Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1892)
- Date
- 1892-06-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Stoß. Der Marquis de MorvS trat sofort zu ihm heran und sagte ihm: „Kapitän Mayer, wollen Sie mir erlauben, Ihnen die Hand zu drückend" Der Kapitän drückte ihm sofort die Hand. Hierauf wurde er ins Hospital geschafft und bereits unterwegs, im Wagen, hatte er einen enormen-Blutverlust. Im Hospital angelangt, wurde Mayer ohnmächtig. Die Aerzte ließen ihm unverzüglich alle Sorgfalt angedeihen. Da aber der Degen die Lunge durchbohrt hatte, gab es keine Rettung mehr. Um 5 Uhr verschied Kapitän Mayer, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben. Vater und Mutter des Verstorbenen, die keine Ahnung von dem Duell hatten, erfuhren dasselbe zugleich mit der Nachricht vom Tode ihres Sohnes. Man kann sich die herzzerreißenden Scenen vorstellen, die sich abspielten. Fast die gesammte Presse regiftrirt heute das tragische Ereigniß unter Ausdrücken, die zwischen Bedauern und schärfster Mißbilligung variiren. Man spricht von den „finstern Gepflogenheiten des Feudalismus und der Religionskriege", welche die antisemitische Campagne zurückführe. „Wir hoffen", schreibt der „Radical" heute, „daß die öffentliche Meinung mit einstimmigem Ruf diese Geschehnisse verwerfen und daß sie barbarischen Gewohnheiten Einhalt thun wird, indem sie ein Brandmal denen aufdrückt, welche kein anderes Mittel zur Bekräftigung ihrer Ideen haben, als das Vergießen von Blut." Allgemein ist die Hoffnung, daß der gestrige Vorfall eine Lehre für Drumont und seine Leute sein und ihnen fortan Mäßigung und Stillschweigen auferlegen wird. Aber mit Rücksicht auf die Art der Leute, um die es sich hier handelt, erscheint diese Hoffnung wenig gerechtfertigt, zwar bringt die „Libre Parole" heute ein Entresilet über das Duell, worin sie den tödtlichen Ausgang bedauert und mit tiefer Erregung respektvoll den Sarg dieses Opfers des point d’honneur grüßt." Aber zugleich erscheint im „Echo de Paris" ein Interview des Marquis de Morös, worin dieser versichert, daß das begonnene Werk fortgeführt werden wird, wobei er den schönen Ausspruch thut: „Wir sind erst am Anfang eines Bürgerkrieges!" Das ist doch wenigstens ein ehrliches Wort eines Antisemiten über den Antisemitismus. Paris, 26. Juni. Die Leiche des Hauptmanns Mayer wurde gestern Vormittag aus dem Hause seiner Eltern nach dem Militärhospital Gros- Caillon abgeholt und dort obducirt. Es ergab sich, daß der Degen Mores' die ganze rechte Lungenhälfte durchstochen und 30 Centimeter tief bis auf die Wirbelsäule, von der er erst absprang, gedrungen war. Rach der Autopsie geleitete der Polizeikommissär Cochefort die Leiche wieder in das Trauerhaus zurück. Alle jüdischen Rotabilitäten m von Paris und der Provinz, sowie viele Offiziere, die Zöglinge der Ecole polytechnique haben sich in die aufgelegten Register eingeschrieben. Das Begräbniß Mayer's gestaltete sich heute Nachmittag zu einer imposanten Kundgebung. Ungefähr 20,000 Menschen hatten sich in der Rue Douai und den angrenzenden Straßen angesammelt, um der Feierlichkeit beizuwohnen. Der Leichenwagen verschwand fast unter der Masse Blumen und Kränze, von denen, wie der „Temps" bemerkt, diejenigen der Blätter „Paris", „Radical", „Rappel", „Echo de Paris", „National". „Lanterne" und „Nation" besonders auffielen. Auch waren Zusendungen von der Schule Saint Barbe, Polytechnischen Schule und aus Altdorf im Elsaß zu bemerken. An der Spitze des Leichenwagens marschirte die Compagnie der Polytechnischen Schule, deren Kommandant Mayer war, dann folgte eine Compagnie Infanterie. Hinter dem Sarge gingen die Verwandten und Vertreter der Behörden, viele Offiziere in Uniform. Auf dem Friedhofe Montparnasse, wo die Beisetzung stattfand, hielt der Oberrabbiner Zadoc Kahn eine ergreifende Rede, worauf der Chef der Polytechnischen Schule, Borius, in einer Ansprache die Eigenschaften des Verstorbenen lobte und sein Bedauern über den frühzeitigen Tod desselben ausdrückte. Ein Onkel des Verstorbenen, der Rabbiner Mayer, sprach die üblichen Gebete. Vermischtes. R. Groß-Zimmerrr. Bereits vor einigen Monaten schon wurde in diesen Blättern mitgetheilt, daß Herr Lehrer Spier dahier für das damals in Aussicht gestandene Bnndes-Turnerfest zum Vorsitzenden des Feftcomitv's ernannt worden ist. Heute bin ich in der angenehmen Lage, berichten zu können, daß bei dem Sonntag, 19. d. M. unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung von Vereinen und Fremden aus Nah und Fern stattgefundenen Turnerfeste des Starkenburger Turnerbundes, verbunden mit der Fahnenweihe des hles. Turnvereins, Herr Lehrer Spier eine zündende, mit Begeisterung zum Vortrag gebrachte Rede hielt, die von den nach Tausenden zählenden Festtheilnehmern mit rauschendem Beifall aufgenommen wurde. Auch war Herr Spier zum Mitglied der Preisrichtercommission ernannt worden. — Einmal eine erfreuliche Ausnahme in unserer traurigen Zeit. Berrthen, 30. Mai. Die oberschlesischen Rabbiner haben in einer am letzten Sonntag hier stattgefundenen Versammlung, der unter Anderen die Herren Dr. Blumenthal-Ratibor, Dr. Cohn- Kattowitz, Dr. Goldschmidt-Königshütte, Dr. Jaffe,