es auf's Aeußerste ankommen zu lassen, falls ihr Kandidat nicht auch von der Gegenpartei als „legaler Rabbiner" anerkannt werden sollte. Hoffentlich wird die nächstens einzuberufende „Landeskonferenz der Orthodoxen" — über welche ich Ihnen s. G. w. binnen Kurzem eingehende Mittheilungen zugchcn lassen werde — nach Mitteln und Wegen trachten, um ähnliche Zwistigkeiten, die in den Gemeinden unhaltbare Zustände schaffen, ein Ende zu machen. Aber auch bis dahin sollten es die Candidaten, wenn sie den! Verdacht der Urheberschaft solchen „Chilul Haschem's" von sich abwälzen wollen, als heilige Pflicht erachten, auf Stellen, die sie nur durch, den ganzen Rabbinerstand zu entwürdigen und herabzusetzen geeignete Umtriebe erreichen können, ein für allemal verzichten. Denn — und da dürfen wir uns nicht scheuen, die traurige Wahrheit offen zu bekennen — oft sind es die Rabbinatskandidaten selbst, in den meisten Fällen aber die nächsten Anverwandten derselben, die zu Willkürlichkeit Hand bieten und mit nichts weniger als würdigen Mitteln die frei Wahl der beeinflussen, was keineswegs — jüdisch ist. L. G—g. Frankreich. Paris, 24. Juni. Auch darin gleicht der Entwickelungsgang des französischen Antisemitismus demjenigen, den er in anderen Ländern genommen hat, daß er seinen Weg mit Blut düngt. Gestern hat die Bewegung, welche Drumont und Genossen mit so großem Lärm seit den letzten Wochen betrieben und so mit aller Gewalt dem französischen Volke aufdrängen wollen, das erste Opfer gefordert. Kapitän Mayer, Professor an der polytechnischen Schule, ist den Folgen eines Degenstiches, den er in einem Duell mit dem Marquis de Morös erhalten hat, gestern Nachmittag erlegen. Die Veranlassung des Duells, welches der französischen Armee einen ihrer trefflichsten Offiziere und der polytechnischen Schule einen ihrer ausgezeichnetsten Professoren raubte, ist so nichtig als möglich. Kapitän Mayer war in einem kürzlich stattgefundenen Zweikampfe zwischen dem Kapitän Cremteux-Foa und dem Redacteur „Libre-Parole", M. de Lamase, Zeuge gewesen. Den Grund zu dem Duell hatte ein Artikel gebildet, welchen Lamase unter dem Titel „Die Juden in der Armee" veröffentlicht und in welchem er mehrere jüdische Offiziere auf das Schimpflichste angegriffen hatte. Auf Seiten des M. deLamase war der Marquis Morös als Zeuge thätig. Es war ausgemacht worden, daß die Protokolle dieses Duells nicht veröffentlicht werden sollten. Als sie aber trotzdem in den Journalen erschienen, verlangte Marquis de Morös Erklärungen von dem Kapitän Mayer über die begangene Indiskretion. Dieser verweigerte jede Erklärung und stellte sich demMarquiszurDisposition.DiebeiderseitigenZeugen berathschlagten,undobwohldieZeugen sich klardarüber wurden, daß der Kapitän unschuldig an der Veröffentlichung sei, welche vielmehr durch den Wortbruch eines Dritten ermöglicht worden war, scheiterten alle Ausgleichsversuche, da der Kapitän Mayer sich weigerte, den Namen dieses Dritten zu nennen. Der Zweikampf fand statt und schon beim zweiten Gange erhielt der Kapitän den tödtlichen

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