Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1892)
- Date
- 1892-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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'■ 938 haben den bestehenden Verhältnissen Rechnung zu tragen, müssen die Rechte und die Besitzthümer Anderer achten, ihre Wasserquellen unberührt lassen, dürfen nur die gebahnte Straße, die kein Privateigenthum ist, wandeln. „Ich will dein Land durchziehen, so laß mich dein Land durchziehen." Es giebt Lebenswege, die man um jeden Preis verfolgen muß; es führt kein anderer Weg, um das Ziel zu erreichen, wie auch unser Volk durch das Land des Emori feinen Weg nehmen mußte. Es liegt da sehr nahe, daß man dabei, weil man sich vor eine Nothwendigkeit gestellt sieht, jede Rücksicht außer Acht läßt. yn, „des Königs Straße wollen wir ziehen," läßt Israel dem Emori sagen. Es gibt in jedem Lande Wege und Straßen, die Privaten gehören, nur zur Benutzung Einzelner und einzelner Gemeinden angelegt. Aber durch jedes Land muß eine Heeresstraße, eine Staatsstraße, gehen, die Jedem zu benutzen erlaubt ist, auf welcher König und Bettler, Einheimische und Fremde ihren Weg verfolgen können. Diese Königsstraße hat aber, so breit sie auch zu beiden Seiten, ihre Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen. So verhält es sich auch mit dem Lebenswege. Es gibt viele Wege, welche Einzelne für sich selbst anlegen, die aber immer engbegrenzt sind, nur zu einem engeren Ziele führen. Einen Weg muß es aber für Alle geben, den Alle benutzen können, ohne die Interessen irgend Jemandes zu schädigen. Wie unter allen Straßen und Wegen des Königs Straße die vornehmste und bequemste ist, so auch ist cs mit der Heeresstraße, die der König aller Könige uns hier auf Erden vorgezeichnet hat. Am leichtesten ist der yn, „des Königs Weg", zu finden und zu erkennen. o-om mt£o nts: w. Wo ein bebautes Feld, wo eine Weinbergspflanzung angelegt, wo also unser Fuß verbotenes Gebiet betreten könnte, da müssen wir uns zurückhalten. Für uns ist die mm des Königs Straße rrronrnj bj\ Dp: non „Ihre Wege sind lieblich, all ihre Pfade führen zum Frieden." Auch unser Land, die Erde, über die wir als Herren und Verwalter eingesetzt sind, besteht aus bebauten Feldern und Weinbergen. Der Mensch darf nicht nach Gutdünken und Laune überallhin seinen Fuß setzen, nicht jedes Stückchen Erde als Weg benutzen. Wenn die Erde ihm Nahrung spenden und all ihre Schätze ihm geben soll, dann müßen Straßen und Wege gebaut werden, die verhüten, daß Feld und Weinberg zertreten werden. Und wenn unseres Geistes Boden für uns nutzbringend und fruchtbar sein soll, so müssen gleichfalls Wege und Straßen eröffnet werden, dte uns durchführen, ohne daß wir irgend ein Gebiet verletzten. Den geistigen Pfad durch's Leben, die wahrhaft königliche Straße zu finden, muß unsere vornehmste Aufgabe sein. Auch auf diesem Wege darf kein Feld oder Weinberg betreten werden, er muß uns mitten durchführen. Gott hat uns ein geistiges Feld zu bebauen angewiesen nun» h dt:, einen Weinberg des Ewigen der Heerscharen, und wir selbst sollen diese Wetnbergspflanzung sein. Und dazu hat Gott uns den *]ten yrr, Seine Straße, Seine Wege vorgezeichnet. Wenn wir auch uns Wege und Pfade anlegen, um zu unseren speziellen Besitzungen zu gelangen; aber ausgehen müssen sie vom -\bnn yn und müssen münden in den yri. Keiner dieser Pfade und Wege darf ein Feld oder Weinberg verletzen. to *0 nntyj „Wir trinken nicht das Wasser eines Brunnens." Wenn wir fremde Gebiete durchwandern auf dem Königswege, um in unser Land zu gelangen, so dürfen wir fremdes Wasser nicht trinken. Quellen und Brunnen, um den Durst zu löschen, haben sich alle Menschen eröffnet Md gebaut, haben dort sich ihre Wohnungen errichtet. Wir haben rnn d’ö Tpo, einen nie versiegenden Urquell lebendigen Wassers auf unserem yn in unserer Pfad weisenden und Richtung gebenden Gotteslehre. Der Geist der Menschen ist immer durstig, bedarf wie der Körper stets neue Nahrung zur Erhaltung und Fortentwickelung. All die Brunnen, die menschliche Kraft erschlossen, können versiegen, auch wenn sie zeitweise reichlich Wasser spenden. Alles, was der Menschengeist erforscht, hat vielfach sich immer nur als vorübergehend befriedigend, als vorübergehend erfrischend und belebend erwiesen; so auf allen Gebieten des Wissens, ganz speziell aber wo es sich um die höchste Stufe des Wissens handelt. Die Erkenntniß der Schöpfung und ihres Schöpfers, und deren Zusammenhang und Zweck war sehr wechselnd und unbeständig. In all den flüchtigen Erscheinungen der Zeiten hat allein unser Gottesquell sich als unversiegbar erwiesen. Unser Gottesbegriff war frucht- und segenbringend für die ganze Menschheit und durch unsere mm, unseres Königs Straße, für uns speziell Leben erhaltend. ibs “jVcn yn „des Königs Straße wollen wir gehen?" so ruft man heute, „dte Heeres- und Landstraße, die für alle Menschen erbaut, die wollen auch wir dahinziehen; die vom jüdischen