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Der Israelit · 1892-06-30 · Heft 52 (30.6.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 52 (30.6.1892)
Date
1892-06-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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944 Begleiter hinweg. Mit dem nächsten Zuge fuhr er nach Petersburg und überreichte sofort nach seiner Ankunft jenes gesiegelte Schreiben dem Geheimerath Bluwo, der es augenblicks dem Oberprokurator der Synode überbrachte. Der Oberprokurator konnte nur mit größter Mühe seine Wuth über einen solchen, wie er sagte, in der russischen Kirchengeschichte beispielslosen Vorgang unterdrücken, er beschloß noch an demselben Tage zum Kaiser zu fahren, um sich über dessen gottlosen und jedem schuldigen Glauben hohnsprechenden Günstling Iwan Alexandrowitsch Oststone zu beschweren. Der Geheimerath merkte sich sehr wohl die Zeit, wann der Oberprokurator bei seiner Majestät zu erscheinen gedachte und baute hierauf seinen Plan zum Sturze Iwans. Ob es ihm indessen gelingen würde, ob nicht der schlaue Mensch Gegenmaßregeln getroffen und doch noch das ganze Spiel zu seinen Gunsten entscheiden würde, das war dem Geheimerath selbst zweifelhaft, denn er glaubte Iwan zu genau zu kennen, als daß er annehmen durfte, jener werde unthättg die Veranstaltungen zu seinem Sturze mitansehen. Iwan begab sich, als der Morgen heraufzog, der der Nacht, in welcher die Zwangstaufe stattgesunden. folgte, wieder auf das Landgut des Gouverneurs, er überstieg in der Dämmerung die Gartenmauer und schlich sich in seinen Schlafraum; einige seiner Mitknechte hatten seinen nächtlichen Ausflug bemerkt, doch Boleslow sagte ihnen, daß er ein kleines Liebesabenteuer gehabt hätte, und wenn nun auch die Knechte anfangs über den Alten schimpften, so beruhigten sie sich doch bald, als er Jedem eine Hand voll Kopeken gab, damit sie schweigen möchten. Am Morgen überreichte Boleslaw dem Gutsverwalter einige Zeitungen, von denen er sagte, er habe sie als er am gestrigen Nachmittage in der Stadt gewesen, von dem Juden, dessen krankes Kind er besuchte, geschenkt bekommen, weil etwas, was das junge jüdische Fräulein interessire, darin stehe; er selber könne nun nicht lesen, da er das als früherer Leibeigener nicht gelernt, und der Gutsverwalter möchte doch die Güte haben, ihm jene Nachrichten vorzulesen. Der Verwalter willfahrte seiner Bitte und las jene Notiz vor, wonach Jakow Alexandrowitsch Horwitz die Taufe empfangen und seine Verlobung mit einem hochadeligen Fräulein bevorstehe. „Was geht denn das unser jüdisches Fräulein and" fragte Boleslaw in naivem Tone den Verwalter. „Das kümmert Euch nicht, Alter", entgegnete der Andere, „die Zeitungen kaufe ich Euch ab. Das ist ja eine höchst merkwürdige Nachricht, die unser Fräulein gewiß sehr nahe angehen wird", sprach er zu sich selbst. Die Beiden wurden bald handelseinig, für zwei Kopeken überließ Boleslaw dem Verwalter die Blätter, der sich sofort zu dem Fräulein begab, um diese kaum glaubliche Zeitungsnachricht zu überbringen. Boleslaw ging au seine Arbeit und lächelte still vergnügt; hätte er selbst an Rosa jene Zeitungen überbracht, so hätte er dadurch vielleicht ihren Verdacht erweckt, so aber, da der Verwalter, der ja hie und da eine Zeitung zu lesen pflegte, ihr sie übergab, konnte sie nicht ahnen, daß Iwan seine Hand dabei im Spiel gehabt. (Fortsetzung folgt.) V« ,I»raelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Pret» frei Jahrgangs für Deutschland und Orsterreich 12 Reichs-Mark, für'8 Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel »« drsirhr« bet L. $. Ktrtnackrr. 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