Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1892)
- Date
- 1892-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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926 aus. Die Armenunterslützung erforderte außer den von edlen Spendern diesem Zwecke gewidmeten 1835 fl. 30 kr. noch den Betrag von 18,913 fl. 80 kr. aus der Vereinskasse. Den hiesigen Humanitätsanstalten wurden Subventionen von 3400 fl. Im vergangenen Jahre sind 1980 Leichen durch den Verein rituell bestattet worden. Für 621 wurden die tarifmäßigen Bestattungsgebühren entrichtet, für 296 blos die halben, ja sogar oft nur ein Drittel. 1t 23 Leichen wurden gratis beerdigt, was dem Verein eine Auslage von 21.198 fl. verursachte, Die bis nun ausgewiesenen Beträge des humanen Vereins erreichen die Höhe von 74,694 fl. An Stiftungen, Legaten und Spenden erhielt derselbe im Vorjahre 7916 fl. und für das israelitische Siechenhaus 3520 fl. Den Einnahmen von 139,452 fl. stehen Ausgaben von 123,724 fl. gegenüber, so daß das Jahr 1891 einen Verwaltungsüberschutz von 15,728 fl. 89. kr. ergab. — Gleich großartig sind die Leistungen des „Israelitischen Frauenvereins". Von demselben wurden 26526,50 fl an Unterstützungen verabfolgt. Im Mädchenwaisenhause erhielten 57 gänzlich verwaiste, im Mädchenasyl 45 halbverwaiste Mädchen Erziehung; außerdem wurden noch 22 externe Waisenmädchen auf Vereinskosten erhalten, was Ausgaben in Höhe von 29,435 fl. 96 kr. erforderte. In der Volksküche wurden 130,277 Personen, allen Konfessionen angehörig, gespeist, darunter erhielten 24,020 — zumeist arme Studenten — Gratiskost. In der kalten Jahreszeit, vom Dezember bis März, wurden 8639 arme Schulkinder gegen die geringe Vergütung von 6 kr. mit Mittagessen versehen. Die Verwaltungskosten der Volksküche betrugen 17,685 fl. 48 kr. Die Gesammtausgaben betrugen 75,109 fl. 36 kr., denen blos eine Einnahmspost von 64,840 fl. 54 kr. gegenüberfteht, sonach ergab sich das bedeutende Verwaltungsdesicit von 10,250 fl. 82 kr. Das über jedes Lob erhabene Wirken der edlen Frauen verdient sicherlich vom großen Publikum gewürdigt zu werden. Hoffentlich wird dasselbe seine Sympathie diesem humanitären Institut nach wie vor bewahren, ja noch in größerem Maße zuwenden. D. H. S. > vermischtes. < Lodz. Vor wenigen Tagen langte dahier, wie die „Lodz. Ztg." berichtet, ein kleiner Hebräer, 6 Jahre alt, an, der allein die weite Reise von Paris znriickgelegt hatte. Er trug ein Plättchen an einer Schnur, auf welchem das Ziel seiner Reise angegeben war: „Ehaie Weinstein, Krntkastr. Balntv. Russisch-Polen", und ans der Rückseite: In Thoru halte ich nach 15 Ri. 20P fg., wovon ich 40 Psg. für Gepäck und Russe ausgegeben habe." Der kleine Reisende hatte einen Sack mit Lebensmitteln bei sich und reiste ohne jegliche Begleitung, indein eine Bahn ihn der anderen übergab und so sort, bis er hier durch die Gensdarinerie der Polizei übergeben wurde, von wo seine Mutter ihn abholcn sollte. ' Wie er selbst erzählte, ist er vor einem Jahre mit seinem Vater aus Lodz nach Paris gereift und schickt ihn dieser nach Lodz zurück. Paderborn, im Mai. Die israelitische Waisen- Erziehungs-Anstalt für Knaben und Mädchen ans Westfalen u. Rheinland veröffentlicht ihren 32. Jahresbericht. Die Anstalt zählt augenblicklich 56 Waisen. Die Einnahme des letzten Jahres betrug 40,10t!.56 Mark, die Ausgabe 32,794-46 Mk. Davon entfallen ans Beköstigung 14,611.74 Mark, das macht für jedes Kind 260.92 Mk. Die Zahl der Jahrzeitstiftungen beträgt nicht weniger als 920. J-ainilienstistnngen und 4 mit einem Betrage von 38,220.60 Mk vorhanden. gcfaßt. „Ihr könnt gehen, Boleslaw", sagte sie kühl, „was Ihr da geredet habt, ist barer Unsinn, und ich begreife nun nicht, wie ich mich darüber so sehr erschrecken konnte. Ihr braucht auch für mich heute Abend nicht nach der Stadt zu gehen, es hat doch keinen Zweck mehr. Lebt wohl!" Boleslaw ging mit einer tiefen Verbeugung schweigend, auf den Fußzehen, davon, eine Dienerin, die von der Fi'nstiu als Kammermädchen Rosas bestimmt worden war, blieb allein bei derselben zurück. Boleslaw ging in den Garten und begab sich in das Holzgebände, in dem er mit mehreren anderen Knechten zusammen seine Schlafstätte hatte. Er setzte sich auf seine Bettstatt und blickte dumpf brütend vor sich hin. „Es ist geradezu ein Wahnsinn, eine fixe Idee, daß ich mein ganzes Dasein auf's Spiel setze, um dieser Jüdin habhaft zu werden, aber weiß Gott, ich kann nicht anders, und wenn dieses Wahnsinn ist, so bin ich demselben nnterthan und vermag nicht, mich von ihm zu befreien." Ec hatte diese Worte vor sich hingeflüstert, erschreckt blickte er jetzt um sich, ob nicht Jemand dieselbe gehört hätte, aber es war kein anderer Mensch in dem Raume, und beruhigt setzte sich der junge Mann wieder nieder. Feuilleton. Der Hünstliiig des Kzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Ion. Lehmann, Oi. phil. (51. Fortsetzung.) Rosa halte sich verhältnißmäßig schnell wieder