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Der Israelit · 1892-06-30 · Heft 52 (30.6.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 52 (30.6.1892)
Date
1892-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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941 liebe, sowie durch seine unermüdliche Arbeitsamkeit und leutseliges Wesen die Gunst und Achtung seiner Mitbürger in einem Maße erworben, wie sich dessen selbst hochstehende Leute selten rühmen können. Es konnte daher nicht Wunder nehmen, daß Hoch und Niedrig seinen obenerwähntenWegzugaus diesem Orte tief beklagten und sich sagen mußten, den Besten aus ihrer Mitte verloren zu haben. Fürwahr das, was Männer der Wissenschaft in Wort und Schrift zur Widerlegung und Vekämvfung des Antisemitismus geleistet haben, das hat dieser bescheidene Mann in vielen Kreisen durch sein Thun und Lassen in's Praktische übertragen. Nicht minder Rühmliches läßt sich von dem religiösen Lebenswandel des Dahtngeschiedenen berichten. Durch und durch von aufrichtiger ns™ und "n riNT erfüllt, scheute derselbe nicht die Ungunst der Witterung, nicht Verluste an Zeit und Geld, um die Möglichkeit zu erreichen, in einem der im Umkreise liegenden D'ai»' sein Gebet m»y yaoa zu verrichten und selbst zur Vortragsweise der jüdischen Lithurgie auf's Beste geeigenschaftet, war es für ihn eine Wonne dem namentlich während der dww d'd» eingetretenen Mangel an einem rfcsn hvi mit seiner Person abhelfen zu können und wie dies bei dem Charakter des Verstorbenen ganz selbstverständlich war, in der uneigennützigsten Weise. Es würde den Rahmen eines Berichts zu sehr überschreiten, wollte ich weiter die vortrefflichen Eigenschaften des Dahingegangenen schildern. Ich schließe daher, indem ich die gewiß im Namen aller Freunde und Bekannten gesprochene Behauptung aufstelle: Herr Lehmann Sternberg n"y wird uns für alle Zeit unvergeßlich bleiben. H. R. Wreschen, 26. Juni. Ein kostbares Andenken ist vorgestern dem Erzbischof von Posen Herrn Dr. v. Stablewski übermittelt worden. Es ist das der Ehrenbürgerbrief. Zu der gewählten Deputation, welche das Diplom überreichte, gehörten auch die Mitglieder der hiesigen israelit. Gemeinde, die Herren Wilhelm Sokolowskt, Wolfs Jaffe und Mendel Miodowski. Der künstlerisch reich ausgestattete Ehrenbürgerbrief selbst ist mit gewohnter Meisterschaft von Herrn Wilhelm Kornfeld in Posen ausgeführt. Magistrat und Stadtverordnete weisen in dem Briefe auf die großen Verdienste hin, die sich der Erzbischof während seiner 18jährigen Thätigkeit als Geistlicher um unser Gemeinwesen durch stetes Bemühen um die Erhaltung des konfessionellen Friedens gegeben hat. In der Erwiederungsrede bet Ueberreichung des Ehrendiploms betonte der Herr Erzbischof, daß er ohne Unterschied der Nationalität und Konfessionalität ein Wächter der Liebe und Gerechtigkeit sein wolle. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. In einem Prater-Restaurant spielte sich an einem der letzten Abende eine erregte Szene ab. In dem Gasthause saß bei einem Tische ein bartloser, anscheinend junger Mann bet einem Glase Bier. Drei Männer betraten das Lokal und setzten sich zu dem Gaste. Nach kurzer Zeit begannen sie sich über diesen lustig zu machen; sie hielten ihn für einen Juden und verspotteten ihn wegen seiner Confession. Der Gast erwiederte kein Wort, er nahm die Redensarten der drei Leute mit ruhigem Gleichmuthe hin, wodurch dieselben ermuthigt wurden, ihre „Späße" noch derber aufzutragen. Plötzlich erhob sich der Gast von seinem Stuhle und stellte sich den drei Antisemiten, welche ebenfalls aufgestanden waren, gegenüber. Ohne ein Wort zu reden, stellte er sich in die Positur des englischen Boxers und blitzschnell, im Verlaufe weniger Sekunden hatte er allen drei Angreifern Faustschläge ins Gesicht versetzt, so daß dieselben zu Boden fielen. Die drei Antisemiten waren übel zugerichtet, ihre Gesichter bluteten und unter Jammern und Wehklagen richteten sie sich vom Boden auf. Der Mann aber, der ihnen die Schläge versetzt hatte, setzte sich in aller Ruhe und ohne ein Wort gesprochen zu haben, wieder zu seinem Tische; eS war ein englischer Jockey, der in der Freudenau bei Hindernißrennen seinen Anhängern in diesem Jahre bereits ansehnliche Quoten bescheert hat. Saaz, 9. Juni. — In der gestern Nachmittags abgehaltenen statutenmäßigen Generalversammlung der Mitglieder der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurde Advocat Dr. Anspach zum Vorsteher der Cultusgemeinde, Herr Ad. Epstein zum Tempelvorfteher neugewählt und Advocat Dr. Löwt als Vertreter der Gemeinde in den Ortsschulrath wiedergewählt. Nikolsburg (Mähren), 27. Juni. Die Rabbinerfrage in unserer Gemeinde ist nunmehr gelöst. Vorige Woche wurde Herr Dr. David Feuchtwan g, Sohn des vor 41/2 Jahren verstorbenen hiesigen Rabbiners Herrn Dr. M. Feuchtwang zum Rabbiner gewählt und als solcher hat er bereits am jüngsten Sabbate mp 'b in der zahlreich besuchten Synagoge einen Vortrag gehalten, der mit Beifall ausgenommen wurde. Möge durch den Gewählten in unserer Gemeinde der Friede wieder hergestellt und dem Thoraftudium eine Pflegestätte geschaffen werden und es ihm also gelingen ru«n»i» meyn *v;nr6. Deutsch Brod, 19. Juni. Dem Herrn Jacob Singer, Religionslehrer am k. k. Staats- Obergymnasium in Deutsch-Brod, wurde von der k. k. Statthalterei auf Grund der Mtnisterial- Verordnung vom 27. Dezember 1891 die Befähigung

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