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Der Israelit · 1892-06-30 · Heft 52 (30.6.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 52 (30.6.1892)
Date
1892-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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939 Gesetze vorgeschriebenen Wege, die führen uns ab von der Landstraße! Auch unser Weg soll nicht abseits von der Heeresstraße liegen. Und gerade dadurch, daß wir offen und ehrlich denselben Weg ziehen, den so viele Millionen Menschen wandeln, sind wir 71*13 aus des Königs Straße!" Ja, war es denn nicht Israel, das für die Gottesidee kämpfende Israel, das zum erstenmale diese Worte dem Könige von Emori sagen ließ!? Hat wohl das damalige Volk Israel darunter verstanden, daß es mit den Emoräern des Königs Straße wandeln wolle, daß es ihre Sitten und Gebräuche annehmen, ihre heidnische Götterlehre anerkennen, eines Sinnes und eines Herzens mit ihnen leben wolle?! Es wollte in Frieden mit ihnen leben, kein Feld und keinen Weinberg verletzen, kein Privatrecht antasten, nicht das Wasser ihrer Brunnen trinken. Nur den -pn gehen, den Weg, den der König aller Könige vorgezeichnet. Und heute wird als Phrase benützt, was einst Israel der höchste Lebensernst war! In dieser Phrase, die dem modernen Juden erlauben seine Wege alle als -pn, als des Königs Straße zu bezeichnen, seine Wege alle, die oft so gar nicht im Zusammenhänge stehen mit diesem Wege, den Israel als von Gott vorgeschriebenen Weg seit Jahrtausenden wandelr; in dieser Phrase wird das jüdische Feld zertreten, der jüdische Weinberg niedergeriffen und die jüdische Quelle getrübt; nichts wird geschont, kein jüdisches Gesetz, selbst nicht das reinste und erhabenste, beachtet, keine Grenze mehr anerkannt, schonungslos stampft man herum auf dem jüdischen Boden und macht ihn zur Heeresstraße, zur Landstraße, so daß Alles, wissend undunwissend darauf wandelt, und wähnt und vorgibt: des Königsstraße zu wandeln. Das heutige Volk Israel hat keine Spur jenes friedlichen, wenn auch mit festem Willen seinen Weg verfolgenden, von der Wüste zum gelobten Lande auf „des Königs Straße" dahinziehenden Israels. Feindlicher Absicht voll, nimmt es wohl auch heute Worte des Friedens in den Mund, aber zertritt seinen eigenen Boden, verwüstet sein eigenes Feld, zerstört die eigene Weinbergspflanzung. Ob es wohl auch hinaufzieht, um sich ein Land zu gewinnen, oder nicht vielmehr zurück in die Wüste?! Auch darin so ganz unähnlich jenem alten Volke Israel! “l^ön -j-n „Laßt uns des Königs Straße ziehen!" so wollen auch wir heute noch rufen. Bleiben wir, unbeirrt durch die Erscheinungen der Zeit, auf dem Wege unserer Gotteslehre, die uns bis heute den rechten Weg geführt. Der Weg, den das moderne Geschlecht, als 111 bezeichnet, er soll sich wohl noch erst bewähren. Bis jetzt hat er nur irre geführt, so daß der Jude von heute eigentlich nicht mehr weiß, welchen Weg er einschlagen soll, ob überhaupt ein “jten -pn existirt. Dieser Zweifel allein ist schon bezeichnend genug, wie wenig man sich klar darüber ist. Ebenso bezeichnend aber ist es, daß bis jetzt Alle, ganz Israel, das sich von seiner Gotteslehre seinen Weg vorschreiben ließ, fest überzeugt ist, den 711, seines Königs Straße, zu wandeln. Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 24. Juni. Zu den Gerichtsverhandlungen gegen den Schlächter Busch off sind die Kriminal-Kommissare Wolff (Berlin) und Verkölsdank (Crefeld), die Aerzte Dr. Bauer (Moers) und Dr. Steinert (Xanten), sowie einige Sachverständige aus Coblenz, der Landrichter Brixius (Eleve) und mehrere Rabbiner geladen worden. Den Verhandlungen wird ein Delegirter des Justizministeriums beiwohnen. Die Anklage auf Mord wird Oberstaatsanwalt Hammer vertreten. Es sind drei Vertheidiger, sämmtlich Katholiken, gewonnen worden. Buschoff behauptet unschuldig zu sein. Berlin, 26. Juni. Verfasser der Broschüre „Judenbordelle" ist (einem hiesigen Blatt zufolge) Alexander Berg, aus Odessa gebürtig, in Hamburg naturalisirt, zur Zeit hier wohnhaft. Alexander Berg, als Jude geboren, später dem Christenthum gewonnen, hat auch sonst schon literarische Tätigkeit entfaltet. Von ihm rührt — und das wird die Sozialdemokraten interessiren — die Broschüre her: „Das Judenthum und die Sozialdemokratie". Bis zur „Kreuzzeitung" hat es (wie der Einsender meint) Alexander Berg noch nicht gebracht. Wird aber schon kommen. H. T. Hamburg, 22. Juni. Die Mitglieder der hochdeutschen Jsraelitengemeinde, Justizrath Heymann und Kaufmann Wetzlar, hatten dieser Tage eine Audienz beim Minister des Innern in Berlin, um denselben zu bitten, die von der Gemeinde vollzogene Wahl des Dr. Rosenfeld in Oroshoza zum Oberrabbiner zu bestätigen. 67 stellenlose Rabbiner Deutschlands haben sich mit einer Eingabe an den Minister gewandt und unter Klarlegung der Verhältnisse darum ersucht, dem Obengenannten als Ausländer die Bestätigung zu versagen. Der Minister- Hat denn auch die Wahl bislang nicht bestätigt. Nachdem die Deputation, welcher eine sehr freundliche Aufnahme beim Minister zu Theil wurde, ihr Anliegen vorgebracht, dasselbe eingehend motivirt und eine von fast allen Gemeindemitgliedern unterzeich-

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