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Der Israelit · 1892-06-27 · Heft 51 (27.6.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 51 (27.6.1892)
Date
1892-06-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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928 Pope sanft zu Jakow, „bist Du in die Tiefe des Christenthums eingedrungen und bist aus freiem Antriebe gewillt, Dich reuig zu ihm zu bekehren?" „Nein! Bet dem allmächtigen Gotte, nein!" schrie Jakow entsetzt, der den Tod, nicht aber die Taufe erwartet hatte. „Ich bin Jude und will Jude bleiben bis an mein Lebensende, tödtet mich, aber raubt mir nicht meine Religion. Aus voller Ueberzeugung bekenne ich mich zu den Lehren des Judenthums!" „Es ist unmöglich diesen Mann heute schon zu taufen", entschied der Priester kurz und bestimmt und trat von dem Altar hinweg. Iwan aber erfaßte den Popen mit der linken Hand bei der Schulter und setzte mit seiner rechten einen langen, glitzernden Dolch auf die Brust des alten Mannes. Der Priester fing an heftig zu zittern, seine Augen verdrehten sich vor Angst. „Mörder, Räuber!" wollte er schreien, doch er kam nicht dazu, denn Kolascheff hatte ihin bereits bei den ersten Lauten, die er von sich gab, den Mund zugehalten. „Sei gescheit, Pop", sagte „Iwan und mache uns keine unnöthigen Scherereien, es sollte uns leid thun, wenn Du etwas Ucbeles von uns erleiden müßtest." „Ihr verlangt Unmögliches!" stammelte der Priester. „Du irrst, mein lieber Freund, bei gutem Willen ist Alles möglich." „Die Sünde ist zu groß." „Thörichter Mann, wir zwingen Dich ja und alle Verantwortung fällt auf unser Gewissen, Du bist ganz schuldlos, wenn Du dem Zwange gehorchst." Das letztere Argunient leuchtete dem Popen ein. „Ihr habt Recht, Brüderchen", sagte er etwas ruhiger, „wird aber der Gefangene auch gutwillig das Glaubensbekenntniß sprechen wollen?" „Ich werde es für ihn hersagen, ich kann es noch", sprach Iwan lachend. „Das geht nicht, das darf nicht sein", rief der Pope. Iwan hielt eine Hundert-Rubelnote vor das Angesicht des Popen. Erstaunt blickte der Priester auf eine so ungeheure Summe, so viel Geld hatte er noch nie in seinem Leben gesehen, geschweige denn besessen;*) seine Mienen nahmen den Ausdruck eines eigenthümlichen Gemisches von Habgier und Furcht an. „Vergeßt nicht, daß Ihr gezwungen werdet", rief Iwan lachend und ließ den vollen Mondschein auf die Banknote fallen. „Ich nehme das Geld nicht", rief der Pope, da er merkte, daß der Küster zuhörte, doch als Iwan die Hand mir der Banknote sinken ließ, griff der Priester hastig danach und schob sie heimlich in die Tasche, darauf ließ er sich mit Gewalt hinter den Altar zurückzerren und begann unter dem Einflüsse von Iwan langem Dolches, der noch immer eine unheimliche Existenz außerhalb seiner Scheide führte, die Litanei und Ceremonie. Jakow sperrte sich krampfhaft gegen seine Banden, doch es war unmöglich, sie auch nur zu lockern, denn eiserne Fäuste umklammerten seine Gelenke und unterdrückten jede Bewegung, die er versuchen wollte. (Fortsetzung folgt.) *) Die Popen besitzen keinen festen Gehalt, leben von den Einkünften, die Eheschließungen rc. mit sich bringen, und sind im klebrigen auf die Mildthätigkeit der Bauern angewiesen; sie befinden sich oft in grenzenloser Noih und verbringen meist ihr ganzes Leben in Hunger und Elend; ein deutscher Dorfschullehrer ist ein Nabob zu nennen, verglichen mit manchen russischen Dorfpopen. Der »Israelierscheint wöchentlich zweimal, MoatagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganz, jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen ail. — Durch den Buchhandel fU bestehe» bet E. F. S t e 1«a ch r r, Leipstg, Noßplatz IS. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Rau»». — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Juhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein Wort über die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur und einige verwandte Bestrebungen. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehr mann in Baden (Schweiz.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Darmstadt. Berlin. Stuttgart. Karlsruhe. Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Günstling deS Czaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phiJ. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Vom Meeresstrande. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Heilbronn. Königsberg. — Frankreich: Paris. — England: London. -- Rußland: Odessa. Warschau. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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