Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1892)
- Date
- 1892-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Odesa 1× ep/1000834
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942 behufs Anstellung als Rabbiner in Böhmen zuerkannt. Herrnannftadt, 19. Juni. Den rumänischen Juden ist es durch eine am 11. d. M. ergangene Verfügung des Ministers des Innern verboten worden, sich künftighin in den Dörfern niederzulassen. Bisher war ihnen der Aufenthalt in den Dorfgemeinden gesetzlich nicht untersagt, sondern nur an die Bedingung einer diesbezüglichen Ermächtigung geknüpft. Brün«, 27. Juni. Bei dem gestrigen Empfange der Adelsdeputation sagte der Kaiser zum Abgeordneten Baron Rolsberg, welcher der Nachfolger des Antisemiten Türk ist, das sei ein erfreulicher Wechsel. England. London. Herr I. R. Pilling, Effingham Houfe, Arundel Street, hat von der türkischen Regierung die Concession zum Bau einer Eisenbahn von Acco nach Damascus erhalten. Die Linie, 120 engl. Meilen lang, wird von den Häfen zu Acco und Haifa (wo bei der Aussicht auf dessen commercielle Bedeutung schon die englische Sprache in der jüdischen Schule gelehrt wird) auslaufen und nach ihrer Bereinigung östlich von Haifa über den östlichen Fluß des Carmel führen und von hier durch die Ebene Esdrelon neben Nazareth, Nain, Jesreel und Beisan ihre Richtung zum Jordan nehmen, von wo sie am östlichen Ufer des galiläischen Meeres nach dem Hauran-Plateau (das Basan des A. T., wo Weizen und Gerste vorzüglich gedeihen) und weiter durch die Ebene von Damascus am östlichen Abhang des Hermon hinlaufend, am Südeingange der Stadt ihr einstweiliges Ende erreichen wird. Mit der Zeit aber wird die Linie von hier, als einem Centralpunkte, Abzweigungen nach Süden und Norden erhalten, während nach östlicher Richtung eine Linie zur Verbindung des Mittelländischen Meeres mit dem Meerbusen sich abzweigen wird, von wo dann eine weitere Linie durch Persien und Beludschistan eine vollständige Bahnroute nach Indien Herstellen wird. Die Ingenieure sind augenblicklich mit Abschluß der Vorarbeiten beschäftigt und soll dem Vernehmen nach der Bau schon recht bald in Angriff genommen werden. London, 26. Juni. Für die aus allen Weltteilen Zureisenden dürfte es von Interesse sein, zu erfahren, daß die Restauration „Goldstein" (Bloomfield Street, City) von der Wittwe des durch seine gewissenhafte Religiösität und aufopfernde Thätigkeit für die deutsche Gemeinde so wohlbekannten sei. Herrn Den Hof y'? angekauft wurde, was gewiß Gewähr bietet, daß die Restauration auch fernerhin in streng religiöser Weise geleitet wird. Rußland. Petersburg, 23. Juni. Wie die Blätter melden, seien zu Ehrenpräsidenten des Central-Auswanderungs-Comit^s für die Juden nach Argentinien Baron Günzburg, Poliakow und Brodsky und zum Zahlmeister der Director der Discontobank, Zach, gewählt worden. In Warschau, Kiew und in Hamburg werden Filialen des Comitös errichtet. Odessa. Ueber das gerichtliche Nachspiel eines Judenkrawalls im Süden bringt die „Od. Ztg." folgende Mittheilung: An den Pfingstseiertagen des verflossenen Jahres entstand in dem Städtchen Schirjajewka, im Kreise Ananjew, ein wüster Judenkrawall: die Läden und Wohnungen der Juden wurden gestürmt und darin Alles demoltrt; das Eigenthum, welches nicht zertrümmert wurde, wurde gestohlen. Wegen dieses Krawalls wurden 27 Personen vor das Ananjewer Geschworenengericht gezogen, wo sie sich dieser Tage zu verantworten hatten. Es wurden 128 Zeugen verhört, unter ihnen auch der Ortsgeistliche und der Stadtälteste. Diese beiden Zeugen hauptsächlich sagten vor Gericht ans, daß die Juden der christlichen Bevölkerung des Städtchens keine direkte Veranlassung zur Unzufriedenheit gegeben haben und daß die christliche Bevölkerung hauptsächlich durch judenfeindliche Hetzblätter aufgereizt worden sei. Von den Angeklagten wurden zwei zu 1 Jahr und 4 Monaten und 12 zu 4 und 8 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Uebrigen 13 Angeklagten wurden freigesprochen. > Vermischtes. < Freiburg i. Br. Der erste jüdische Doktor der Medizin der Freiburger Universität ist nicht viel über hundert Jahre alt. Die „Schwäbische Chronik" vom 6. April 1791 enthält folgende Mittheilung aus Freiburg i. Br. (30. März). „Vor kurzem erhielt auf unserer Universität zum ersten Mal ein Mediziner jüdischer Nazion den Doktor- Hut. Er heißt HöchHimer, ist aus Würzburg gebürtigt, ein Schüler von Mendelssohn in der Philosophie und von Gehelm-Rath H o f m a n n in der Arznei-Wissenschaft." Ueberhaupt scheint die Freiburger Universität im vorigen Jahrhundert durch Toleranz sich ausgezeichnet zu haben, da 1791 der einzige evangelische Professor, Namens Georg Jakobi, zum Rektor Magnificus gewählt wurde. Außer in der medizinischen Fakultät waren nämlich fast alle Freiburger Professoren Ordensleute oder Priester.